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29.11.2012

Ausbreitung der Kastanien-Gallwespe: zwischen Hoffnung und Ungewissheit

Befall durch Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus): Wegen den Gallen bildet der Baum weniger Blätter und Blüten
Abb. 1: Befall durch die Japanische Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus): Wegen der Gallen bildet der Baum weniger Blätter und Blüten.
Foto: Marco Conedera
 
Kastaniengallwespe
Abb. 2: Japanische Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) auf dem Blatt einer Edelkastanie.
Foto: Beat Wermelinger / WSL
 
Ein einheimischer Parasitoid hat eine Gallwespe abgetötet und sich danach verpuppt
Abb. 3: Ein einheimischer Parasitoid hat eine Gallwespe abgetötet und sich anschliessend verpuppt.
Foto: Marco Conedera
 
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Die Schäden der Edelkastanien-Gallwespe in der Südschweiz scheinen im  dritten Befallsjahr etwas zurückzugehen.  Bedeutet das, dass die kritische Phase jeweils drei Jahre nach dem Erstbefall vorüber ist, oder wird sich die Seuche zyklisch weiterentwickeln? Nur ein langfristiges Beobachtungsprogramm könnte die notwendigen Antworten liefern.

Seit die Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) 2007* das Südtessin erreicht hat, hat sie praktisch alle Kastaniengebiete der Südschweiz besiedelt. Die einzigen Ausnahmen sind zurzeit noch das obere Maggiatal und das Puschlav. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist allgemein hoch: 15 bis 25 km im Jahr, je nach Topographie und Windverhältnissen. Allerdings gibt es auch Abweichungen, so zum Beispiel im Bergell, wo sich der Schädling bisher um rund einen Kilometer pro Jahr ausgebreitet hat.

Schäden lassen im dritten Befalljahr nach

Erste Untersuchungen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL zeigen einige bemerkenswerte Eigenheiten des Krankheitsverlaufs. So befallen die Gallwespen nicht gleichmässig die gesamte Baumkrone: Die Schäden treten vor allem in deren unteren und schattigen Bereichen auf sowie an Stockausschlägen am Stammfuss. Nach einem raschen Wachstum und starkem Befall während der ersten drei Jahre scheint die Populationsdichte der Gallwespe leicht nachzulassen. In den Gebieten, in denen das Insekt vor fünf Jahren erstmals eingeflogen ist, konnte  eine Abnahme bei der Produktion neuer Gallen und der Anzahl von Larvenkammern pro Galle beobachtet werden. Auch scheinen sich bis zu einem Drittel Gallwespenlarven nicht zu entwickeln, weil sie von einheimischen Feinden (Parasitoiden**, Pilzen) angegriffen werden oder anderen Umständen zum Opfer fallen. Unter den Parasitoiden finden sich viele, die auf Eichengallen spezialisiert sind. Ab dem dritten Jahr gibt es zudem eine Reaktion der Kastanienbäume: Sie bilden Ersatztriebe und kompensieren damit einen Teil der verlorenen Blattfläche.

Fünf Jahre sind eine zu kurze Zeit, um die zukünftigen Auswirkungen dieses Baumschädlings abzuschätzen. Ob die einheimischen Parasitoiden tatsächlich einen relevanten Beitrag zur natürlichen Bekämpfung der Kastanien-Gallwespe liefern, ist noch ungewiss. Um die Entwicklung zu verstehen, wäre darum ein langfristiges Beobachtungsprogamm nötig. Damit liesse sich aufzeigen, ob die schwachen Erholungszeichen ab dem dritten Befallsjahr die Zeichen einer Stabilisierung auf tolerierbarem Niveau sind oder ob die Seuche am Anfang einer zyklischen Entwicklung mit langfristig stark wechselnder Befallsrate steht.

* = Die Edelkastanien-Gallwespe wurde zwar 2009 erstmals im Südtessin beobachte, aber die Analyse der dort gefundenen Gallen erlaubte, das Erstaufkommen des Schädlings auf 2007 zu datieren.

** = Als Parasitoid wird ein Organismus, in der Regel ein Insekt, bezeichnet, welches in seiner Entwicklung parasitisch lebt, den Wirt zum Abschluss der Parasitierung jedoch tötet.

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