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Birmensdorf, 10.03.2015

Mässige Sachschäden, aber sechs Todesfälle im Unwetterjahr 2014

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Der Lago Maggiore trat Mitte November 2014 in Locarno TI über die Ufer (für grosse Version bitte klicken).
Foto:  Stefano Zanini, MeteoSchweiz

 
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Ort und Ausmass der Schadensschwerpunkte 2014. Anhand der Symbole lässt sich zudem die Prozessart erkennen. (Kartengrundlage: BFS GEOSTAT / Bundesamt für Landestopographie; für grosse Version bitte klicken).
Grafik: WSL
 
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Am 24. Juli wurden in der Gemeinde Schangnau BE Brücken durch die Emme beschädigt Foto: Christian Rickli, WSL

 
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Entwicklung der jährlichen Schadenssummen durch Naturereignisse 1972-2014. Linke Achse und Balken: jährliche Schadenssumme, rechte Achse und Linie: kumulierte Schadenssumme (teuerungsbereinigt, Basis 2014: für grosse Version bitte klicken).
Grafik: WSL

 
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Über die Ufer tretende Bäche lagerten in der Gemeinde Schangnau BE am 24. Juli viel Geröll ab.
Foto: Christian Rickli, WSL

 
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Anteile der verschiedenen Schadensprozesse an den Gesamtkosten für die Periode 2002-2013 und für 2014 (für grosse Version bitte klicken).
Grafik: WSL
 
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Anteile der verschiedenen Schadensursachen an den Gesamtkosten für die Periode 1972-2013 und für 2014 (für grosse Version bitte klicken).

Grafik: WSL

 
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Hochwasser, Murgänge, Rutschungen sowie Steinschlag und Felssturz verursachten 2014 in der Schweiz Schäden von rund 100 Millionen Franken. Tragischerweise forderten die Ereignisse sechs Todesopfer, fünf davon infolge von Rutschprozessen. Die materiellen Schäden lagen unter denen des Vorjahres (125 Millionen Franken) und deutlich unter dem teuerungsbereinigten Durchschnitt der Jahre 1972 bis 2013. Der grösste Teil der Schäden ist auf Hochwasser zurückzuführen (90 Millionen Franken), meistens ausgelöst durch lokale Gewitterniederschläge. Dies zeigt die aktuelle Auswertung der Unwetterschadens-Datenbank der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

So hart die Hochwasser und Rutschereignisse für einzelne Regionen, Dörfer und Familien waren, landesweit gesehen verursachten die Unwetter 2014 zum siebenten Mal in Folge deutlich weniger Schäden als der teuerungsbereinigte Durchschnitt der Jahre 1972 bis 2013, der bei 324 Millionen Franken liegt. Über 80% der Schäden, mit Schwerpunkten im Emmental und im Rheintal, entstanden im regenreichen Juli. Schwer betroffen von den Gewitterniederschlägen war Schangnau BE, als am 24. Juli die Emme und ihre Zubringer Hochwasser führten. Dies löste Schäden im Umfang von rund 16 Millionen Franken aus. Die Wassermassen der Emme wälzten sich zeitweise quer durch den Ortsteil Bumbach, wo sie Häuser und die Turnhalle überfluteten, Maschinen und Autos beschädigten und Wasserleitungen zerstörten. Zudem wurden Ställe, Bauernhäuser und Landwirtschaftsland in Mitleidenschaft gezogen und Hangrutsche ausgelöst.

Die mit ungefähr 10 bis 15 Millionen Franken lokal zweithöchsten Schäden entstanden infolge der Gewitterniederschläge am 28. Juli in Altstätten SG. Aufgrund von viel Geschiebe und Holz im Gerinne uferte dort der Stadtbach aus und überschwemmte Häuser und Strassen. Die Feuerwehr pumpte Keller aus und entfernte Geröll und Schlamm von Strassen und Plätzen. Auch in Berneck SG waren die Schäden hoch. Der Littenbach schwemmte viel Geröll und Baumstämme an, überschwemmte Strassen und drang in Privat- und Geschäftshäuser ein. Ebenfalls am 28. Juli trat der Hornbach vor Wasen i.E. in der Gemeinde Sumiswald BE über die Ufer. Die Wassermassen und mitgeschwemmte Baumstämme zerstören Brücken und eine Sägerei, rissen Autos mit, beschädigten Strassen und Schutzbauten und setzten einige Keller unter Wasser.

Anhaltende Regenfälle führten auch zwischen dem 11. und 13. Juli an verschiedenen Orten zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Im Kanton Bern war die Gemeinde Köniz am schwersten betroffen. In Thörishaus ertrank eine 82-jährige Frau in einem Hochwasser führenden Bach. Entlang des Scherligrabens wurde eine Strasse über weite Strecken unter- oder weggespült und in Mittelhäusern das Trassee der S-Bahn auf 50 m Länge unterspült.

Hochwasser im Tessin

Aufgrund anhaltender Niederschläge traten der Lago Maggiore und der Lago di Lugano Mitte November über die Ufer. Die Pegel lagen während rund zehn Tagen über der Hochwassergrenze. Mehrere Gemeinden im Kanton Tessin meldeten Schäden, die sich zwischen dem 10. und 16. November ereigneten. Uferwege und seenahe Strassen standen aufgrund des hohen Seepegels unter Wasser, so z.B. in Locarno.

Fünf Todesfälle durch Rutschprozesse

Schadenskosten im Umfang von knapp 90 Millionen Franken waren 2014 auf Hochwasser zurückzuführen. Rund 8 Prozent der Gesamtschäden wurden durch Rutschungen ausgelöst, was dem Durchschnitt der letzten zwölf Jahre entspricht. Überdurchschnittlich hingegen ist die Anzahl der durch Rutschprozesse umgekommenen Menschen. So forderten z.B. die Ereignisse in Tiefencastel GR, als am 13. August ein Zug der Rhätischen Bahn aufgrund einer Hangmure entgleiste, ein Todesopfer. Des Weiteren wurde am 5. November in der Gemeinde Curio TI ein ungefähr 150 m von der Waldgrenze entfernt stehendes Rustico zwischen Nerocco und Bombinasco nach sehr ergiebigen Regenfällen von herabstürzendem Erdreich einer Hangmure verschüttet. Eine Frau und ihre Tochter kamen dabei ums Leben. In Davesco verschüttete am 16. November ein Erdrutsch ein 3-stöckiges Wohngebäude. Dabei wurden vier Personen verletzt und zwei kamen ums Leben.

Originalartikel

Andres, N., Badoux, A., Hegg, C. (2014): Unwetterschäden in der Schweiz Im Jahre 2014 – Rutschungen, Murgänge, Hochwasser und Sturzereignisse. Wasser Energie Luft, 107. Jg., Heft 1. (PDF, 0.5 MB)

Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL sammelt seit 1972 systematisch Informationen über Unwetterschäden. Die mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt BAFU erstellte Datenbank enthält Angaben zu Schäden durch Hochwasser, Murgänge und Rutschungen sowie, seit 2002, zu Steinschlag, Fels- und Bergsturz. Schäden als Folge von Lawinen, Schneedruck, Erdbeben, Blitzschlag, Hagel und Sturmwind werden in den Auswertungen nicht berücksichtigt. Die Abschätzung der Sach-, Infrastruktur-, Wald- und Landwirtschaftsschäden basiert hauptsächlich auf Medienberichten. Die Daten stehen Fachleuten auf Anfrage zur Verfügung und bilden eine wichtige Grundlage zur Gefahrenbeurteilung.

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