Waldentwicklung nach Windwurf
im Ural
Reinhard Lässig (WSL), Stanislaw Motschalow (USFEU Jekaterinburg)
Seit 1993 untersucht die WSL zusammen mit Forschenden der Uralischen Forsttechnischen Universität in Jekaterinburg die Entwicklung von zwei Windwurfflächen im Ural. Die Untersuchungen sind Teil des Kooperationsprogramms mit den Ländern des ehemaligen Ostblocks, das der Schweizerische Nationalfonds im Auftrag des EDA durchführt. Die Untersuchungen im Ural finden, wie in der Schweiz, auf geräumten und belassenen Windwurf-flächen statt, die sich teilweise natürlich verjüngen, teilweise aber auch bepflanzt wurden. Die Wiederbewaldung der untersuchten borealen Wälder beginnt sehr dynamisch. Die Waldverjüngung ist überaus zahl- und artenreich, durch grobschlächtig durchgeführte Verfahren der Holznutzung wurde sie jedoch weitgehend zerstört. Seit den Windwürfen haben sich auf den geräumten Teilflächen über 7000 junge Bäume angesamt, vorwiegend Zitterpappeln, Birken, Vogelbeeren und Weiden. Mit mehrjähriger Verzögerung nimmt die Zahl der Fichten, Tannen und Kiefern langsam zu. Entsprechend den bisherigen Ergebnissen dürfte es im Ural in Zukunft nach einem Windwurf sinnvoll sein, schonende Holzernteverfahren einzusetzen und in den natürlichen Wiederbewaldungsprozess zu Beginn möglichst wenig einzugreifen. Kommt der Jungwald ins Dickungsstadium, bietet sich an, die Entwicklung der Baumartenanteile genau zu beobachten und gegebenenfalls zugunsten der Nadelbaumarten einzugreifen, damit schneller ein Mischwald entsteht. Die Forschungsergebnisse und aus den naturnahen Wäldern des Urals sind auch für Fachleute in der Schweiz von Interesse. Denn grossflächige Naturwälder gibt es bei uns praktisch keine mehr. Genauere Kenntnisse der natürlichen Entwicklungsprozesse und Biodiversität sind aber eine Voraussetzung, um hierzulande naturnähere Waldbaustrategien zu entwickeln.