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Hintergrundinformation von: WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF und Seilbahnen Schweiz, 29.02.2012

Hohe Temperaturen

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Eine Gleitschneetafel kann als Lawine abstürzen, wenn die treibende Kraft infolge des Gewichtes grösser wird als die rückhaltenden Kräfte. (Davos Frauenkirch, Dezember 2011; Photo SLF/S. Margreth)

Erhöhte Gefahr von Gleitschnee- und Nassschneelawinen

Auf Mittwoch, den 29.02.2012 wurde es markant wärmer mit einer Nullgradgrenze auf über 3000 m. Dies führte zum Abgang von vielen Gleitschnee- und Nassschneelawinen. Die Sicherheits-Verantwortlichen von Skigebieten und Strassen beurteilen die Lawinensituation täglich genau und mit grösster Vorsicht. Auch die Schneesportler abseits der Pisten sollten der frühlingshaften Lawinensituation die notwendige Aufmerksamkeit schenken.

Allgemeines

  • Schneegleiten erkennt man relativ einfach an der Bildung von „hufförmigen Rissen in der Schneedecke“, auch Fischmäuler genannt. Es ist jedoch schlecht vorhersehbar, wann sich das langsame Schneegleiten beschleunigt und eine Gleitschneelawine daraus entsteht. Zudem können Gleitschneelawinen auch völlig unerwartet entstehen, d.h. ohne dass sich vorerst ein Gleitschneeriss öffnet, der längere Zeit vor dem Abgang sichtbar ist. Gleitschneelawinen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich und erfolgen in der Regel spontan. Eine Gefährdung entsteht aber auch schon allein durch das langsame Schneegleiten, das einen grossen Schneedruck, z.B. auf Objekte wie Seilbahnmasten o.ä. ausüben kann.
  • Ein derart starkes Schneegleiten wie diesen Winter tritt schätzungsweise nur etwa alle 30 Jahre auf. Es ist deshalb besonders stark, weil der Boden beim Einschneien z.T. nicht gefroren war und es sehr viel auf einmal geschneit hat.
  • Auch die Gefahr für Nassschneelawinen steigt in den nächsten Tagen jeweils im Tagesverlauf mit der Erwärmung markant an. Die Nassschneelawinen können mittlere Ausmasse erreichen und exponierte Teile von Verkehrswegen gefährden.

Bedeutung und Massnahmen

Die Gleitschneelawinen stellen die Sicherheits-Verantwortlichen von Skigebieten und Strassen vor grosse Herausforderungen, da sie schlecht vorhersehbar sind und man wenig Erfahrung damit hat.

Die Sicherheits-Verantwortlichen beurteilen die Lawinensituation täglich im Detail mit grösster Vorsicht und im Bewusstsein der grossen Verantwortung. Sie berücksichtigen dabei, dass die Lawinen-Situation je nach Gebiet unterschiedlich ausgeprägt ist, da der Schneedeckenaufbau z.B. aufgrund der Höhenlage eines Skigebietes (hochalpin, alpin oder voralpin) sowie der unterschiedlichen Expositionen und Windeinwirkungen variiert.

Bei einer akuten Gefährdung beobachten die Verantwortlichen die Situation genau und ergreifen gegebenenfalls Massnahmen wie Sperrungen von potenziell gefährdeten Abschnitten.

Mit gesperrten Skipisten und gesperrten Strassen ist darum vermehrt zu rechnen. Die Anordnungen der Sicherheits-Verantwortlichen sind unbedingt zu beachteten.

Verhalten für Schneesportler abseits der gesicherten Pisten

Bezüglich Gleitschneelawinen: vor allem Zonen unter Gleitschneerissen möglichst meiden, bzw. sich nur so kurz wie möglich dort aufhalten

Bezüglich Nassschneelawinen: Touren und Variantenabfahrten frühzeitig (spätestens mittags) beenden.

Aktuelles Lawinenbulletin beachten.

Weitere Informationen

Weitere Auskünfte

WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF:
Julia Wessels, Kommunikation, +41 (0)81 417 02 86 wessels@slf.ch oder
Cornelia Accola, Kommunikation, +41 (0)81 417 02 34, cornelia.accola@slf.ch

Seilbahnen Schweiz SBS:
Roman Weissen, Medienstelle, +41 (0)31 359 23 14, +41 (0)79 239 41 00,
roman.weissen@seilbahnen.org