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Globale Trends fordern Forstwirtschaft und Forschung heraus

Mechanisierte Holzernte in flachem Terrain
Die Mechanisierung in flachem Gelände hat die Effizienz der Forstbetriebe und -unternehmen deutlich verbessert.

Foto: Friedrich Frutig/ WSL

 
Tagungs- und Programmleiter Oliver Thees (rechts) mit Podiumsgästen
Tagungs- und Programmleiter Oliver Thees (rechts aussen) neben Gästen in der Podiumsdiskussion.

Foto: Anton Bürgi / WSL

 
Mit dem Handy die Holzlagerung und -abfuhr optimieren
Mit dem Handy werden die Daten von Rohholzpoltern an einen zentralen Computer gefunkt, im Internet verwaltet. Die Holzabfuhr kann auf diese Weise optimiert werden.

Foto: Dieter Seeger

Wie geht die Forstwirtschaft in der Zukunft mit den Auswirkungen des Klimawandels um, wie stillt sie den weltweiten Rohstoff- und Energiehunger? Braucht es in der Schweiz bald Energieholzplantagen? Werden aus Holz hergestellte Biotreibstoffe fossile Energieträger ersetzen? Eine an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL durchgeführte Tagung zeigt, dass sich die Effizienz von Holznutzung und -vermarktung kurzfristig noch verbessern lässt. Langfristig braucht es technologische Innovationen bei der Verarbeitung des Rohstoffs Holz.

Der weltweite Holzverbrauch wird bis 2050 nicht nur wegen des zunehmenden Konsums an Energie und Luxusgütern zunehmen, sondern auch deswegen, weil es dann etwa drei Milliarden mehr Menschen, viele neue Millionenstädte und weniger Erdöl geben wird. "Da kommt eine neue industrielle Revolution auf uns zu", sagt Sten Nilsson vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse im österreichischen Laxenburg. Länder, die in den nächsten Jahrzehnten ihre Treibhausgasemissionen um 50-85 Prozent reduzieren, in alternative Energiequellen investieren und Energie effizienter als bisher nutzen, dürften für die Herausforderungen der Zukunft gut gewappnet sein. Die Zukunft der Forst- und Holzindustrie liegt Nilssons Meinung nach vor allem in der Umwandlung von Holz in Holzfaserprodukte, Biochemikalien und Biotreibstoffe.

Udo Mantau von der Universität Hamburg bestätigt, dass Holz immer mehr veredelt wird und sich die höchste Wertschöpfung den Rohstoff sichert. Es wird jedoch weiterhin auch in seiner ursprünglichen Form gefragt sein. Durch Kaskadennutzung kann die stoffliche Verwertung von Holz und seiner Bestandteilen Wettbewerbsvorteile erzielen. Ob Holz stofflich oder energetisch genutzt wird, entscheidet letztlich der Preis. Gemäss Mantau liesse sich die Holznutzung vielenorts in Europa noch steigern, denn fast überall nehmen Waldflächen und Holzvorräte zu. Auf lange Sicht gilt für ihn allerdings: "Holz ist knapp und bleibt knapp", denn der Ressourcenhunger ist vor allem in Schwellenländern wie China und Indien enorm.

Mehr Holz aus Plantagen

Auch Pirjetta Soikkeli vom weltweit zweitgrössten Forstunternehmen Stora Enso sieht in der Herstellung von Biokraftstoffen interessante Geschäftschancen. Aus diesem Grund prüft der Konzern im finnischen Varkaus seit Juni 2009 in einer Testanlage, ob sich aus Holz zu marktgerechten Preisen Biodiesel herstellen lässt. Der Rohstoff der Zukunft soll vermehrt aus Plantagenwäldern kommen, wie sie Stora Enso bereits in Brasilien betreibt. Die Firma könnte sich derartige Wälder auch in Europa vermehrt vorstellen.

Und wie lässt sich bei diesen globalen Aussichten die ökonomische Situation der Schweizer Forstwirtschaft verbessern? Reto Hefti, der Leiter des Amtes für Wald Graubünden, erwartet vorerst keine starken Veränderungen in der Schweiz. Es werde weiterhin Wälder brauchen, die gleichzeitig Holz produzieren, der Erholung dienen und vor Naturgefahren schützen. Die Auswirkungen des Klimawandels und die steigenden Ansprüche der Gesellschaft an den Wald werden den Forstdienst stark fordern. Bei diesen Herausforderungen braucht es eine enge Zusammenarbeit mit der Forschung und einen offenen Dialog mit der Bevölkerung.

Forschung senkt Kosten in der Forstpraxis

Anlass der Fachtagung war der Abschluss des WSL-Forschungprogramms zukunftsfähige Waldnutzung. "Unsere Forschung hat sich schon bezahlt gemacht, denn einige neue Ergebnisse haben die Kosten bei der Holznutzung und -vermarktung bereits gesenkt", sagt Oliver Thees, Leiter des Forschungsprogramms. Mit einer vor kurzem entwickelten Software, mit der das an Waldstrassen liegende Holz erfasst und dessen Abfuhr logistisch optimiert wird, spart der Waldeigentümer zwei Franken pro Kubikmeter Holz ein. Und eine virtuelle Holzvermarktungsplattform für unternehmensübergreifende Logistik, mit der in der Schweiz bereits mehr als 700 Waldeigentümer kostengünstig ihr Holz vermarkten, ist seit 2007 im Einsatz.

Neuer Qualitätsstandard für den Bodenschutz im Wald

Im Rahmen des WSL-Programmes wurde für den Bodenschutz im Wald ein neuer Qualitätsstandard erarbeitet. Damit sollen Bodenschäden bei der Befahrung durch Holzerntemaschinen minimal gehalten werden. Der Praxis wird damit z.B. für die Holzernteplanung, den Abschluss von Ernteverträgen und die Kontrolle der Holznutzung ein Werkzeug in die Hand gegeben. Ein neues WSL-Merkblatt fasst die Einzelheiten zum Bodenschutz beim Einsatz von Forstmaschinen zusammen.

Die globalen Trends bestätigen Oliver Thees, dass die Optimierung der Forst- und Holznutzung ein volkswirtschaftlich wichtiges Forschungsthema ist: "Ich sehe die Aufgabe der Forschung darin, mit viel Phantasie und völlig ideologiefrei neue Geschäftsmodelle zu entwickeln." Innovative Modelle, die helfen, den Wald unter veränderten Umweltbedingungen noch besser zu bewirtschaften, sind angedacht. Gemäss Thees ermöglicht eine moderne Forschung auch eine stärkere Integration von Ökologie und Ökonomie, das zeigt das Beispiel aus dem Bereich Bodenschutz. Dies nützt gleichzeitig dem Ökosystem Wald sowie seiner nachhaltigen Bewirtschaftung.

Weitere Informationen

Neues Buch "Management zukunftsfähige Waldnutzung"
WSL-Merkblatt Bodenschutz
Holzvermarktungs-Plattform IFIS UNO
Forschungsprogramm Management Waldnutzung
Dossier Energieholznutzung in der Schweiz

Beiträge in www.waldwissen.net

Polterverwaltung mit GPS-Handy
Holzernteproduktivitätsmodelle (HeProMo)

Kontakt

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