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Kann das Klima die Wirkung eines Parasiten auf dessen Wirt verändern?

Abgestorbene Edelkastanienbäume
Edelkastanien in Europa. Einige Bäume wurden durch den gefährlichen Pilz Cryphonectria parastica (Kastanienrindenkrebs) abgetötet. Die meisten allerdings scheinen gesund. Sie wurden geheilt, da ein Virus den Pilz befallen hatte.
Foto: WSL

Der Kastanienrindenkrebs, eine gefährliche Pilzkrankheit der Edelkastanie, wird in Europa durch die Infektion des Erregers mit einem Virus in Schach gehalten. Sarah Bryner ist in ihrer Doktorarbeit an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL der Frage nachgegangen, ob die heilende Wirkung des Virus etwaigen Temperaturveränderungen standhalten würde.

Dass die Temperatur die Anfälligkeit eines Organismus auf Parasitbefall beeinflusst, ist schon länger bekannt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen nun auf, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen Parasit, Wirt und Temperatur besteht. Es ist die Wechselwirkung zwischen den drei Faktoren, welche die Wirkungsstärke eines Parasiten bestimmt.

Sarah Bryner und Daniel Rigling von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL haben diesen Zusammenhang bei der parasitischen Beziehung zwischen einem Virus und einem Pilz entdeckt. Der Pilz Cryphonectria parasitica verursacht eine der weltweit schlimmsten Baumkrankheiten, den Kastanienrindenkrebs. In Nordamerika hat er die dortigen Kastanienwälder vernichtet und die Edelkastanie fast vollständig ausgerottet. Auch in Europa ist der Pilz in Edelkastanienwäldern stark verbreitet, doch die Krankheit verläuft verhältnismässig mild. Nach einer gewissen Zeit heilen die Krebsgeschwüre jeweils aus und die Bäume bleiben am Leben. Der Grund dafür ist, dass hier der Pilz mit einem Virus, dem Cryphonectria hypovirus 1, befallen ist. Dieses Virus schwächt den gefährlichen Pilz und hält so die Krankheit in Schach.

Die Autoren der Studie wollten erforschen, ob sich verändernde Umgebungstemperaturen die Wirkung des Virus auf den Pilz beeinflussen und so das System gefährden können. Dazu infizierten sie verschiedene Erregerstämme mit verschiedenen Viren und liessen diese Pilz-Virus Kombinationen bei 12°C, 18°C, 24°C und 30°C wachsen. Die Resultate zeigen, dass einige Pilz-Virus Kombinationen bei tiefen Temperaturen langsamer als alle anderen Kombinationen wachsen, sich aber bei hohen Temperaturen deutlich aggressiver verhalten.

Für die Erhaltung der Kastanienwälder könnte die WSL-Studie wegweisend sein. Sie zeigt nämlich auf, dass sich eine nachhaltige Bekämpfung des Kastanienrindenkrebses an den lokal vorhandenen Pilzindividuen und an den klimatischen Bedingungen orientieren muss. Ausserdem könnte eine Klimaerwärmung die heilende Wirkung der vorhandenen Viren abschwächen und so zu einem erneuten Aufflammen der Krankheit führen.

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