Kernthema: Waldbrand im Wallis
Ziel
Beim grössten Waldfeuer der letzten 30 Jahre in der Schweiz
brannten 300 ha Wald oberhalb von Leuk nieder. Ein Fünftel
der Schadenfläche galt als Schutzwald. Angesichts der laufenden
Klimaerwärmung hat dieses Ereignis eine überregionale
Bedeutung, denn die damit verbundene Häufung von Trockenperioden
betrifft sowohl das Wallis als auch weitere inneralpine Trockentäler.
Die Walddienste können unterschiedlich auf Waldbrände
reagieren: durch Behandlung der Schadflächen im Sinne der
Wiederherstellung der Waldfunktionen, oder durch Prävention.
Wie könnte Waldbrand vermieden werden? Kann ein Waldbrandwarnsystem
dazu beitragen oder könnte das Problem durch Änderung
der Hauptbaumarten im grössten Risikobereich entschärft
werden? Wissenschaftliche Grundlagen für die Waldbrandökologie
im Wallis fehlen weitgehend. Forschungsergebnisse aus Tessiner
Waldbranduntersuchungen beziehen sich auf andere Standortverhältnisse;
sie können deshalb nur beschränkt auf die trockenen
Walliser Wälder übertragen werden.
Die Leuker Waldbrandfläche ist bestens für ein wissenschaftliches
Rahmenprojekt geeignet, weil (1) ihre ausgeprägte vertikale
und horizontale Ausdehnung Untersuchungen zur Bedeutung der Höhenlage,
der Waldvegetation und der Distanz zum intakten Wald ermöglichen,
und weil (2) die ursprüngliche Waldvegetation ungewöhnlich
gut dokumentiert ist (WSL-Dissertation 1998). Für die Forschungsaktivitäten
stehen drei Themen im Vordergrund:
Waldbrandrisiko: Nimmt das Waldbrandrisiko generell zu, z.B.
durch die Klimaerwärmung, und welche Faktoren fördern
dieses Risiko? Davon abgeleitet stellt sich die Frage, wie das
Waldbrandrisiko in Zukunft vermindert werden kann.
Schutz nach Waldbrand: In welchem Masse wird die Schutzwirkung
(Steinschlag) nach Waldbrand ver-mindert und wie lange bleibt
die Erosionsgefahr mangels Vegetationsdecke erhöht?
Ökologische Konsequenzen: Welche Folgen hat ein Waldbrand
für die Waldgemeinschaften? Welche Arten können einen
Waldbrand überdauern, welche siedeln sich am schnellsten
wieder an? Wie entwickelt sich die Artenvielfalt nach Waldbrand?
Um quantitative Antworten auf diese Fragen zu erhalten, betreibt
die WSL Waldbrandforschung. Die For-schungsaktivitäten stehen
im Rahmen des Forschungsprogramms Walddynamik, in dessen Rahmen
gesellschaftsrelevante Waldentwicklungen mit überregionaler
Bedeutung untersucht werden.


Fortschritte
(Sommer 2004)
Im Rahmenprojekt «Waldbrand im Wallis» sind bereits
folgende Projekte gestartet bzw. finanziert worden:
Klima: Automatische Messung der lokalen Witterung (Beginn 2004):
Analog zur Witterungsmessung im Netz der Langfristigen Waldbeobachtung
wurde im Juli ein Klimamessturm im Zentrum des Waldbrandperimeters
erstellt. Ge-messen werden in kurzen Abständen: Luft- und
Bodentemperaturen, Niederschlag, Windrichtung und geschwindigkeit,
Strahlung. An 6 weiteren Messorten werden Tempertatursonden und
Niederschlagstotalisatoren installiert, um die lokale Witterung
möglichst exakt erheben zu können.
Vegetation: Vegetationswechsel nach Waldbrand (Diplomarbeit 2004):
Rund 50 Vegetationsaufnahmen wurden an Orten erstelt, die bereits
vor 8 Jahren im Rahmen der Doktorarbeit von Iris Gödickemeier
vegetationskundlich beschrieben wurden.
Vegetation: Vegetations-Monitoring (Beginn 2004): Auf einem systematischen
Stichprobennetz werden im Waldbrandperimeter und in den Randgebieten
regelmässig Vegetationserhebungen (200 m2) durchgeführt,
um die Persistenz und die Einwanderung von Pflanzen in Abhängigkeit
von der Intensität des Feuers, der Lage zum intakten Wald
und der Höhenlage zu verfolgen. Von Juli bis September 2004
wurden 150 Stichprobenflächen im Waldbrandgebiet und weitere
30 im angrenzenden Übergangsbereich zum intakten Wald erhoben.
Remote Sensing: Luftbilddokumentation (Beginn 2003): Mittels
jährlich geflogener Luftbilder wird eine flächende-ckende
Luftbilddokumentation des gesamten Brandperimeters für die
ersten 10 Jahre erstellt. Die Falschfarben-Infrarotbilder im Massstab
1:30'000 und mit einer Auflösung von 40 cm Auflösung
sind sensitiv auf Unterscheidung der Vegetationsanteile. Sie ermöglichen
eine exakte Quantifizierung der Wiederbegrünung.
Boden: Fossile Holzkohle und historische Waldbrände (Bodenpraktikum
2004): Zur Abklärung der Frage, ob Waldbrände im Wallis
natürliche Ereignisse sind bzw. wie oft die Wälder brennen,
werden in mehreren Bodenprofilen nach Holzkohlestücken gesucht.
Die Holzkohle erlaubt die Bestimmung der Baumart und die Altersdatierung
mittels 14C.
Artenvielfalt: Gewinner und Verlierer Artenvielfalt nach
Feuer (2 Diplomarbeiten 2004): Im Juli 2004 wurden entlang von
drei Höhentransekten auf 1200, 1450 und 1700 m ü.M.
Insektenfallen im Waldbrandgebiet und im intakten angrenzenden
Wald aufgestellt. Die Fangresultate von Sommer bis Herbst sollen
Aufschluss geben darüber, ob im Gebiet feueradaptierte Insekten
anzutreffen sind und ob und wo sich Waldschädlinge ausbreiten.
Risikomodelle: Waldbrandgeschichte des Wallis: Im Hinblick auf
die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Klimaerwärmung
und Waldbrandrisiko wurde 2004 eine Waldbranddatenbank erstellt,
die für den Zeitraum der letzten hundert Jahre rund 800 Einträge
von Waldbrandereignissen enthält. Es stellte sich heraus,
dass kein anderer Waldbrand in den letzten hundert Jahren annähernd
so gross war wie jener von Leuk.
Koordination: Waldbrand im Wallis Konsequenzen, Prognose
und Prävention: Die Organisation der Forschung auf der Waldbrandfläche
umfasst die Gewährleistung der zielorientierten Zusammenarbeit
mit den relevanten Behör-den sowie die kontinuierliche Information
der Forschenden und der Öffentlichkeit. Drittmittel zur Sicherung
der wich-tigsten Feldarbeiten (Dauerbeobachtung Vegetation, Feldspesen,
Anschaffungen) werden laufend akquiriert.

Breaking News
12. August 2004: Pressekonferenz Leuk

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