Entwicklung der Insektenfauna in Windwurfflächen
Problemstellung
Nach Sturmschäden stellt sich immer wieder die Frage nach dem Risiko einer Massenvermehrung von Forstschädlingen. Besonders Borkenkäfer stellen bei mangelndem Angebot an Brutstätten bei grossem Populationsdruck eine latente Gefahr für stehende Bäume dar. Es fragt sich, ob diese Gefahren bei einer nicht aufgeräumten Fläche grösser sind als bei einer durch Räumung aufgearbeiteten Fläche. Anderseits leistet ein grosser Teil der Insektenfauna einen wichtigen Beitrag zum Abbau von totem Holz und bildet eine Bereicherung der ökologischen Vielfalt im Lebensraum Wald.
Bild: Fensterfalle im Windwurfgebiet von Pfäfers SG; dieser passive Fallentyp fängt fliegende Insekten.
Ziel
In aufgeräumten und unaufgeräumten Windwurf-Teilflächen sollen einerseits die für den Forstschutz relevanten Schadinsekten und ihre Antagonisten (Artenspektrum, Dynamik, Gefährdung des Waldbestandes) und anderseits die ökologisch-naturschützerisch wichtigen Arten (Artenvielfalt, Diversität, Zeigerarten) untersucht werden.
Wissenschaftliche Methode
Die Feldarbeit besteht aus einem einfachen "monitoring" der Insekten mit verschiedenen Fallentypen (Fensterfallen, Gelbschalen und Bodenfallen). Insgesamt werden 91 Fallen aufgestellt. Aus den wöchentlichen Fängen des Jahres 1991 kann für die folgenden Jahre ein Minimalprogramm von 2 mal 5 Wochen Sammeltätigkeit bestimmt werden. Mittels Kontingenztafeln und/oder Varianzanalysen werden Artenzahl und Individuenzahl der Teilflächen miteinander verglichen.
Stand der Arbeiten
1991 und 1992
Die Insektenfallen wurden wöchentlich geleert. Diese Fänge sind alle sortiert und ein grosser Teil ist bestimmt (1 Diplomarbeit).
1992 wurden auch spezielle Erhebungen von Tagfaltern, Kleinsäugern und Schnecken gemacht.
1993 und 1994
Die Fallen wurden nochmals während der ganzen Saison aufgestellt und wöchentlich geleert, da sich die Bestimmung einer optimalen Fangperiode von 5 Wochen als unmöglich erwiesen hat. Laufend werden die noch ausstehenden und neu dazukommenden Insekten bestimmt.
1995
Grobsortieren und Bestimmen der Insektenfänge
1996
Grobsortieren und Bestimmen der Insektenfänge
Fang in allen Flächen unter Anwendung des "Minimalprogrammes 3+2"
1997
Import von eintreffenden Daten in Datenbank, Auswertungen
1998
Import weiterer Daten in Datenbank, Auswertungen
1999
Datenimorte in Datenbank, Auswertungen
Publikation: Duelli, P., Obrist, M.K. (1999) Räumen oder belassen? Die Entwicklung der faunistischen Biodiversität auf Windwurfflächen im schweizerischen Alpenraum. Verh. Ges. Oekol. 29: 193-200.
2000
Letzte Sammlung von Insekten, 10 Jahre danach
Stand der Kenntnisse
Die spärlich vorhandene Literatur bezieht sich vor allem auf die Räumung von Sturmschäden und die in der Folge auftretenden Insektenprobleme. Traditionellerweise werden Windwurfflächen so schnell wie möglich geräumt, um der Massenvermehrung und damit der Gefährdung des Bestandes durch Borkenkäfer vorzubeugen. Im Vergleich zwischen belassenen und geräumten Windwürfen sind bei ersteren generell mehr Arten und Individuen sowohl von Borken- und Bockkäfern als auch von Nützlingen anzutreffen. Kleinere, flugfähige Laufkäfer (Nützlinge) finden sich eher in aufgeräumten Varianten, die grösseren "Waldarten" in belassenen Flächen. Eine belassene Sturmfläche entspricht einem Mittelding zwischen "Wald" und "Lichtung" und zieht demzufolge eine grössere Artenvielfalt von Insekten an.
Bedeutung für die Praxis und Forschung
Bisher wurde nach Sturmereignissen sofortiges Aufrüsten empfohlen, um der drohenden Borkenkäfergefahr zu begegnen. Diese Empfehlungen basieren praktisch ausschliesslich auf Empirie. Das vorliegende Projekt soll die Notwendigkeit einer Räumung von Windwürfen vom entomologischen Standpunkt aus wissenschaftlich angehen. Neue Erkenntnisse können auch bezüglich Phänologie, Verbreitung und Lebensraumansprüche von verschiedenen Arten und deren Vergesellschaftung gewonnen werden.
Bisher Publikationen
Mitarbeitende
Intern
Extern
- Verschiedene SpezialistInnen für die Bestimmung von Insekten
- lokale Forstdienste
Bemerkungen
Dieses Projekt entstand im Zusammenhang mit dem WSL-Rahmenprojekt "Entwicklung von Windwurfflächen im Gebirgswald mit und ohne Räumungs- und Wiederbewaldungsmassnahmen" von Reinhard Lässig und Walter Schönenberger
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