Link zu WSL Hauptseite Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
 

Warum haben Bäume Jahrringe?

Jahrringe Larix decidua
Auf diesem Bild erkennt man das helle "Frühholz" und das dunkle "Spätholz" einer Lärche.
Jahrringe Oxalis
Dieser Waldsauerklee hat auch Jahrringe.
Jahrringe Zählen Binokular
Unter einem solchen Mikroskop messen und zählen WSL-Forschende Jahrringe.

Bäume wachsen nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Jedes Jahr bilden sie einen neuen Jahrring, direkt unter der Rinde. Bei Nadelbäumen grenzen sich diese Jahrringe oft besonders klar voneinander ab, so dass man sie gut zählen kann. Warum ist das so? Und wozu braucht der Baum überhaupt Jahrringe?

Wenn man Jahrringe unter dem Mikroskop anschaut, sieht man, dass sie aus unterschiedlich grossen Holzzellen bestehen. Im Teil des Stammes, der der Rinde am nähesten ist, sind diese Holzzellen lebendig und sehr wichtig. Durch sie werden nämlich Nährstoffe und Wasser von den Baumwurzeln bis zu den Blättern oder Nadeln transportiert, wie durch riesige Strohhalme. 

Unterschiedliche Zellen im Laufe des Jahres

In Regionen der Welt mit vier Jahreszeiten treiben Blätter im Frühling aus. Sie brauchen sofort viele Nährstoffe und Wasser, die durch diese Strohhalme transportiert werden. Deshalb produziert das Kambium – die "Holzfabrik" im Baum – zuerst viele grosse Holzzellen, die heller erscheinen. Dieser Teil des Jahrrings wird "Frühholz" genannt. 

Im Spätsommer wächst der Baum weniger. Die Zellen werden kleiner, ihre Wände dicker. Dieses "Spätholz" bildet den dunkleren Teil des Jahrringes.

Wenn es im Winter gefriert, kann der Baum kein Wasser mehr aufsaugen. Die Holzzellen transportieren kein Wasser und keine Nährstoffe mehr. Deshalb produziert der Baum keine neuen Zellen und geht in Winterruhe.

So entsteht in jedem Jahrring der von blossem Auge sichtbare Kontrast zwischen den letzten, dunklen Spätzholz-Zellen und den ersten, hellen Frühholz-Zellen.

Auch Kräuter haben Jahrringe

Nicht nur Bäume, auch mehrjährige Kräuter bilden Jahrringe. Allerdings braucht man eine gute Lupe, um diese Jahrringe zu zählen, denn sie sind lediglich 0,04 bis 0,5 Millimeter breit. So konnte ein Forscher der WSL das Alter von vielen Krautpflanzen bestimmen, z.B. 202 Jahre für eine Alpenrose.

An der WSL...

.. gibt es seit über 30 Jahren das grösste Jahrringforschungs-Labor Europas. WSL-Jahrringforschende nehmen in der Schweiz und an vielen Orten in der ganzen Welt Proben aus alten oder fossilen Bäumen bzw. aus alten Holzgebäuden oder -gegenständen.
Meistens nehmen Forschende kleine Proben mit Hilfe eines speziellen Handbohrers, manchmal zählen und messen sie die Jahrringe auch direkt auf einer Stammscheibe unter dem Mikroskop (wie auf dem Bild rechts).

 

Spacer