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Birmensdorf, 12.04.2016

Schweizer Bevölkerung vertraut in den Naturgefahrenschutz

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Murgang: Der Glyssibach brachte der Gemeinde Brienz am 21./22. August 2005 grosse Schäden und forderte zwei Todesopfer (© Peter Ernst, Brienz)
 
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Hochwasser: Am 24. Juli 2014 wurden in der Gemeinde Schangnau BE Brücken durch die Emme beschädigt.

Foto: Christian Rickli, WSL

 
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Überschwemmung: Der Lago Maggiore trat Mitte November 2014 in Locarno TI über die Ufer.
Foto:  Stefano Zanini, MeteoSchweiz
 
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Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung fühlt sich durch Behörden, Einsatzkräfte und Versicherungen grundsätzlich gut vor Naturgefahren geschützt. Dennoch befürworten viele Menschen mehr Vorsorgemassnahmen, die sie allerdings nichts zusätzlich kosten sollten. Dies ergab eine erstmals zum Thema Risikobewusstsein und Vorsorgeverhalten durchgeführte landesweite Umfrage der Eidg. Forschungsanstalt WSL.

Hochwasser, Murgänge, Rutschungen, Stürme oder Hagel: Wer in der Schweiz lebt, muss gelegentlich mit Schäden durch Naturereignisse rechnen. Fachleute bemängeln jedoch, dass sich ein Teil der Bevölkerung der Risiken durch Naturgefahren zu wenig bewusst ist. Auch die Bereitschaft zur individuellen Vorsorge vor Schäden scheint insgesamt nur schwach ausgeprägt zu sein. Diese Beobachtungen waren Anlass für eine repräsentative, landesweite Bevölkerungsumfrage, durchgeführt im Rahmen des EU-Projekts KULTURisk und mit Unterstützung durch den Lenkungsausschuss Intervention Naturgefahren (LAINAT). An der Umfrage nahmen 2137 Personen teil, die Rücklaufquote betrug mehr als 20 Prozent.

Ziel war herauszufinden, welche Bevölkerungskreise vor zukünftigen Naturereignissen besser informiert sein sollten als bisher und mit welchen Kommunikationsmassnahmen die Behörden diese Gruppen bei optimalem Ressourceneinsatz wirksamer warnen könnten. Das Fernziel der Behörden ist, die Anzahl der Opfer und den Umfang der Schäden im Vergleich zu früheren Ereignissen zu senken.

Bergbevölkerung kennt Risiken von Naturgefahren

Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich die Bevölkerung in häufig durch Naturereignisse betroffenen Bergregionen sich der Risiken bewusst ist. Landesweit interessieren und informieren sich zwar viele Menschen über Naturgefahren, doch die meisten Befragten glauben kaum, dass sie persönlich geschädigt werden könnten. Die Ansprüche der Bevölkerung an die Sicherheit sind generell recht hoch. Dies zeigt zum Beispiel die emotionale Betroffenheit, die Medienberichte im Falle von Unwetterereignissen in anderen Landesteilen schweizweit auslösen. Die hohen Sicherheitserwartungen spiegeln sich allerdings nur bei wenigen Menschen im eigenen Vorsorgeverhalten wider.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung den für den Naturgefahrenschutz zuständigen öffentlichen Stellen mehrheitlich vertraut. Die meisten Befragten fühlen sich gut vor den Auswirkungen durch ausserordentliche Naturereignisse geschützt und sind zufrieden, wie Behörden, Einsatzkräfte und Versicherungen Vorsorgemassnahmen umsetzen. Daher sehen sie nur geringen Handlungsbedarf bei sich selbst. Sie sind kaum bereit, für zusätzliche Massnahmen mehr Steuern und Abgaben als bisher zu zahlen.

Informationsdefizite bei einzelnen Bevölkerungsgruppen

Die Umfrage macht auch erstmals Unterschiede zwischen besser und weniger gut informierten Bevölkerungsgruppen deutlich. Tendenziell besser informiert sind Personen, die ein Haus besitzen und Menschen, die sich allgemein für aktuelle Themen an ihrem Wohnort interessieren. Weniger informiert sind einerseits ältere und unterdurchschnittlich gebildete Personen, anderseits aber auch solche, die selber noch nie von einem Naturereignis betroffen waren und auch in ihrem Bekanntenkreis niemanden kennen, der durch Naturgefahren geschädigt wurde.

Auffallend sind zudem regionale Unterschiede: Menschen in den Alpen und im Jura sind tendenziell besser über Naturgefahrenthemen informiert als jene im Mittelland. Dort scheinen sich viele Einwohnerinnen und Einwohner der bestehenden Risiken durch Naturereignisse nicht voll bewusst zu sein, obwohl Gemeinden, Kantone, Bund und Versicherungen regelmässig auf Schadensrisiken und Vorsorgemassnahmen hinweisen. Insbesondere über die fast überall vorhandenen Gefahrenkarten weiss die Bevölkerung wenig; hier sollten die Gemeinden intensiver informieren, empfiehlt das Leitungsteam der Studie.

Internet und Zeitungen jeweils nur begrenzt wirksam

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass Formen der persönlichen Kommunikation wie Beratungsgespräche oder Diskussionsveranstaltungen effektiver sind als schriftliche Informationen. Einzelne Bevölkerungsgruppen lassen sich über spezielle Informationskanäle sehr wirkungsvoll erreichen, was wiederum die Kommunikation der zuständigen Behörden und das Risikomanagement der Einsatzkräfte erleichtern dürfte. So nehmen die Menschen in den Städten und Agglomerationen des Mittellandes Informationen über Naturgefahren eher über das Internet als über gedruckte Veröffentlichungen wahr. Mit Informationskampagnen gelingt es besonders oft, breite Kreise erstmals für Naturgefahrenthemen zu interessieren. Vor allem Personen, die sich aktiv in ihrer Gemeinde engagieren und gut integriert sind, weisen erhöhte Vorsorgebereitschaft auf. Wenn diese Gruppe stets gut informiert ist, dürfte sie in ihrem Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft Informationen zu den Risiken von Naturgefahren weiter verbreiten, was dem Risikomanagement der Einsatzkräfte zu Gute käme.

Das seit 2014 von den Naturgefahrenfachstellen des Bundes betriebene Internetportal www.naturgefahren.ch wurde zum Zeitpunkt der Umfrage ( Frühjahr 2015) zwar noch nicht so häufig genutzt wie heute, aber schon damals durchweg positiv bewertet. Dieser Informationskanal ist für verschiedene Personengruppen ein schneller und wirksamer Weg zu aktuellen und umfassenden Informationen über Naturgefahren und damit verbundene Risiken.

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