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Birmensdorf, 20.10.2014

Neues nationales Pflanzenschutzlabor: Besonders gefährliche Schadorganismen sicher untersuchen

Pflanzenschutzlabor, Aussenansicht

Abb. 1: Das neue Pflanzenschutzlabor. (grössere Version des Bildes)
Foto: Reinhard Lässig (WSL)

 
Pflanzenschutzlabor, Werkbank

Abb. 2: Bestimmung von Schadorganismen im neuen Pflanzenschutzlabor an der WSL in Birmensdorf. (grössere Version des Bildes)
Foto: R. Lässig  (WSL)

 
Pflanzenschutzlabor, Gewächshaus
Abb. 3: Das ins Pflanzenschutzlabor integrierte Sicherheits-Gewächshaus. (grössere Version des Bildes)
Foto: R. Lässig (WSL)
 
Pflanzenschutzlabor, Asiatischer Laubholzbockkäfer
Abb. 4: Der Asiatische Laubholzbockkäfer, ein gefährlicher Schädling für Ahorn, Pappel, Birke, Weide, Rosskastanie und Platane in der Schweiz. (grössere Version des Bildes)
Foto: Reinhard Lässig (WSL)
 
Pflanzenschutzlabor, Aussenansicht
Abb. 5: Das neue Pflanzenschutzlabor. (grössere Version des Bildes)
Foto: Reinhard Lässig (WSL)

 
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Insekten, Pilze oder Fadenwürmer, die für einheimische Bäume und Gehölze gefährlich sind, können in der Schweiz nun sicherer als bisher untersucht werden. Dies ermöglicht das neue nationale Pflanzenschutzlabor an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, das Bundesrat Johann Schneider-Ammann am 20. Oktober 2014 in Birmensdorf eröffnet hat. Die WSL, die eingeschleppte forstliche Schadorganismen für den Bund diagnostiziert, erstellte das Labor der Sicherheitsstufe 3 gemeinsam mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU und dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW.

Anlässlich der Eröffnung des neuen Biosicherheitslabors betonte Bundesrat Johann Schneider-Ammann, dass in der Schweiz bisher eine solche Einrichtung fehlte und jetzt eine wichtige Lücke geschlossen werde. Baum- und Gehölzschädlinge sowie Pflanzenkrankheiten könnten in Birmensdorf nun im gewünschten Umfang unter sicheren Bedingungen diagnostiziert und erforscht werden. Mit diesem überwiegend mit einheimischem Holz erstellten Labor, in dem auch gebietsfremde Quarantäne-Organismen der Risikogruppe 3 untersucht werden, vervollständigt der Bund die Reihe von Speziallabors, die der Erforschung besonders gefährlicher Krankheitserreger dienen. Solche gibt es in der Schweiz bisher im Labor Spiez für die Forschung an Humanpathogenen und am Institut für Virologie und Immunologie in Mittelhäusern für Tierpathogene.

Sicherheit hat oberste Priorität

Konrad Steffen, Direktor der WSL, wies bei der Eröffnung darauf hin, dass die Forschenden die Pflanzenschutzdienste des Bundes und der Kantone dank der neuen Laborinfrastruktur besser als bisher darin unterstützen können, wirksame Eindämmungs- und Schutzmassnahmen gegen eingeschleppte Organismen zu entwickeln. Denn das neue Speziallabor umfasst unterschiedliche Bereiche, in denen mehrere Organismen der Risikogruppen 1 bis 3 gleichzeitig untersucht, Referenzkulturen gezüchtet sowie Schädlinge und befallene Pflanzen sicher gelagert werden können. Im angeschlossenen Gewächshaus aus bruchsicherem Glas, das die gleichen Sicherheitsanforderungen wie das Labor erfüllt, wird es möglich sein, mit Versuchspflanzen die Biologie und Wirkung gefährlicher Organismen unter kontrollierten Bedingungen zu erforschen und Gegenmassnahmen zu testen.

Das neue Pflanzenschutzlabor erfüllt hohe Anforderungen zum Schutz der Umgebung und umfasst darum unterschiedliche Sicherheitssysteme. So verhindern in den Laborräumen der Sicherheitsstufe 3 der stete Unterdruck der Luft, die Filterung der Abluft, zwei Schleusen im Zugang und im Gewächshaus sowie eine sichere Abfall- und eine Abwasserentsorgung mit Autoklavierung das Entweichen jedweder Schadorganismen in die Umwelt.

Eingeschleppte Arten auf dem Vormarsch

Es gelangen immer mehr Insekten, Pilze, Bakterien oder Fadenwürmer in die Schweiz. Die Ursachen dafür sind der globale Handel und die Mobilität der Menschen, die beide zunehmen, aber auch das immer wärmere Klima. Derartige neue Organismen können für die Gesundheit hiesiger Bäume und Gehölze in Wäldern, Landschaften und Siedlungen eine Gefahr darstellen. Einzelne Arten können sogar ganze Ökosysteme und die Waldwirtschaft, aber auch die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion stark beeinträchtigen.

Viele dieser gebietsfremden Organismen stammen aus wärmeren Regionen, können aber heute wegen der Klimaerwärmung auch in der Schweiz gedeihen. So hat die Anzahl der Insektenarten, die einheimische Waldbäume und -sträucher schädigen können, seit zwanzig Jahren exponentiell zugenommen. Ein aktuelles Beispiel für einen sehr gefährlichen Quarantäne-Organismus ist der mit Verpackungsholz eingeschleppte Asiatische Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis), der zahlreiche in der Schweiz vorkommende Laubbäume befallen kann. Bisher kommt der Käfer nur lokal vor und wird energisch bekämpft, damit er sich in der Schweiz nicht etablieren kann.

Auch eingeschleppte Pilzkrankheiten nehmen in der Schweiz deutlich zu. Diese breiten sich über mikroskopisch kleine Sporen oft zu schnell aus, als das man sie daran hindern könnte. Die Eschenwelke ist ein aktuelles Beispiele dafür. Darüber hinaus könnten Fadenwürmer (Nematoden), die über Holzlieferungen von Übersee nach Europa gelangt sind, in wenigen Jahren verschiedene Föhrenarten in der Schweiz bedrohen.

25. Oktober: Tag der offenen Labortüren an der WSL

Die Bevölkerung ist am 25. Oktober 2014 von 11-16 Uhr zu einem Tag der offenen Labortüren eingeladen. Der Eintritt ist frei. Erstmals in der Schweiz zeigt der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst der Bevölkerung, wie Spürhunde den Asiatischen Laubholzbockkäfer suchen.

  • Rundgang durch das Biosicherheitslabor
  • Die Technik hinter dem Labor
  • Versuchsgarten und WSL-Areal
  • Spürhunde suchen Schädlinge
  • 15 Stände mit spannenden Informationen
  • Kinderprogramm
  • Günstige Verpflegung im WSL-Personalrestaurant
Die WSL hat das neue Pflanzenschutzlabor gemeinsam mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU und dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW erstellt. Die beiden Bundesämter betreiben den Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst (EPSD). Der Pflanzenschutz hat als prioritäre Aufgabe, die Einschleppung und Ausbreitung von besonders gefährlichen Schädlingen und Krankheiten von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen zu vermeiden. Der EPSD kontrolliert beispielsweise das Verpackungsholz von Granitlieferungen, die für den Strassenbau vorgesehen sind, sowie importierte Gehölze für Baumschulen und Gartenbaubetriebe.

Es wurden rund 170m3 Holz verbaut, davon stammt 97 Prozent aus einheimischen Wäldern. Das Laborgebäude ist hinsichtlich Energieeffizienz optimal konzipiert und wird als nächstes in einem aufwändigen Prozess überprüft und getestet. Erst dann können die eigentlichen Laboruntersuchungen beginnen. Neben der Diagnose und Erforschung besonders gefährlicher Organismen kann die Infrastruktur des Labors auch von in- und ausländischen Forschungspartnern benutzt werden. Die Investitionssumme des neuen Pflanzenschutzlabors beläuft sich auf rund 15 Millionen Franken, davon übernehmen WSL und ETH-Rat gemeinsam 60 Prozent, BAFU und BLW zusammen 40 Prozent. Geplant und gebaut wurde das Pflanzenschutzlabor vom Architekturbüro Burckhardt + Partner.

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Kontakte

  • Eidg. Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF: Evelyn Kobelt, Pressesprecherin, Tel. 058 462 20 59, Mobile 079 301 71 72;
  • WSL: Christoph Hegg, Stv. Direktor, Tel. 079 292 10 87;
  • BAFU: Josef Hess, Vizedirektor, Tel. 079 518 25 29;
  • BLW: Hans Dreyer, Leiter Fachbereich Pflanzengesundheit und Sorten, Tel. 058 462 26 92;
  • WSL: Reinhard Lässig, Medienverantwortlicher, Tel. 044 739 23 89;Tel. 044 739 23 89;
  • WSL: Daniel Rigling, Leiter Pflanzenschutzlabor, Tel. 044 739 24 15;
  • WSL: Roland Engesser, Leiter Waldschutz Schweiz, Tel. 044 739 23 88.

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