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Birmensdorf, 24.03.2016

Wald in Europa: Mehr Baumarten bringen mehr Nutzen

Laubmischwald
Rand eines vielfältigen Laubmischwalds im Kanton Zürich mit Eiche, Buche, Esche, Kirsche, Walnuss, Hagebuche und Ahorn. Ein derart gemischter Wald ist nicht nur vor Schädlingen besser geschützt, er kann auch andere Leistungen wie sauberes Wasser und saubere Luft besser liefern. (Foto: Andreas Rigling/WSL)
Fichten
Eine Monokultur aus Fichten, oder wie Förster sagen würden: Ein Reinbestand. Schädlinge wie zum Beispiel der Borkenkäfer können sich hier leicht ausbreiten. (Foto: Andreas Rigling/WSL)
Mischwald
Laubmischwald mit Eiche, Föhre und Buche im Kanton Zürich. In der Schweiz wird vielerorts schon lange eine naturnahe Waldwirtschaft praktiziert. Die Wälder sind entsprechend vielfältig und die hiesige Waldentwicklung nach Ansicht der Studienautoren zukunftsfähig. (Foto: Andreas Rigling/WSL)
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Wenn Wälder mehr unterschiedliche Baumarten enthalten, können sie Leistungen wie sauberes Wasser, gereinigte Luft oder Bodenstabilität besser liefern. Dies hat ein internationales Wissenschaftlerteam von 29 Institutionen, an dem auch Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und der Uni Bern beteiligt waren, mit Zahlen untermauert. Es warnt vor einem Verlust der Vielfalt in europäischen Wäldern. Die Entwicklung in der Schweiz gehe indes in die richtige Richtung.

Bäume sind Dienstleister für den Menschen und die Natur: Sie filtern Staub aus der Luft, wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, schützen den Boden vor Erosion, tragen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung bei und ihr Holz dient zum Bauen und Heizen. Der Mensch nutzt Wälder auch für Sport und Erholung. All diese Leistungen kann nur ein Wald mit vielfältigen Baumarten und Waldstrukturen erbringen, viele europäische Wälder bestehen jedoch nur aus einer oder wenigen Baumarten.

Im Rahmen des EU-Projekts "FunDivEurope - functional significance of forest biodiversity" haben die Wissenschaftler über 200 Wälder unterschiedlichen Klimas in sechs europäischen Ländern untersucht (Finnland, Polen, Deutschland, Rumänien, Italien und Spanien). Sie überprüften, wie die lokale und regionale Artenvielfalt mit den Ökosystemleistungen zusammenhängt. Die Ergebnisse wurden jetzt in den Fachjournalen PNAS und Nature Communications veröffentlicht.

Es wurde deutlich, dass artenreiche Waldstücke mehr Dienstleistungen erbringen als weniger artenreiche und Waldgebiete, die ein Mosaik aus einzelnen Waldbeständen mit verschiedenen Arten sind, mehr als grossflächig homogene Wälder. "Unsere Studien zeigen, dass eine Vielfalt von Arten und Waldstrukturen nicht nur im einzelnen Bestand von grosser Bedeutung für Natur und Gesellschaft ist, sondern auch auf grösseren räumlichen Skalen", sagt Arthur Gessler von der WSL, der an beiden Publikationen beteiligt war.

Keine Wälder mit nur einer Baumart

Dies legt nahe, dass ein Verlust an Biodiversität in europäischen Wäldern mit deutlichen Einbussen der Dienste für die Natur und den Menschen einhergeht. Die Forschenden warnen vor einer Homogenisierung der Wälder und empfehlen, diese artenreich zu gestalten. "In Europa hat in den letzten Jahren erfreulicherweise die Baumartendiversität leicht zugenommen, aber knapp ein Drittel der Waldfläche besteht immer noch aus Monokulturen", sagt der Erstautor der beiden Studien, Fons van der Plas vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. "Diese verringern direkt die von der Natur erbrachten Dienstleistungen und damit das Wohlergehen des Menschen."

Eine Baumart könne zwar einzelne Beiträge bieten, zum Beispiel Holz von hoher Qualität, erklärt van der Plas. Eine Fülle von Angeboten – etwa ein Lebensraum für Vögel, ein attraktiver Ort für Touristen und der Erhalt von Wasser – seien aber nur durch einen vielfältigen Wald zu erreichen. Die Vielfalt könnte sehr einfach erhöht werden: "Die natürliche Samenausbreitung und vielfältigen Jungwuchs zu unterstützen, zusätzliche Arten anzupflanzen, und die Artenzusammensetzung grosser Waldgebiete zu variieren, ist an sich nicht schwierig, wird aber zu wenig gemacht."

Vielfältige Wälder in der Schweiz

In der Schweiz wird diese naturnahe Waldwirtschaft vielerorts schon seit Jahrzehnten praktiziert. Sie ist neben dem kleinräumigen Mosaik von Relief, Böden und anderen Standortsfaktoren hauptverantwortlich für die Vielfalt der Schweizer Wälder, betont Gessler. "Die Ergebnisse der Studien bestätigen somit, dass die Waldentwicklung in der Schweiz zukunftsfähig ist. Es bleibt jedoch eine wichtige Aufgabe, die Artenvielfalt unserer Wälder zu erhalten und wo möglich weiter zu erhöhen."

Zu diesem Ziel führen laut Gessler die im Schweizer Waldbericht 2015 erläuterten Instrumente: Dazu gehören die konsequente Umsetzung des naturnahen Waldbaus auf der ganzen Fläche und zusätzliche Massnahmen wie die Einrichtung von Waldreservaten und Altholzinseln, die einer Vielzahl von Organismen Lebensraum bieten.

Kontakt

Originalartikel:

  • Van der Plas et al. 2015: Biotic homogenization can decrease landscape-scale forest multifunctionality. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), DOI: /10.1073/pnas.1517903113.
  • Van der Plas, F. et al. 2016: Jack-of-all-trades effects drive biodiversity-ecosystem multifunctionality relationships in European forests. Nature Communications, DOI: 10.1038/NCOMMS11109.

 

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