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Birmensdorf, 26.11.2012

Trockenheit beeinträchtigt mediterrane Trüffelernte

Grafik Trüffel und Klima
Abb. 1: Zusammenhang zwischen Mediterraner Trüffelernte (Jährliches Mittel der Erntemengen aus Spanien, Frankreich und Italien; schwarz), der Niederschlagssumme und dem Temperaturmittel (blau und rot). (grosse Version)
 
Eichenplantage für Trüffelzucht
Abb. 2: Junge Trüffelplantage in Castilla y Leon (Spanien) mit Steineichen (Quercus ilex), deren Wurzeln mit der Périgord-Trüffel (Tuber melanosporum) geimpft wurden. (grosse Version)
Foto: Simon Egli
 
Tuber melanosporum
Abb. 3:Fruchtkörper der Périgord-Trüffel (Tuber melanosporum). (grosse Version)
Foto: Ulrich Stobbe, Freiburg i.Br.
 
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Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Ulf Büntgen und Simon Egli von der Eidg. Forschungsanstalt WSL ist es erstmals gelungen, den kontinuierlichen Rückgang der Périgord-Trüffel (Tuber melanosporum) mit zunehmender Sommertrockenheit im Mittelmeerraum zu erklären. Dies zeigt eine am 27. November 2012 in der Zeitschrift "Nature Climate Change" online veröffentlichte Studie.

Ein Vergleich der jährlichen Ertragszahlen von Périgord-Trüffeln in einzelnen Regionen Nordost-Spaniens (Aragonien), Süd-Frankreichs (Périgord) und Nord-Italiens (Piemont und Umbrien), den drei wichtigsten europäischen Anbauländern mit meteorologischen Aufzeichnungen seit den 1970er Jahren, zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Sommerklima und den darauf folgenden Trüffel-Erntemengen. Gleichzeitig liess sich eine Abhängigkeit zwischen der Häufigkeit dieser kulinarisch begehrten wildwachsenden Speisepilze und dem Wachstum ihrer Wirtsbäume nachweisen. Fällt zwischen Juni und August bei relativ geringen Temperaturen viel Niederschlag, ist mit einem gesteigerten Eichenwachstum und einer guten Trüffelernte zu rechnen. Sind die Sommer jedoch trocken und heiss, wirkt sich dies nicht nur negativ auf das Baumwachstum aus, sondern auch auf die winterliche Pilzproduktion zwischen November und Februar.

Périgord-Trüffel bald auch in der Schweiz?

Unter Berücksichtigung zahlreicher Klimamodelle erwarten die Forscher eine weitere Zunahme der Trockenheit im Mittelmeerraum und einen dadurch anhaltenden Rückgang der Périgord-Trüffel in Spanien, Frankreich und Italien. Gleichzeitig betonen sie aber auch, dass durch den anhaltenden Klimawandel, der sich im Mittelmeerraum bereits heute negativ auf viele Waldökosysteme auswirkt, nördlich der Alpen günstigere ökologische Bedingungen für Trüffel zu erwarten sind. Sowohl das natürliche Vorkommen von Périgord-Trüffeln als auch deren Anbau in sorgfältig angelegten und gepflegten Plantagen könnte sich klimabedingt Richtung Norden verschieben, auch in die Schweiz.

Diese Prognose deckt sich mit neusten Erkenntnissen aus der Schweiz und Süddeutschland, die nicht nur eine allgemeine Zunahme des Pilzwachstums beschreiben, sondern besonders auf das unerwartet häufige Vorkommen von Burgunder-Trüffeln (Tuber aestivum) nördlich der Alpen aufmerksam machen. Diese bei uns heimische Trüffelart könnte in Zukunft stark an kulinarischer und somit wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen.

Die Gründe für die stetig abnehmende Trüffelproduktion während der letzten 40 Jahre waren bisher nicht bekannt. In den traditionellen Anbaugebieten Spaniens (Aragonien und Katalonien), Frankreichs (Périgord) und Italiens (Piemont und Umbrien) führte dies nicht nur zu lokaler Verunsicherung, sondern trieb global die Preise für den begehrten kulinarischen Leckerbissen in die Höhe. Mit bis zu 2,000 €/kg gehört der Périgord-Trüffel zu den kostbarsten Delikatessen. Besseres Verständnis über Klima-Wachstumsbeziehungen von Trüffeln ist von grossem wissenschaftlichen Interesse und direkter ökonomischer Bedeutung. Der Verlauf zukünftiger Trüffelerträge dürfte die Wirtschaftskraft vor allem strukturschwacher, ländlicher Regionen im Mittelmeerraum schwächen.

Wissenschaftliche Publikation

Büntgen, U; Egli, S; Camarero, J.J.; Fischer, E.M.; Stobbe, U.; Kauserud, H.; Tegel, W; Sproll, L.; Stenseth, N.C. (2012): Drought-induced Périgord black truffle decline. Nature Climate Change, online.

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Links

Weitere Literatur

  • Büntgen, U.; Kauserud, H.; Egli, S. (2012): Linking mushroom productivity and phenology to climate variability (PDF). Frontiers in Ecology and the Environment 10: 14-19.
  • Stobbe, U.; Büntgen, U.; Sproll, L.; Tegel, W.; Egli, S.; Fink, S. (2012): Spatial distribution and ecological variation of re-discovered German truffle habitats (PDF). Fungal Ecology 5: 591-599.
  • Büntgen, U.; Tegel, W.; Egli, S.; Stenseth, N.C. (2011): Truffles and climate change. Frontiers in Ecology and the Environment 9: 150-151.
  • Büntgen, U.; Egli, S.; Tegel, W.; Stobbe, U.; Sproll, L.; Elburg, R.; Peter, M.; Nievergelt, D.; Cherubini, P.; Stenseth, N.C. (2012): Illuminating the mysterious world of truffles. Frontiers in Ecology and the Environment doi: 10.1890/12.WB.021
  • Kauserud, H.; Heegaard, E.; Büntgen, U.; Halvorsen, R.; Egli, S.; Senn-Irlet, B.; Greilhuber, I., Dämon, W.; Sparks, T.; Nordén, J.; Høiland, K.; Kirk, P.; Semenov, M.; Boddy, L.; Stenseth, N.C. (2012): Warming-induced shift in European mushroom fruiting phenology. Proceedings of the National Academy of Science, USA 109: 14488-14493.

Glossar

  • Mykorrhizapilze leben in einer Lebensgemeinschaft (Symbiose) mit Waldbäumen. Sie ernähren sich von Kohlenhydraten, welche die Bäume produzieren und ihnen über die Wurzeln zur Verfügung stellen. Ihrerseits verbessern sie die Wasser- und Nährstoffversorgung der Bäume und schützen die Wurzeln vor Krankheitserregern. In Schweizer Wäldern sind rund 1600 Mykorrhizapilze bekannt.

 

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