Forum für Wissen 2010: Landschaft als Ressource



Siedlung in der Landschaft
Die Siedlungen vergrössern sich, der Erholungsdruck auf Wald und offene Landschaft nimmt zu.
 
Schild im Wald
Schilder geben dem Erholung suchenden Menschen oft hilfreiche Hinweise, sind aber auch Zeichen für eine intensive Nutzung der Landschaft .
 
Lawinenverbauung Oberalp
Lawinenverbauung am Oberalp-Pass. Einerseits ein Fremdkörper in der Landschaft, anderseits ein Garant für mehr Sicherheit.


Fotos: Reinhard Lässig / WSL

An der diesjährigen Fachtagung "Forum für Wissen" der WSL kamen Konzepte, Messgrössen und Datengrundlagen zur Sprache, welche die Qualität der Landschaft charakterisieren. Immer mehr Fachleute, aber auch die Bevölkerung, sehen in der Landschaft eine vielfältige Ressource für eine attraktive Umwelt und keinen reinen Verbrauchsfaktor für Wirtschaft und Politik.

Vielfältige Landschaften sprechen alle an – und erfüllen automatisch verschiedene Funktionen. Die Leistungen und die Qualität einer Landschaft sind allerdings sehr schwer messbar. Deswegen wurden in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten Konzepte und Indikatoren erarbeitet, mit denen sich die Landschaftsqualität erfassen lässt. Ein noch junges Projekte ist "Landschaftsbeobachtung Schweiz" (LABES), das anlässlich der Fachtagung "Forum für Wissen 2010 - Landschaftsqualität" durch Vertreter des Bundesamts für Umwelt BAFU und der Eidg. Forschungsanstalt WSL vorgestellt wurde.

Landschaftsqualität messen

In diesem Projekt wird die Landschaft bis ins Jahr 2013 anhand von 39 Messgrössen beurteilt. Ein grosser Teil dieser Messgrössen bezieht sich – erstmalig in dieser Art – auf die soziale Dimension der Landschaft, also auf die durch den Menschen wahrgenommene Landschaft. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Landschaft in der Schweiz unter den räumlichen Veränderungen leidet. Sie wird zerschnitten, zersiedelt und versiegelt. Und die Nachtlandschaft verschwindet: "In der Schweiz brennen unterdessen so viele Lichter, dass es bald keine bewohnte Stelle mehr gibt, wo es nachts dunkel wird", sagte Gilbert Thélin vom Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern. Die von der WSL ausgewerteten Satellitenbilder zeigen klar: es gibt im Schweizer Mittelland keinen Quadratkilometer mehr mit absoluter Dunkelheit. Auch "Anlagefreie Gebiete", die als Rückzugsgebiete für Menschen und Tiere wichtig sind, gibt es immer weniger, wie Forschende der WSL herausfanden. Lediglich 24 % der Schweiz weisen keine sichtbaren Spuren der Zivilisation auf. Diese Flächen liegen vor allem im Alpenraum.

Die fortschreitende Möblierung, Zersiedelung und Zerschneidung der Landschaft ist mindestens teilweise messbar, wie Anna Hersperger von der WSL zeigte. Sie führte mit ihrem Team im Kanton Aargau eine Studie durch, in der sie auf 48 zufällig ausgewählten Quadratkilometern alle künstlichen Objekte erfasste, die für die Nutzung der Alltagslandschaft durch die Bevölkerung wichtig sind. Die Auswertung ergab pro Fläche durchschnittlich 21 Objekte wie Bänke, Landwirtschaftsgebäude, Hochsitze, Robidogs, Feuerstellen, Schilder oder Elektrizitätsleitungen. Diese zeugen von einer intensiven Nutzung der Landschaft durch die Bevölkerung. Und die Umweltpsychologinnen Nicole Bauer und Dörte Martens, beide WSL, stellten in verschiedenen Untersuchungen fest, dass die Bewegung in einer offenen Landschaft und im Wald dem psychischen Wohlbefinden dient, wobei in einem gepflegten Wald besser gelingt als in einem verwilderten. Bewegung in der Landschaft fördert damit die Gesundheit.

Ländliche Sehnsucht - Ursache für Zersiedelung?

Marcel Hunziker, Sozialwissenschafter an der WSL, zeigte auf, dass sich der Mensch mit seiner Umgebung vor allem dann identifiziert, wenn er der Landschaft bestimmte Bedeutungen zumisst. Dies spielt eine entscheidende Rolle, wenn Entwicklungen, wie beispielsweise die Zersiedelung der Landschaft, beeinflusst werden sollen: "Wir können die Flucht junger Familien aufs Land stärker bremsen, wenn wir die Vorzüge urbanen Lebens vermehrt aufzeigen und uns nicht nur auf raumplanerische und finanzielle Massnahmen beschränken. Die Erfolgschance einer solchen Strategie liegt nach Hunziker in der "urbanen Sehnsucht" vieler Menschen begründet, die sich zumeist in der zweiten Lebenshälfte offenbart.

Zahlreiche Datenquellen in der Schweiz

Matthias Stremlow, BAFU, unterstreicht die Erfolge im Bereich der Datenquellen – gerade auch im internationalen Vergleich. Diese Daten sind wichtig als Teil der Kommunikation. In seiner Tagungsbeobachtung stellt er fest, dass die Schweiz neben dem LABES-Projekt mit dem Biodiversitätsmonitoring, der Arealstatistik, der Raumbeobachtung und dem Landesforstinventar über zahlreiche ausgezeichnete Datenquellen verfügt, mit deren Hilfe sich die Landschaftsqualität beurteilen lässt. Für ihn stellt sich auch die Frage: “Wie erreichen wir mit kommunikativen Massnahmen die Herzen der Menschen?“ Denn steuern lässt sich die Entwicklung nur so, wie die Menschen dies wünschen.….

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© 2010 WSL | http://www.wsl.ch/medien/news/101201_forum2010_DE | Last Update: 03.12.2010