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Die Edelkastanien-Gallwespe hat das Tessin erreicht

Edelkastanien-Gallwespe
Abb. 1: Weibchen der Kastaniengallwespe.
(Bild: Jerry A. Payne, USDA Agricultural Research Service, Bugwood.org)
 
Gallen der Edelkastanien-Gallwespe
Abb. 2. Detailansicht der Kastaniengallen.
(Bild: Waldschutz Schweiz)
 
Querschnitt einer Galle der Edelkastanien-Gallwespe
Abb. 3. Aufgeschnittene Galle mit weisslichen Larven [Pfeile].
(Bild: Waldschutz Schweiz)

Im Mai 2009 wurde im Siedlungsgebiet von Mendrisio (TI) erstmals in der Schweiz die ursprünglich aus China stammende Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) entdeckt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersuchte die eingeschickte Zweigprobe und bestätigte den Befall durch diese Gallwespenart.

Der Tessiner Forstdienst, der von einem privaten Baumbesitzer über den ungewöhnlichen Insektenbefall informiert worden war, und der Kantonale Pflanzenschutzdienst stellten nach dem Austrieb im Mai 2009 fest, dass die als invasiv geltende Edelkastanien-Gallwespe bereits in weiten Teilen des Mendrisiottos und im Luganese vorkommt. Der stärkste bekannte Befall ist aber jener in Mendrisio. Es ist bisher nicht bekannt, ob die Gallwespe aus der Lombardei ins südliche Tessin eingeflogen ist oder ob sie mit Pflanzenmaterial aus Italien eingeschleppt wurde.

Betroffene Edelkastanien zeigen eine starke Gallenbildung an Trieben, Blättern und Blüten. Aufgrund der biologischen Entwicklung des Insekts (siehe Waldschutz aktuell) und der Intensität des Befalls ist davon auszugehen, dass der untersuchte, 15 Meter hohe Baum schon 2007 befallen wurde. Ein starker Befall reduziert die Frucht- und Triebbildung und führt nach mehrjährigem Auftreten zu einem Kümmern der Bäume. Grössere Edelkastanien sterben aber nicht ab. Bei der Kastanienproduktion kann es bis zu 75% Ausfälle geben.

Pflanzenhandel fördert Verbreitung

Die Kastanien-Gallwespe stammt ursprünglich aus dem Süden Chinas, wurde aber weltweit verschleppt. Seit 1941 wird sie in Japan beobachtet, 1963 erreichte sie Korea und elf Jahre später auch die USA. Den ersten Befund aus Europa meldete 2002 Italien. Drei Jahre später fand man das unscheinbare Insekt auch in Frankreich und Slowenien. Es ist anzunehmen, dass es sich bald auch nördlich der Alpen verbreiten dürfte. Dies geschieht entweder durch den unerlaubten Transport von befallenen Baumschulpflanzen und Pfropfreisern oder durch den Flug der Weibchen. Erste Befallsherde in einer Region weiten sich anfänglich nur wenige Kilometer pro Jahr aus. Später kann es mit Unterstützung des Windes auch zu einer weiterreichenden Ausbreitung kommen.

Bekämpfungsmassnahmen

Über die Wirksamkeit von Bekämpfungsmassnahmen liegen in Europa erst wenige Erfahrungen vor. Mechanische und chemische Massnahmen können die weitere Ausbreitung nicht verhindern. Die Wespenlarven sind im Innern der Gallen gut vor Insektiziden geschützt. Nur im Anfangsstadium der Ausbreitung können Gallen in Baumschulen und weiteren kleinen Befallsherden im Frühling herausgeschnitten und vernichtet werden. Wichtig ist, dass kein verseuchtes Pflanzenmaterial wie beispielsweise Jungpflanzen verschleppt wird.

In Japan ist die biologische Bekämpfung mit einer chinesischen Schlupfwespeart erfolgreich. Diese wurde unterdessen auch in Italien freigesetzt, wo sie sich etablieren konnte. Es ist zurzeit jedoch noch zu wenig bekannt, welche Auswirkungen der Einsatz dieser Schlupfwespe auf europäische Tier- und Pflanzenarten hat. Wie weit die Ausfälle bei der Marroniproduktion durch diese Massnahmen verhindert werden können, lässt sich erst sagen, wenn ausreichende Erfahrungen mit von Gallwespen befallenen Edelkastanien bestehen.

Gallwespenbefall dem Pflanzenschutzdienst melden

Die Edelkastanien-Gallwespe ist durch die EPPO (European and Mediterranean Plant Protection Organization, die Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum) als A2 Quarantäneorganismus eingestuft. Ein Neubefall muss dem kantonalen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Aus Befallsgebieten, aber auch innerhalb dieser, dürfen keine Kastanienpflanzen (Jungbäume, Pfropfreiser usw.) in andere Gebiete verbreitet werden. Dies schränkt neben der Fruchtproduktion auch Veredelungen und die Neubegründung von Edelkastanienselven massiv ein.

Weitere Informationen

Waldschutz aktuell 2 / 2009

Edelkastanein-Gallwespe in Diagnose online: Baum- und Waldkrankheiten

Comunicato Stampa, Repubblica e Cantone Ticino (19.05.2009)

Beitrag zur Edelkastanien-Gallwespe (mit Literaturhinweisen) (www.waldwissen.net)

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