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Birmensdorf, 13.03.2017

Schweiz könnte aus gebrauchtem Holz mehr Energie gewinnen

Altholz

Ausgediente Holzpaletten gelten als Verpackungsmaterial. Regelmässig kommen neue hinzu, darum eignen sie sich als verlässliche Energiequelle. (für grössere Ansicht hier klicken)
Foto: Doris Hölling

 
Altholz

Auf Baustellen und bei Abbrüchen, Renovationen und Umbauten fällt viel Holz an, mit dem sich Energie gewinnen lässt. (für grössere Ansicht hier klicken)
Foto: Oliver Thees (WSL)

 
Altholz

Alte Holzmöbel lassen sich nur selten stofflich wieder verwenden und dienen zumeist der Energiegewinnung. (für grössere Ansicht hier klicken)
Foto: Doris Hölling (WSL)

 
Altholz

Gut erhaltene Holzbalken und -bretter von alten Häusern lassen sich oftmals vor der energetischen Nutzung nochmals stofflich verwenden. (für grössere Ansicht hier klicken)
Foto: Oliver Thees (WSL)

 
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Die Schweiz schöpft eine bedeutsame Quelle sauberer Energie nicht vollständig aus: Mit 173‘000 Tonnen gebrauchten Holzes könnte heute wertvolle Wärme- und Stromenergie gewonnen werden, zusätzlich zu den bereits heute verwendeten 644‘000 Tonnen Altholz. Dies ergab eine landesweite Umfrage der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL unter 567 Betrieben des Bau-, Entsorgungs- und Transportgewerbes.

In der Schweiz fiel 2014 fast eine Million Tonnen Altholz1 an – also Holz, das sich in Baustellen, bei Abbrüchen, Renovationen und Umbauten sowie in Form von Verpackungen und zerkleinerten Holzabfällen ansammelte. Davon hätte aus 817‘000 Tonnen nachhaltig Energie gewonnen werden können. Tatsächlich wurde jedoch nur aus 644‘000 Tonnen Altholz Wärme oder Strom hergestellt. Mit dem zusätzlich verfügbaren Altholz liessen sich während der Heizperiode (September bis Mai) bei einem Wirkungsgrad von 80% ca. 80‘000 durchschnittliche Haushalte mit Wärme und 40‘000 durchschnittliche Wohnungen mit Strom versorgen.

Die Angaben basieren auf einer in der Schweiz bisher einmaligen landesweiten Umfrage bei 567 Betrieben, die Altholz sammeln, transportieren und/oder entsorgen. Ein Forschungsteam der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL unter der Leitung von Oliver Thees erhob, wie viel ausgedientes Holz im Jahr 2014 in allen Landesteilen zusammenkam und welche Menge zur Energiegewinnung genutzt, entsorgt oder ins Ausland verkauft wurde. In einem soeben erschienenen Bericht2 führen die Autoren aus, wie gross das Potenzial für die energetische Nutzung von Abfallholz ist und wie sich dieser Rohstoff in Zukunft entwickeln könnte.

Chancen für regional höhere Energieproduktion

Die Forschenden erstellten aufgrund der Umfrage eine fundierte Datengrundlage, die über das regionale wie landesweite Aufkommen und die Verwendung von Altholz detailliert Auskunft gibt. Demnach liesse sich im Kanton Bern am meisten Altholz nachhaltig für die Energieproduktion nutzen. Allerdings wird dort schon so viel Altholz in Wärme und Strom umgewandelt, dass sich die heutige Menge nur noch um 7 Prozent steigern liesse. Die in absoluten Zahlen grössten zusätzlich als Energiequelle nutzbaren Altholzmengen befinden sich in den Kantonen Basel Land (+95%), St. Gallen (+43%), Solothurn (+38%), Luzern (+27%) und Zürich (+13%). "In diesen Kantonen hätte somit im Erhebungsjahr 2014 die Energieproduktion aus gebrauchtem Holz deutlich gesteigert werden können", sagt Projektmitarbeiter Matthias Erni. Energie produzierende Betriebe aus diesen Kantonen können sich bei ihrer Ressourcen-Planung daher auf die aktuellen, regional differenzierten Daten der Umfrage stützen.

Mehr Altholz im Inland nutzen erhöht Wertschöpfung

Obwohl in der Schweiz genügend Interesse an der energetischen Nutzung alten Holzes besteht, wurde 2014 etwa ein Drittel des in der Schweiz verwendeten Altholzes ins Ausland exportiert. Die Endverwerter stellen daraus einerseits Spanplatten her oder erzeugen Energie. Würde hingegen im Inland vermehrt Wärme oder Strom aus Altholz gewonnen, könnten zahlreiche Holztransporte ins Ausland entfallen, was Energie einsparen, die Kosten senken und klimaschädliche Abgase vermindern würde. Und da die Ressource Altholz bereits heute knapp ist, erscheint es sinnvoll, auch die zusätzlich nutzbaren Potenziale voll auszuschöpfen und, als Beitrag zur Energiewende, bei der Altholznutzung eine höhere Wertschöpfung im Inland zu ermöglichen.

1 Altholz ist ein begehrter Rohstoff und fällt dort an, wo Holzprodukte das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Es stammt überwiegend von Baustellen, Abbrüchen, Renovationen und Umbauten sowie aus Verpackungen und zerkleinerten Abfällen, deren Schadstoffgehalte die Richtwerte für die stoffliche Verwertung oder für Altholzfeuerungen einhalten (VeVA, 2005). Aus Unternehmenssicht wird jedoch davon ausgegangen, dass unter Altholz sämtliches Holz, das bereits einmal in Gebrauch war, verstanden wird (Murer 2015). Dazu gehören auch problematische Holzabfälle und Sperrmüll aus Holz. In der erwähnten Studie wird der Begriff Altholz auch in diesem Sinne verwendet.
Das Schweizerische Kompetenzzentrum für Energieforschung im Bereich Biomasse (SCCER BIOSWEET) möchte vor dem Hintergrund der Energiewende den Beitrag von Biomasse zur Energieversorgung der Schweiz erhöhen. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL untersucht in diesem Zusammenhang verholzte und nicht verholzte Biomasseressourcen und ihre Potenziale für die energetische Nutzung. Dazu gehört auch das Altholz.

2 Erni, M.; Thees, O.; Lemm, R. (2017): Altholzpotenziale der Schweiz für eine energetische Nutzung. Ergebnisse einer Vollerhebung für das Jahr 2014. WSL Berichte, Heft 52: 69 S

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