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09.05.2012 Neue Modellierungsstudie belegt: Hochgebirgsflora reagiert verzögert auf den Klimawandel
Bestandsaufnahmen spiegeln nicht das volle Ausmass des rezenten Klimawandels wider: Dies belegt eine neue Modellierungsstudie am Beispiel der Hochgebirgsflora der Alpen. Ein Team europäischer WissenschafterInnen um Stefan Dullinger von der Universität Wien und Niklaus Zimmermann von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL stellt aktuell in der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" ein Modell zur Dynamik der Wanderungsprozesse von Alpenpflanzen vor. Als
Reaktion auf die Erwärmung des Klimas ist eine Verschiebung der
Verbreitungsgrenzen von Pflanzenarten in Richtung der Pole bzw. in höhere Lagen
der Gebirge zu erwarten. Bisherige Prognosen solcher Arealverschiebungen gehen
von Voraussetzungen aus, die in vielen Fällen nicht zutreffen. Vorhersagen
bezüglich des zu erwartenden regionalen Artenverlustes sind daher mit grossen
Unsicherheiten belastet. Artenverluste basierend auf Klimaprognosen errechnen In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift "Nature Climate
Change" stellt ein Team europäischer WissenschafterInnen ein neues Modell
vor, das die Dynamik von Wanderungsprozessen besser abbildet. Auf der Basis der
erwarteten Klimaänderungen berechneten die Forschenden die Arealveränderungen
von 150 Pflanzenarten der Hochlagen ausgehend von ihrer heutigen Verbreitung
innerhalb der Alpen. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden diese
Hochgebirgsarten im Durchschnitt 44 bis 50 Prozent ihrer heutigen Fläche
verlieren. Diese Verluste sind deutlich geringer als mit bisherigen Modellierungstechniken
vorausgesagt. Verzögertes AussterbenDer neue Modellierungsansatz zeigt auch auf, dass Alpenpflanzen nicht unmittelbar auf klimatische Veränderungen reagieren. In der näheren Zukunft wird ein wesentlicher Anteil der Bestände in Gebieten zu finden sein, die sich für ein dauerhaftes Überleben der entsprechenden Arten nicht mehr eignen. Die lange Lebenszeit und ihre Fähigkeit, sich vegetativ durch Rhizome oder oberirdische Ausläufer zu vermehren, ermöglicht es den Arten, den Prozess des Aussterbens zu verzögern und unter suboptimalen Bedingungen zu überleben. In den kommenden Jahrzehnten werden daher wahrscheinlich nur moderate Verluste an Pflanzenarten in den Alpen zu beobachten sein. "Unsere Ergebnisse zeigen jedoch klar, dass das gesamte Ausmass der aktuellen Klimaerwärmung erst mit jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelanger Verzögerung erkennbar sein wird", erklärt Stefan Dullinger von der Universität Wien. "Langfristig muss also mit deutlichen Artverlusten gerechnet werden", sagt Niklaus Zimmermann von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, "und deren Aussterben wird voraussichtlich durch ausserordentliche klimatische Ereignisse wie extreme Trockenheit und deutlich frühere Schneeschmelze beschleunigt." Endemische Arten besonders bedrohtDie Wissenschafter stellten auch fest, dass endemische Arten – also Pflanzen, deren Verbreitung auf Teilgebiete der Alpen beschränkt ist – besonders sensibel auf die Klimaänderungen reagieren. Drei von vier dieser Arten werden mindestens 80 Prozent ihres derzeitigen Verbreitungsgebietes einbüssen, weil sie aufgrund ihrer Ausbreitungsfähigkeit klimatisch geeignete Areale nicht erreichen. Verstärkend kommt hinzu, dass sie häufig in Randgebieten der Alpen vorkommen, deren geringere Gipfelhöhen ein Ausweichen in höhere Lagen nicht ermöglichen. Die Pflanzen geraten damit in eine klimabedingte Falle.
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