13.09.12 - Forscher simulieren trockene Klimabedingungen um die Auswirkungen von Dürreperioden auf die Futterproduktion von Bergweiden zu untersuchen.
Könnte sich der Klimawandel auf die legendäre Qualität des Schweizer Käses auswirken ? Das ist eine der Fragen, welche ein Team von Forschern der ETH Lausanne, der WSL und des Agroscope Changins-Wädenswil zu beantworten suchte. Sie liessen ein Anzahl kleiner Schafherden in der Westschweiz, nahe Yverdon, unter einem Tunnel aus Plastikfolie weiden, mit dem Ziel, die Auswirkungen von Trockenheit auf Bergwiesen und ihre Futterproduktion zu erforschen. Am Mittwoch den 12. September präsentierten die Wissenschafter ihre Untersuchungen anderen Forschern, Mitgliedern von Landwirtschaftsinstitutionen sowie der allgemeinen Öffentlichkeit anlässlich eines Tags der offenen Tür.
Bergweiden werden als wichtige Ökosysteme oft verkannt, obwohl sie einer Vielzahl von Pflanzen und Mikroorganismen Lebensraum bieten und eines der wesentlichen Elemente der Kohlenstoffkette darstellen. Darüber hinaus spielen Viehweiden eine massgebliche Rolle in der Schweizer Agrarpolitik, die in Sachen Futterwirtschaft auf Autonomie besteht. Denn Schweizer Bauern sollen die Ernährung ihrer Tiere auch ohne Futterimporte gewährleisten können.
In der Vergangenheit waren die schweizerischen Bergweiden mit üppigen Regenfällen gesegnet. Dies könnte sich jedoch bald ändern. In den Jahren 2003 und 2011 produzierten sie aufgrund der heissen trockenen Sommer nur eine geringe Futtermenge, und die Klimavorhersagen lassen wenig Hoffnung, dass sich diese Umstände bessern könnten.
Die Veränderungen, die Mikrofauna und Mikroflora durch den Klimawandel erfahren, könnten sich negativ auf die Produktivität der Weiden auswirken. Und dadurch könnten schliesslich Qualität und Geschmack von Milchprodukten beeinträchtigt werden. Ausserdem könnten rückwirkend auch der Kohlenstoffzyklus sowie die Qualität des Grundwassers unter den Veränderungen leiden.
Das Projekt des gemischten Forscherteams ist diesen Sommer in der Nähe des Weilers La Frétaz im Jura in seine erste Phase gestartet. Mit Hilfe von Plastiktunneln wurden auf mehreren kleinen Parzellen die Auswirkungen von Dürre simuliert. Auf einigen der Versuchsflächen lieferten Schafsherden einen Einblick darüber, inwieweit das Resultat der Weideaktivität sich von jenem des simplen Abheuens unterscheidet.
Am Ende dieses künstlich trockenen Sommers hatte die Farbe der Weiden von üppigem Grün zu stumpfem Braun gewechselt. Aber im Verlauf dieser Veränderung konnten die Forscher wertvolle Daten zu den Auswirkungen der Trockenheit auf Vegetation, Pflanzenphysiologie, Bodenatmung und unterirdische Mikroorganismen sammeln. Nun gilt es, diese Beobachtungen auszuwerten.
In den kommenden Jahren werden die Forschenden ihre Versuchsflächen ausweiten. Ziel ist es, die Grösse eines Bauernguts zu erreichen. Die Untersuchungen sollen auf einer Fläche von insgesamt 100 Quadratkilometern stattfinden. Das Endziel des ehrgeizigen Vorhabens ist es, die Möglichkeiten der Fernerkundung für die Einschätzung der Futterproduktion zu nutzen.
Künftig könnten Landwirte zur Planung der Wanderung ihrer Herden sehr wohl Satelliten zu Hilfe ziehen.Die neuen Technologien nutzen Satellitentechnik zur regelmässigen Kontrolle der biologischen Produktivität von grossen Landstrichen. Im Rahmen ihres Projektes werden die Wissenschafter Werkzeuge entwickeln, die die Hochrechnung der Resultate aus kleinflächig gesammelten Boden- und Futterdaten auf eine ausgedehnte Fläche erlauben und somit ein genaues, stets aktualisiertes Bild der momentanen Weidequalität, eine Art Futterbericht, produzieren.
Die Forscher werden auch Werkzeuge entwickeln, die die Hochrechnung der Resultate aus Bodenanalysen und örtlich gesammelten Futtermengen auf eine weitreichende Fläche erlauben. Die so entstehende Tabelle mit präzisen und stets aktualisierten Angaben zur Futterqualität stellt also eine Art Futterbericht dar.
Gegenwärtig werten die Forscher die Daten ihrer ersten Versuchsreihe aus. Schon jetzt ist klar, dass heisse trockene Sommer negative Auswirkungen auf die Weiden haben. Zehn Tage vor dem Tag der offenen Tür mussten die Regendächer von den Weiden entfernt werden, da diese schon übermässig unter der Hitze zu leiden hatten. Nun dürften die Forscher einige Zeit mit der Erarbeitung von Resultaten beschäftigt sein. Sie sind nun in der Lage die Resistenz der Weiden gegenüber von Trockenheit zu untersuchen und zu bestimmen, wie sich eine Serie heisser Sommer langfristig auf das Ökosystem auswirken könnte.
Übersetzt aus einem Artikel von Jan Overney (Mediacom) aus www.epfl.ch