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Konflikte im Wald: WSL-Tagung bietet Hand zu Lösungen
Fachleute aus der ganzen Schweiz haben am 26. Oktober 2011 an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL über die zunehmenden Erwartungen gesprochen, die an den Wald gestellt werden – zum Beispiel Holzproduktion, Naturschutz oder Erholung. Im Rahmen der jährlichen Veranstaltung "Forum für Wissen" haben sie zu Zielkonflikten Lösungen aus Forschung und Praxis präsentiert. Einige davon: Vorrangfunktionen definieren, Waldleistungen abgelten und den Informationsaustausch intensivieren. "An vielen Orten erfüllt der Schweizer Wald auf grosser Fläche mehrere Funktionen gleichzeitig und kann als multifunktional bezeichnet werden", sagt Marc Hanewinkel (WSL). Konflikte ergeben sich für den Forstwissenschafter vor allem zwischen der Nutz- und der Erholungsfunktion in Ballungszentren. Hanewinkel schlägt vor, den Begriff Multifunktionalität mit dem international gebräuchlichen Begriff Ökosystemleistungen zu präzisieren, der die vielfältigen Leistungen und Güter des Waldes für die Gesellschaft umfassend beschreibt und eine ökonomische Bewertung erleichtert. Schutz- und Wohlfahrtsleistungen öffentlich abgeltenDie Nachfrage nach der erneuerbaren Ressource Holz wird weiter zunehmen, auch wenn sich die Rentabilität kaum verbessern dürfte, davon ist Anton Bürgi (WSL) überzeugt. Und weil auch die Ansprüche an den Wald steigen, dürften sich Nutzungskonflikte verschärfen. "Wesentlich werden die Konflikte dann, wenn sie bei der Holzproduktion, der Haupteinnahmequelle der Forstbetriebe, zu Mindereinnahmen oder Mehraufwendungen führen", sagt Bürgi. Eine Lösung dieses Problems sieht er vor allem darin, noch mehr Schutz- und Wohlfahrtsleistungen durch öffentliche Mittel zu finanzieren. "Für solche Abgeltungen braucht es verlässliche Grundlagen", sagt Bürgi, "und den Forschungs- und Entwicklungsaufwand für deren Erarbeitung kann nur die Forschung leisten." Christoph Kuhn vom Forstbetrieb der Ortsbürgergemeinde St. Gallen versucht mit seinen Mitarbeitern, Konfliktsituationen frühzeitig zu erkennen und durch vorausschauende Information entgegenzuwirken. "Das ist nicht gratis und erfordert vermehrten Aufwand bei Planung und Öffentlichkeitsarbeit," sagt Kuhn. "Der Mehraufwand steht für mich in keinem Verhältnis zum potenziellen Schaden, der entsteht, wenn man bewusst oder unbewusst Konflikte provoziert." Die natürliche Vielfalt fördernDie Schweiz ist europaweit für ihre zahlreichen naturnah bewirtschafteten Wälder bekannt. "Eine naturnahe Bewirtschaftung auf breiter Fläche hilft, die Multifunktionalität des Waldes zu erhalten und Belange der Biodiversität weitgehend zu integrieren", sagt Kurt Bollmann von der WSL. Der Biologe sieht bezüglich der biologischen Vielfalt im Wald noch Optimierungspotenzial. Zielkonflikte zwischen Waldwirtschaft und Naturschutz ergeben sich vor allem in Wäldern mit Lebensräumen von gefährdete Arten. Nicht jeder Wald kann mehrere Ansprüche gleichzeitig erfüllen, "darum braucht es für die Förderung der Biodiversität Vorranggebiete wie Waldreservate, Totholzinseln und lichte Wälder", sagt Bollmann. Um die Biodiversität zu fördern, berücksichtigt das Amt für Wald und Naturgefahren Graubündens (AWN) in ihrer waldbaulichen Behandlung vermehrt Naturschutzanliegen, lässt aber auch die Segregation in Waldreservaten zu. "Die Trennung der Funktionen lässt sich zwar einfacher abgelten", sagt Ueli Bühler vom AWN, "oftmals werden damit jedoch Chancen vertan, Naturschutzanliegen in die Waldbehandlung zu integrieren." Mehr Waldinformation minimiert KonflikteZahlreiche Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung den Wald für die Erholung sehr schätzt. Marcel Hunziker (WSL) berichtet, dass neue Umfragen nun belegen, dass der Schweizer Bevölkerung die Walderholung zwar persönlich wichtig sei, ihr aber für die Gesellschaft andere Waldfunktionen noch wichtiger erschienen. "Die Studienergebnisse helfen, das Verhalten von Erholungssuchenden im Wald besser zu lenken und Konflikte zu reduzieren", sagt der Sozialwissenschafter. Durch Überzeugungsarbeit zu Fragen der Waldbewirtschaftung und der Erholungsnutzung liessen sich seiner Meinung nach viele Konflikte entschärfen. Ernst Tschannen, Direktor von Grün Stadt Zürich, erlebt fast Tag für Tag, wie die Begehrlichkeiten im Wald zunehmen. Die Stadtbevölkerung nimmt den Wald als einen der wichtigsten Grünräume wahr und bewertet ihn hoch. Eine WSL-Umfrage ergab, dass die Bewohnenden bereit wären, für regelmässige Waldbesuche im Durchschnitt 112 Franken pro Jahr zu bezahlen; momentan zahlt jeder Einwohner pro Tag 53 Rappen für die gesamte Grünwirkung in der Stadt. Grün Stadt Zürich begegnet den zahlreichen Nutzungsansprüchen und Zielkonflikten durch Information und Mitwirkung der Bevölkerung. Tschannen weiss, dass die offene Haltung der Stadt als Anbieter von Grünen Räumen von der Bevölkerung geschätzt wird. "Dies gibt uns Akzeptanz und Stärke, wenn wir zu einer Forderung auch mal NEIN sagen. Das ist durchaus manchmal nötig", sagt er. Waldforschung und Waldpolitik gefordertAm diesjährigen Forum für Wissen der WSL zeigte sich, dass der Wald in Zukunft zunehmenden Nutzungsansprüchen ausgesetzt sein wird. Aufgrund der begrenzten Waldfläche wird es voraussichtlich mehr als bisher Zielkonflikte darüber geben, was der Wald vorrangig leisten soll; vor allem, weil die Nachfrage nach dem Rohstoff Holz und nach Erholungsleistungen zunehmen werden. Forschung und Politik werden in den kommenden Jahren gefragt sein, um die Grundlagen für eine umfassende Inwertsetzung von Waldleistungen zu verbessern und Strategien für die Bewältigung von Konflikten im Wald zu entwickeln. Links
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