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Regendach-Experiment simuliert Auswirkungen des Klimawandels

Neue Forschungsanlage für Baumforschung in Leuk VS

Regendach
Regendach Leuk

Unterhalb des Waldbrandgebietes Leuk VS sind Wissenschafter der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL den Auswirkungen der Klimaerwärmung auf der Spur. Mit dem neuen Regendach-Experiment bei Leuk, das am 13. Juni 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, können die Forschenden verschiedene Trockenheitsszenarien simulieren und messen, wie Samen keimen und junge Bäume wachsen. Die in der Schweiz einmalige Versuchsanlage wird von den umliegenden Gemeinden, vom Kanton Wallis und vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt.

Aktuelle Klimaprognosen sagen für die nächsten 50 bis 100 Jahre nicht nur höhere Temperaturen voraus, sondern auch immer mehr Dürren während der Sommerzeit. Hiervon sind besonders die Wälder in den trockensten Regionen der Schweiz betroffen. So zeigen verschiedene Vegetationsmodelle, dass in der Sonnenstube Wallis die Waldföhren- und Eichenwälder entlang des Talbodens vertrocknen und sich allmählich in eine steppenähnliche Landschaft verwandeln könnten. "Wir stellten in verschiedenen Untersuchungen über Waldföhrenwälder im Wallis einen Zusammenhang zwischen erhöhter Baumsterblichkeit und wärmeren Sommertemperaturen fest", sagt der Vegetationskundler Thomas Wohlgemuth, Leiter des Regendach-Projektes in Leuk.

Trockenheit simulieren

Die Trockenheit limitiert nicht nur die heute im Wald stehenden Bäume, sondern auch deren natürliche Verjüngung, d.h. die Phase der Ansamung und des Aufwuchses. Wissenschafter der WSL wollen in den nächsten Jahren erforschen, welchen Einfluss extreme Temperatur- und Niederschlagsbedingungen auf das Wachstum von Föhrenkeimlingen ausüben. Eigens hierfür wurde eine Versuchsanlage in Leuk-Susten mit beweglichen Regenschutzdächern erstellt. Die Dächer halten Niederschläge von Saatbeeten fern, in denen sowohl Keimung als auch Anwuchsphase von Föhrenarten mit schweizerischer und spanischer Herkunft getestet werden. Anstatt natürlichem Regen wird Wasser in unterschiedlicher Menge gegossen. Neben Auswirkungen von Wassermangel sollen auch die Effekte von erhöhter Bodentemperatur, Beschattung und Konkurrenz durch Eichen untersucht werden. "Hierzu wird in 30 der insgesamt 105 Beete der Boden beheizt", sagt Thomas Wohlgemuth, "und in anderen Beeten wachsen die Bäumchen unter Schattiernetzen oder zusammen mit Eichen."

Klimawandel: wann vertrocknet ein Wald?

"Bei der Regendach-Anlage wird der Wald von morgen auf Herz und Nieren geprüft", sagte WSL-Direktor James Kirchner am 14. Juni in Leuk, "denn Hitzewellen wie im Jahr 2003 könnten bereits in 50 bis 80 Jahren zur Normalität werden, also alle paar Jahre auftreten." Modellberechnungen der WSL zeigen, dass der Wald in dieser Gegend vertrocknen könnte. Abgesehen von diesem schwarzen Szenario fragen sich die Wissenschafter zum Beispiel, ab welchem Schwellenwert die Trockenheit einen Wald tatsächlich schwächt und wie lange ihr die Bäume widerstehen können. Die Frage, ob zwei bis drei feuchte Sommer möglicherweise genügen, damit sich genügend junge Bäumchen für einen neuen jungen Wald verjüngen, wollen die Forschenden in Leuk bald beantwortet haben.

Die Ergebnisse dieses Freiland-Experiments dürften sowohl für die Wissenschaft wie auch die Forstpraxis von Bedeutung sein. Nicht nur im Wallis sondern auch in anderen klimatisch trockenen Tälern der Alpen, wo Waldföhrenwälder wachsen, stellt man sich ähnliche Fragen nach der Zukunft dieser Nadelbäume.

Die Untersuchungen werden unterstützt durch
  • Kanton Wallis, Departement für Verkehr, Bau und Umwelt (DVBU), Dienststelle für Wald und Landschaft (DWL)
  • 16 Gemeinden als Besitzer der ARA Radet
  • Schweizerischer Nationalfonds (Zwei Dissertationen)


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