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Davos auf dem Weg nach KyotoÜber 100'000 Tonnen klimaschädigendes CO2 wurden im Jahr 2005 durch die Landschaft Davos Gemeinde frei gesetzt. Davos kann jedoch seine CO2-Emissionen um 15 % reduzieren und damit das Ziel des Kyoto-Protokolls erreichen. Mit welchen Massnahmen dies gelingen kann, zeigt eine aktuelle Studie des Eidg. Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF, der Eidg. Forschungsanstalt WSL und der Landschaft Davos Gemeinde. In einer Wintersportdestination wie Davos, in der oft von November bis April Temperaturen im Minusbereich vorherrschen, ist der Energiebedarf hoch, vor allem was das Heizen anbetrifft. Die Wärmerzeugung ist daher die grösste CO2–Quelle in Davos (75% der Emissionen). Auch durch den Verkehr wird CO2 emittiert und zwar 19'000 Tonnen jährlich, was 17% vom Gesamtvolumen entspricht. Dies sind nur einige Ergebnisse aus der umfassenden Studie, in der alle CO2-Emissionen und -Senken in Davos berechnet, Wege zur Reduktion der Emissionen evaluiert und konkrete Massnahmen zu deren Realisierung vorgeschlagen wurden. Vergleichsweise hohe CO2–Emissionen, grosse Abhängigkeit von ErdölDie der Studie zugrunde liegenden Daten stammen aus zahlreichen Erhebungen der Landschaft Davos Gemeinde und aus Forschungsprojekten des SLF und der WSL. Es wird deutlich, dass der jährliche pro Kopf Ausstoss an CO2–Emissionen in Davos aufgrund des kühleren Klimas um mindestens 25% höher liegt als im Schweizerischen Mittelland (Davos: 7,5 Tonnen CO2, Schaffhausen: 4,6 Tonnen CO2, CH-Mittelwert: 6 Tonnen CO2 pro Person und Jahr). Die Studie zeigt auch, dass Davos in erstaunlich hohem Masse von fossilen Brenn- und Treibstoffen (Erdöl, Diesel und Benzin, Gas) abhängig ist. 70% des gesamten Endenergieverbrauchs werden damit gedeckt. Potenzial bei den erneuerbaren Energien und der CO2-Senke HolzBislang werden erneuerbare Energieträger mit Ausnahme von Wasserkraft in Davos nur wenig genutzt. Holz, Erdwärme, Solarenergie und Biomasse entsprechen lediglich einem Anteil von 2,5% des gesamten Energieverbrauchs. Die Studie stellt erstmals den CO2–Emissionen auch die CO2–Senken gegenüber, das heisst die Faktoren, die das klimaschädigende CO2 binden. Dabei handelt es sich in Davos vor allem um Biomasse in Form von Wald und Sträuchern sowie Böden. Auch Holz, das als Baumaterial verwendet wird, trägt dazu bei, CO2 zu binden. Trotz ausgedehnter Waldflächen der flächenmässig zweitgrössten Gemeinde der Schweiz erreichen die Senkenleistungen durch den Naturraum und das verbaute Holz nur 12% der Emissionen. 60 Massnahmen zur CO2–Reduktion geprüftFür die Verbesserung der CO2–Bilanz können folgende Ansätze verfolgt werden: Entweder man vermindert die CO2–Emissionen oder fördert die Senken. Die Studie zeigt, dass sich in Davos am meisten CO2 einsparen liesse, wenn der Energieverbrauch für die Wärmeerzeugung vermindert wird. Allein die Sanierung von Gebäudehüllen würde die Emissionen um bis zu 22% reduzieren. Auch sehr einfache und kostengünstige Massnahmen, wie z.B. der Einbau von Wasserspardüsen, wurden untersucht: mit deren Einsatz liessen sich bis zu 4% der CO2–Emissionen einsparen. Die Forschenden haben 60 Massnahmen geprüft, und zwar bezüglich ihrer Auswirkungen auf die CO2–Bilanz sowie ihres Umsetzungspotenzials für die Landschaft Davos. Es wurden Kosten-Nutzen-Abschätzungen vorgenommen, die beteiligten Akteure identifiziert und konkrete Vorgehensschritte für die Gemeinde vorgeschlagen. Hinweise für eine effektive, klimafreundliche Lokalpolitik„Dank der Studie wissen wir nun, in welchen Bereichen wir hier in Davos das grösste Potenzial für Einsparungen haben“, so Astrid Heinrich vom Kleinen Landrat Davos. Als einer der grössten Kur- und Sportorte der Alpen wird Davos bei einer weiteren Erwärmung des Klimas besonders betroffen. Die Gemeinde hat daher ein spezielles Interesse, sich „vor der eigenen Haustür“ aktiv am Klimaschutz zu beteiligen und hat die Studie nicht nur finanziell, sondern auch aktiv bei der Datenerhebung und –analyse unterstützt. Die Forschenden empfehlen der Gemeinde, sich vor allem in 4 Bereichen zu engagieren: Förderung der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien und des regionalen Holzkreislaufs sowie Information der Einwohnerinnen und Einwohner über eigene Beiträge zum Klimaschutz. Alle Akteure sind gefragt!Wie in der Studie beispielhaft für Davos aufgezeigt wird, kann die Politik mit gezielten Fördermassnahmen und Energiekonzepten sinnvolle Rahmenbedingungen setzen, um den Energieverbrauch und damit die CO2–Emissionen zu reduzieren. Neben Bund, Kanton, Gemeinde und der Wirtschaft kommt es aber auch auf jede einzelne Privatperson an. „Es wäre wünschenswert“, so Corinne Lundström, Projektleiterin der CO2–Bilanzstudie, „dass es gelingt, sich von der starken Erdölabhängigkeit zu lösen und verstärkt die natürlichen Ressourcen wie Sonne, Wasser und Holz, die im Gebirge reichlich vorhanden sind, zu nutzen. Wir hoffen sehr, dass die Studie alle Akteure motiviert, im Sinne des Klimaschutzes auch zu handeln.“ Weiterführende Informationen für Journalistinnen und Journalisten:
Das SLF ist Teil der Eidg. Forschungsanstalt WSL |