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13.02.2012 Mit Landschaft die Gesundheit fördern
Die Landschaft beeinflusst das Wohlbefinden der Bevölkerung, auch wenn sie nicht gesund machen kann. So sind Menschen, die in der Nähe von Grünräumen leben, meist gesünder als solche, die keine entsprechenden Flächen zur Verfügung haben. Im Rahmen der internationalen Konferenz "Landschaft und Gesundheit" an der WSL wurden neueste Erkenntnis aus Forschung und Praxis vorgestellt. "Wo Naturflächen in städtischen Räumen verschwinden, ist die Gesundheit des Menschen bedroht", sagt Nicole Bauer von der Eidg. Forschungsanstalt WSL, Tagungsleiterin der 2. Internationalen Konferenz "Landschaft und Gesundheit" Ende Januar 2012 an der WSL. Doch welche Rolle spielt die Landschaft für die Gesundheit? Michael Jordi, Zentralsekretär der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz, sieht die Landschaft nicht nur als gestaltetes oder strukturiertes Land, sondern vor allem als soziale Umgebung. Fachleute müssen diese planen, steuern und gestalten, damit sich der Mensch vom Alltagsstress erholen kann. Jordi empfiehlt, bei Planungsvorlagen vermehrt zu berücksichtigen, wie sich diese gesundheitlich auswirken. Für Ludwig Trepl, emeritierter Professor der TU München, ist Landschaft eine Art Gemälde, das im Kopf des Betrachters entsteht. Dabei wählt der Mensch bewusst aus, was für ihn im Vordergrund steht. Es ist die eigene Wahrnehmung der Landschaft und nicht die Landschaft an sich, die das Wohlbefinden des Menschen beeinflusst. Die Psyche des Menschen ist für gesundheitliche Fragen oft ausschlaggebend, davon ist auch Cornel Wick von Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz überzeugt. Doch leider denken zu wenig Mediziner an das psychische Wohlbefinden, sagt der Arzt. Wer Spitäler renoviert oder umgebaut, müsste diese seiner Meinung nach gesundheitsfördernder als bisher gestalten. Fundgrube BevölkerungsstatistikAls Michael Jarrett von der University of California in Berkeley, USA, die Bevölkerungsstatistik im Hinblick auf die Gesundheit des Menschen auswertete, erkannte er, dass in grüneren Landschaften weniger Menschen an Atemwegserkrankungen sterben. Und aus einer Langzeitstudie lernte er, dass Kinder, die Grünräume benutzen und an Erholungsfreizeiten teilnehmen, in der Regel schlanker sind als solche ohne Outdoor-Erlebnisse. Auch Terry Hartig von der Universität Uppsala weiss, dass sich regelmässiger Aufenthalt im Grünen positiv auf die Gesundheit auswirkt. Eine Studie zeigt, dass Männer, die ein eigenes Ferienhaus besitzen und sich regelmässig im Grünen aufhalten, seltener frühzeitig sterben als jene, die kein eigenes Sommerhaus besitzen. Einkommen und Gesundheit hängen eng miteinander zusammen. Dies belegte Joël Chételat von der MicroGIS Foundation for Spatial Analysis (MFSA ) in St-Sulpice (VD) mit Hilfe der Bevölkerungsstatistik des Bundes. In Gemeinden, deren Bewohner durchschnittlich höhere Einkommen aufweisen und denen mehr Wohn- und Lebensraum zur Verfügung steht, sind diese durchweg schlanker als dort, wo vermehrt Menschen mit niedrigerem Einkommen leben. Die Daten zeigen auch, dass nahe Wälder und Grünräume das Risiko verringern, Stoffwechsel- und Herzkrankheiten zu bekommen. Eike von Linden von der WSL berichtet über neue Ergebnisse aus einer Umfrage in der Schweiz, in der 88% der Erwachsenen mit ihren Waldbesuchen zufrieden sind und sich dabei gut erholen. Neben dem Naturerlebnis wollen die Menschen vor allem die frische Waldluft geniessen und eine Pause im Alltag einlegen. Eine Untersuchung in Agrarlandschaften von Jean-Noel Rochat von equiterre Lausanne ergab, dass Besuche in landwirtschaftlich genutzten Landschaften die Gesundheit der meisten Befragten fördern. Weniger wohl fühlen sich Menschen dort, wo sich Städte stark ausbreiten. Rochat empfiehlt, in der Raumplanung eine vielseitige Landbewirtschaftung zu berücksichtigen. Michael Frais von der PH der Universität Zürich bewertet das Projekt "Baumwelten" von Lunge Zürich. Dieses bringt jährlich bis zu 48 Schulklassen in den Wald, damit die Kinder in jeder Jahreszeit "wilde Natur" erleben. Hauptziel ist die Gesundheitsprävention. Feedbacks der Kinder zeigen, dass diese heute häufiger mit Freunden, Eltern und Verwandten den Wald besuchen. Frais empfiehlt, derartige Schulaktionen in allen Landesteilen durchzuführen. FazitDie zweite Konferenz zu Landschaft und Gesundheit machte deutlich, wie viele neue Fakten und Erfahrungen seit der 1. Konferenz vor zwei Jahren in diesem jungen Forschungsgebiet zusammengekommen sind. Marcel Hunziker von der WSL, vor zwei Jahren Tagungsleiter, sagt: "2009 glaubten wir daran, dass Landschaft positive Einflüsse auf den Menschen habe, 2012 wissen wir dies". Allerdings fehlen heute zu verschiedenen Einzelthemen noch Umsetzungsbeispiele, die aufzeigen, wie Planer, Ökologen, Sozialwissenschafter und Mediziner eine Landschaft gestalten und weiterentwickeln, um die Gesundheit der dort lebenden oder sich erholenden Menschen zu fördern. InformationenMehr Informationen einschliesslich einem Bericht mit Kurzfassungen der Vorträge finden Sie hier. Direktlink zum Tagungsbericht Kontakt
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