Walddynamik - ein Forschungsprogramm
der WSL
Einladung zur Zusammenarbeit an Forschende in Universitœten, Forschungsinstituten,
Museen, Verwaltungseinheiten und privaten Ingenieur- und Ökobüros
Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL)
machte im Mai dieses Jahres auf ihr erstes Forschungsprogramm aufmerksam
(SZF 150/5). Mit 60 eingegebenen Projektskizzen waren die Reaktionen
darauf sehr positiv. Nun liegt ein weiteres Forschungsprogramm mit
dem Titel „Walddynamik“ zur Ausschreibung bereit. Die Rahmenbedingungen
sind dabei praktisch dieselben: Programmdauer 4,5 Jahre; Dauer der
einzelnen Projekte 3,5 Jahre; Koordination durch die WSL; Finanzierung
aus eigenen oder Drittmitteln. Das Forschungsprogramm „Walddynamik“
hat zum Ziel, die Entwicklung und Nutzung der Schweizer Wœlder hinsichtlich
ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit zu
evaluieren und Entscheidungsgrundlagen für die Zukunft zu erarbeiten.
In speziellen Testregionen der Schweiz sollen fachübergreifende
Projekte durchgeführt und deren Ergebnisse bilanziert werden. Gesellschaftsrelevante
Fragen über Nutzungspotential, Schutz vor Naturgefahren, Ästhetik
und kulturelles Erbe, Biodiversitœt und Wildnis stehen dabei im
Mittelpunkt des Interesses.
Nachdem das zweite Landesforstinventar gezeigt hat, dass Waldflœche
wie auch Holzvorrat zunehmen, fordert das Buwal mehr Dynamik im
Waldbereich, um den Holzvorrat abzubauen oder um besondere Waldtypen
zu erhalten. Dynamik auslösende Prozesse in Waldökosystemen hœngen
in der Regel mit der Verœnderung von Dominanzverhœltnissen der herrschenden
Baumarten zusammen. Im Forschungsprogramm wird der Begriff Dominanzminderung
als Gliederungsaspekt verwendet, um zwischen den Programmschwerpunkten
zu unterscheiden. Damit ist auch die Richtung der Forschungsfragen
vorgegeben. Vier Schwerpunkte werden unterschieden:
Schwerpunkt 1: Dominanzminderung durch exogene Faktoren
Grosse Naturereignisse wie Stürme, Waldbrand,
Lawinen u.s.w. verœndern die Konkurrenzverhœltnisse innerhalb eines
Waldökosystems in kurzer Zeit: Welche Auswirkungen haben diese Naturereignisse
langfristig auf die Waldfunktionen?
Schwerpunkt 2: Dominanzminderung durch anthropogene Faktoren
Die Bewirtschaftung der Wœlder führt zu einer
verœnderten Entwicklung der Waldökosysteme: Wie wirken sich die
unterschiedliche Verfahren auf die Weiterentwicklung der Ökosysteme
aus?
Schwerpunkt 3: Dominanzminderung durch endogene Faktoren
Wœhrend langer Zeit entwickelt sich ein Waldökosystem
ungestört, z.B. in Reservaten oder bei Wiederbewaldung: Gibt es
Indikatorarten der ökologischen Kontinuitœt und wie wirken sich
Schutzmassnahmen auf natürliche Prozesse aus?
Schwerpunkt 4: Grundlagen
Die Variabilitœt des Schweizer Waldes in standörtlicher, geschichtlicher
und struktureller Hinsicht: Welche Faktoren limitieren die Verbreitung
einzelner Arten und somit die Verbreitung von Waldgemeinschaften?
Vorschlœge für Projekte in einem oder mehreren Schwerpunkten können
in Form von zwei- bis dreiseitigen Projektskizzen bis zum 31. Dezember
1999 an die Programmleitung eingereicht werden. Der vollstœndige
Programmtext kann (wenn möglich über email) beim Programmleiter
THOMAS WOHLGEMUTH, WSL, 8903 Birmensdorf, Tel. 01 739 23 17, email
wohlgemuth@wsl.ch bezogen werden.

Zeitplan
| 1. November 1999 |
Ausschreibung des Programms |
| 31. Dezember 1999 |
Frist zum Einreichen von Projektskizzen |
| April 2000 |
Evaluation der Projektskizzen abgeschlossen; Direktionsentscheid |
| ab September 2000 |
Ausarbeiten der Forschungsgesuche, Begutachtung
durch Forschungskommission |
| ab 1. April 2000 |
Drittmittelantrœge |
| 2001 - 2003 (2004) |
Durchführen der Forschungsprojekte |
| 1.1. -31.12. 2004 |
Synthese, Publikationen |

Programme an der WSL:
Die Forschung der WSL wird über zwei Hauptstossrichtungen
abgewickelt:
- über WSL-Forschungsprogramme, die der Organisationsstruktur
überlagert werden und
- über WSL-Linienprojekte, die schwergewichtig innerhalb
der Organisationseinheiten laufen.
Die WSL-Forschungsprogramme greifen komplexere Fragen auf,
die nur durch mehrere Disziplinen bearbeitet werden können.
Die Programme legen den Bearbeitungsrahmen fest und bilden eine
Art Gesamtpaket für die verschiedenen Projekte, die einem Programm
zugeordnet sind. Je nach Umfang des Gesamtpaketes kann dieses in
Teilprogramme oder Module gegliedert werden.Die einzelnen Beiträge
(Projekte) werden aufgrund der Umschreibung des Forschungsprogrammes
zum freien Wettbewerb um gute Ideen innerhalb wie ausserhalb der
WSL ausgeschrieben. Eine Beteiligung externer Institutionen ist
daher wünschenswert, gilt aber nicht als Bedingung für
die Durchführung eines Programmes. Externe Institutionen finanzieren
ihren Teil nach Möglichkeit selbst.Forschungsprogramme werden
auf vier Jahre ausgelegt, können bei Bedarf jedoch verlängert
werden. Die einzelnen Projekte haben demgemäss eine kürzere
Laufzeit. Programme besitzen eine eigene Programmstruktur, und sie
werden nach den Prinzipien des Projektmanagements geführt.
Die Gesamtverantwortung liegt bei der Direktion.

Ein Forschungsprogramm hat den nachstehenden Anforderungen zu genügen:
- deutliche Ausrichtung auf ein relevantes, aktuelles Thema /
Problem, welches durch 2-3 zentrale Fragen dargestellt wird;
- das Programm sollte mehrheitlich mit den hauseigenen Ressourcen
abgewickelt werden können;
- die Fragestellungen der einzelnen Projekte knüpfen an diejenigen
des Programmes an und müssen in einem engeren fachlichen
Zusammenhang zueinander stehen;
- mögliche Bedürfnisse der Zielgruppen (Kunden) sind
bei der Formulierung der Fragen zu berücksichtigen;
- zwischen den einzelnen Projekten muss ein Synergieeffekt erzielt
werden, so dass die Aussage des Gesamtpaketes weiterführt
als die Summe der Einzelaussagen;
- aus den Erkenntnissen der einzelnen Projekte muss eine Programmsynthese
erarbeitet werden, welche Bezug auf die zentralen Programmfragen
nimmt;
- die Angliederung eines Umsetzungsteiles (Extension service)
für das Programm aber auch bei den einzelnen Projekten muss
berücksichtigt werden;
- der Drittmittelanteil sollte zwischen 30 und 50 Prozent liegen;
- konzeptionell muss das Programm so angelegt sein, dass Ergänzungen
oder Kürzungen während der Bearbeitungsdauer möglich
sind (modularer Aufbau);
- Einhaltung der im Mehrjahresplan 2000-2003 der WSL aufgeführten
Vorgaben.

Download Programmtext,
Version vom 1. November 1999, Format *.rtf
Download Formular
Projektskizze, Filemaker-Datei

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