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Birmensdorf, 08.03.2016

Jahresrückblick 2015: Überdurchschnittliche Hochwasserschäden im Mai und Juni

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Bäche traten in Kradolf-Schönenberg TG am 14. Juni über die Ufer und verwüsteten das Dorf. (für grosse Version bitte klicken).

(Foto: Egli Engineering AG, naturgefahr.ch).

 
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Ort und Ausmass der Schadensschwerpunkte 2015. Anhand der Symbole lässt sich zudem die Prozessart erkennen. Kartengrundlage: BFS GEOSTAT / Bundesamt für Landestopographie; für grosse Version bitte klicken).

Grafik: WSL

 
Unwetterschäden 1992-2015

Entwicklung der jährlichen Schadenssummen durch Naturereignisse 1972-2015. Linke Achse und Balken: jährliche Schadenssumme, rechte Achse und Linie: kumulierte Schadenssumme (teuerungsbereinigt, Basis 2015: für grosse Version bitte klicken).
Grafik: WSL

 
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Anteile der verschiedenen Schadensursachen an den Gesamtkosten für die Periode 1972-2014 und für 2015 (für grosse Version bitte klicken).

Grafik: WSL

 
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Anteile der verschiedenen Schadensprozesse an den Gesamtkosten für die Periode 2002-2014 und für 2015 (für grosse Version bitte klicken).
Grafik: WSL
 
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Monatliche Anteile der Schadenskosten für das Jahr 2015 (Gesamtkosten ca. 135 Mio. CHF). Die schmalen Säulen geben die monatlichen Anteile der Schäden (alle Prozesse) für die Periode 1972-2014 an (für grosse Version bitte klicken).

Grafik: WSL

 
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Hochwasser, Murgänge, Rutschungen sowie Steinschlag und Felssturz verursachten 2015 in der Schweiz Schäden von gut 135 Mio. CHF. 92 Prozent der Schäden entstanden durch Überschwemmungen, vor allem im Mai und Juni. In der zweiten Hälfte des Jahres ereigneten sich hingegen keine grösseren Unwetter und somit kaum Schäden. Dies ergab die jährliche Auswertung der Unwetterschadens-Datenbank durch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Im Jahr 2015 richteten Unwetter mit rund 135 Mio. CHF mehr Schäden an als in jedem der vorangegangenen sieben Jahre. Verglichen mit den hohen Schäden 2007 (700 Mio. CHF) oder 2005 (3000 Mio. CHF) war 2015 aber eher ein schadenarmes Jahr. Rund 81% der Schäden folgten auf Gewitterniederschläge und andere intensive Regenfälle. Über mehrere Stunden oder Tage anhaltende Niederschläge führten lediglich zu 17% aller Schäden, deutlich weniger als im langjährigen Vergleich. Hochwasser waren für den grössten Teil der Schäden verantwortlich, während Murgänge, Erdrutsche und Steinschläge zusammen nur rund 8% verursachten.

Bereits im April Hochwasserschäden in der Westschweiz

Grosse Schäden verzeichnete der Kanton Waadt, nachdem am 27. April in Blonay die Bäche L‘Ognona und Les Tollettes über die Ufer traten und das Dorfzentrum überschwemmten. Die Strassen waren mit Geröll und Schutt bedeckt, die Keller und Garagen vieler Geschäfte und Privathäuser standen unter Wasser.

Lang anhaltende Regenfälle liessen Anfang Mai die Pegel an mehreren Bächen, Flüssen und Seen ansteigen. Einige erreichten sogar Gefahrenstufe 4 und damit auch die Hochwasserggrenze). Stark betroffen waren der Jurasüdfuss und das Seeland im Kanton Bern, der Kanton Waadt und Freiburg. Die grössten Schäden hatte Saint-Gingolph (VS)am Genfersee zu beklagen, wo die Morge am 2. Mai über die Ufer trat und den gesamten unteren Teil des Dorfes überflutete. Die Restaurants an der Seepromenade wurden mit Geschiebematerial bis fast zur Decke gefüllt, Autos verschüttet und eine Brücke beschädigt.

Umfangreiche Schäden durch Gewitter im Juni

Am 7. Juni traf ein Gewitterunwetter besonders stark die Zentralschweiz sowie die Kantone Zürich und Bern. In der Gemeinde Dierikon im Kanton Luzern trat der Götzentalbach über die Ufer, durchflutete eine Mühle und eine Bäckerei und beschädigte Gärten, Scheunen, Werkstätten, Keller und Garagen entlang einer Strasse. Eine 32-jährige Frau und ihre 5-jährige Tochter wurden unglücklicherweise im Keller eines Wohnhauses von den Wassermassen überrascht und ertranken. Es entstanden Schäden in Höhe von mehreren Millionen Franken.

Eine Woche später, am 14. Juni, führten heftige Gewitter diesmal in den Kantonen Thurgau und St. Gallen zu schweren Sachschäden in mehreren Gemeinden. Stark betroffen waren Kradolf-Schönenberg (TG) sowie Bronschhofen und Wil (SG). In Kradolf-Schönenberg traten der Tüle- und Bitzibach über die Ufer, woraufhin die Wassermassen durch das Dorf strömten und Schlamm und Geröll in Unterführungen, Keller und Tiefgaragen gelangte. Strassen wurden unterspült und Autos aufeinandergestapelt.

Schliesslich ereigneten sich am 22. und 23. Juli über dem Unterengadin in der Gemeinde Scuol (GR) intensive lokale Gewitter. 18 grosse Murgänge wälzten sich zwischen der Val d'Uina und der Val Plavna talwärts und erreichten z.B. in der Fraktion Pradella das Inntal. Dort staute sich das Geschiebe an einer Brücke und der Bach trat über die Ufer. Kurz darauf füllten sich die Keller und Erdgeschosse von vier betroffenen Gebäuden mit Wasser und Schlamm. Die Murgänge beschädigten auch Häuserfassaden, zerstörten Autos und verschütteten Kulturland.

Ruhiges zweites Halbjahr

Der Juni war mit über 70% aller Kosten der schadenreichste Monat im Jahr 2015, gefolgt vom Mai mit über 17%. Die Schadensumme in diesen beiden Monaten war im langjährigen Vergleich überdurchschnittlich. In den Monaten Juli bis Dezember hingegen gab es weniger Schäden als üblich. Dies ist vor allem auf die fast überall unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im Sommer und Herbst zurückzuführen.

Originalartikel

Andres, N., Badoux, A., Hegg, C. (2016): Unwetterschäden in der Schweiz Im Jahre 2015. Wasser Energie Luft, 108. Jg., Heft 1. (PDF, 0.5 MB)

Die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL sammelt seit 1972 systematisch Informationen über Unwetterschäden. Die mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt BAFU erstellte Datenbank enthält Angaben zu Schäden durch Hochwasser, Murgänge und Rutschungen sowie, seit 2002, zu Steinschlag, Fels- und Bergsturz. Schäden als Folge von Lawinen, Schneedruck, Erdbeben, Blitzschlag, Hagel und Sturmwind werden in den Auswertungen nicht berücksichtigt. Die Abschätzung der Sach-, Infrastruktur-, Wald- und Landwirtschaftsschäden basiert hauptsächlich auf Medienberichten. Die Daten stehen Fachleuten auf Anfrage zur Verfügung und bilden eine wichtige Grundlage zur Gefahrenbeurteilung.

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