Kernthema: Waldföhrenwälder
im Wallis
Ziel
Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts wiesen die Waldföhrenbestände
in den Walliser Tal-lagen hohe Absterberaten auf. Es wurden auffällige
Nadelnekrosen festgestellt und mit Vitalitätseinbussen von
Waldföhren in Zusammenhang gebracht. In einer Forschungszusammenarbeit
zwischen der damaligen EAFV (WSL) und dem Kanton Wallis wurde
das Problem in den 70er Jahren eingehend untersucht und die Ergebnisse
1981 publiziert (Abb. 1). Immissionen aus benachbarten Alluminiumwerken,
insbesondere Fluorverbindungen, waren Ursache für die Nekrosen.
Dendroökologische Untersuchungen belegten den Zusammenhang
zwischen dem Föhrensterben und ausgeprägten Trockenjahren.
Als plausibel wurde erachtet, dass Fluorimmissionen - besonders
in Trockenjahren - als zusätzlicher Schadfaktor wirken.
Mit dem Einbau von Filteranlagen in den Aluminiumwerken anfangs
der 1980er Jahre wurden die Fluoremmissionen drastisch reduziert
- die Schadmerkmale an den Waldföhren verschwanden.
Zu Beginn der 90er Jahre zeigten sich erneut hohe Absterberaten
in den Waldföhrenbeständen, hauptsächlich in der
Region Visp. Heute muss in den Föhrenwäldern von Visp,
Stalden, Brig und zunehmend auch Salgesch gar von grossflächigem
Absterben gesprochen werden (Abb. 1). Die betroffenen Bäume
weisen aber keinerlei auffällige Schadmerkmale auf. Der ehemals
am stärksten fluorbelastete Pfynwald zeigt sich heute vitaler
als die Wälder in den neuen Schadengebieten. In den Trockentälern
der angrenzenden Alpenländer weisen die Waldföhren ebenfalls
erhöhte Mortalitätsraten auf. Die Ursachen des Walliser
Föhrensterbens werden deshalb im Rahmen des Forschungsprogrammes
"Walddynamik" neu geprüft.

Abb. 1. Darstellung der räumlichen Verteilung der Waldföhrenwälder
im Wallis, der aktuellen Hauptschadensgebiete und des Gebietes
mit ehemals Fluorimmissionen (Darstellung A. Rigling, WSL).

Fortschritte
(Stand 3. April 2002)
An einem ersten Workshop (13. Juli 2000) in der Dienststelle
für Wald und Landschaft Kt. Wallis in Sitten wurde ein erstes
Konzept mit dem Titel: "Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten
im Walliser Waldföhrengürtel und langfristige Folgen
für Wald und Landschaft" zur Offenland-Walddynamik im Walliser
Föhrengürtel mit Berücksichtigung der bisher eingereichten
Projektskizzen vorgestellt (A. Rigling und T. Wohlgemuth). Die
Dienststelle entschied im Oktober 2000, das überarbeitete
Konzept mit Fr. 200'000.- zu unterstützen. Im Konzept wurde
das umfangreiche Rahmenprojekt von A. Rigling über die Waldföhrenwälder
im Wallis sowie das Projekt von E. Feldmeyer, Typisierung verwaldender
Flächen, favorisiert. An einer weiteren Planungssitzung am
14. Dezember 2000 in Sitten wurde klar, dass die drei von Ingenieurbüros
eingereichten Projektskizzen nicht unterstützt werden können.
Die Teilfinanzierung des Kernthemas durch den Kanton ermöglicht
den Beginn mehrerer Teilprojekte im Jahr 2001. Ein Gesuch um Zusatzunterstützung
(zweites Konzept: "Die Waldföhrenwälder im Wallis
- ein Landschaftselement im Umbruch") wurde im Januar 2001 bei
der Forstdirektion eingereicht.
Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes sollen
folgende Hypothesen überprüft werden: (H1): Überdurchschnittliche
Mortalitätsraten der Waldföhre sind durch Veränderung
klimatischer Faktoren verursacht (endogene disturbance): (a) direkt
durch erhöhten Trockenstress (Wassermangel, Nährstoffmangel)
oder (b) indirekt durch Vitalitätsminderung infolge erhöhter
Entwicklungsraten von Insekten und Phytopathogenen bei höheren
Sommer- oder Jahrestemperaturen. (H2) Überdurchschnittliche
Mortalitätsraten der Waldföhre sind durch nicht klimatisch
bedingte Faktoren verursacht: Vitalitätsminderung durch (a)
eingeführte oder einheimische Insekten und Phytopathogene
(exogene disturbance), durch (b) veränderte Konkurrenzverhältnisse
infolge veränderter Landnutzung (anthropogene disturbance)
oder durch (c) natürliche Sukzessionsprozesse wie Bodenreifung
(endogene disturbance).
Das Rahmenprojekt ist Anfang 2001 angelaufen. Im Verlaufe des
Jahres wurden drei neue Teilprojekte definiert. Heute besteht
das Kernthema aus 13 Teilprojekten (TP1-13) sowie einem geplanten
Syntheseprojekt.
Die Suche nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten wurde
im Sommer 2001 belohnt: der Kanton
Wallis erhöhte seinen Unterstützungsbeitrag, das
Buwal gab
grünes Licht für eine beträchtliche Zusatzfinanzierung,
und ein Projektgesuch für eine Dissertation bei der Velux
Stiftung wurde ebenfalls gutgeheissen.

Projekte und Konzepte (fett: Arbeiten
bereits begonnen)
|
Fin.
|
AutorInnen
|
Typ
|
Kurztitel
|
|
$$
|
Rigling
A., Dobbertin
M., Bräker
O.U.
|
WSL |
Bestandes-
und Absterbedynamik (TP1) |
|
$$$
|
Wermelinger
B., Forster
B.
|
WSL |
Entwicklung
der Insektenfauna (TP2) |
| $$$ |
Heiniger
U., Rigling
D., Engesser
R. |
WSL |
Die
Rolle von phytopathogenen Pilzen und Nematoden (TP3) |
| $ |
Zimmermann
S.,
Lüscher P., Pannatier
E. |
WSL |
Nährstoff-
und Bodenwasserhaushalt (TP4) |
| |
Landolt
W. |
WSL |
Nadeln: Nähr- und Schadstoffe (TP5) |
| $ |
Rebetez
M., Dobbertin
M. |
WSL |
Klima
der alpinen Trockentäler (TP6) |
| $$$ |
Weber
P., Rigling
A., Bugmann
H. |
WSL, ETHZ |
Konkurrenz
zwischen Flaumeiche und Waldföhre (TP7) |
| $ |
Ginzler
C., Grabitzki
S. |
WSL |
Retrospektive
Luftbildanalyse im Föhren-Flaumeichen-Gürtel (TP8)
|
| $ |
Wohlgemuth
T., Rigling
A., Feldmeyer
E., Graf
U. |
WSL |
Waldverjüngung: dehnt sich die Flaumeiche
aus? (TP9) |
| $ |
Hadorn
S., Kienast
F., Zimmermann
N. |
WSL, UniBern |
Landschaftsveränderung
im Föhren-Flaumeichen-Gürtel (TP10) |
| $ |
Stuber M., Lienhard L., Bürgi
M. |
WSL, UniBern |
Historische Waldnutzung (TP11) |
| $ |
Bachofen
H.,
Zingg A. |
WSL |
Einfluss
waldbaulicher Eingriffe auf Waldstrukturen (TP12) |
|
|
Hunziker
M. |
WSL |
Walföhrenwälder
im Wallis und ihr Absterben: Wahrnehmung und Beurteilung durch
Bevölkerung und Interessengruppen (TP13) |
| -> K
|
Konzept Rigling/Wohlgemuth
beim Kanton VS: "Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten
im Walliser Föhrengürtel und langfristige Folgen
für Wald und Landschaft". |
|
|
Konzept Rigling beim Buwal:
"Die Waldföhrenwälder im Wallis - ein Landschaftselement
im Umbruch". |

Breaking News
4. April 2002: Bericht SFDRS-MTW: 21.00 Uhr: Föhrensterben
im Wallis: Bio-Indikatoren für den Klimawandel
8. November 2001: Bericht in den 19.30 Uhr-Nachrichten des TSR1
4. September 2001: Pressekonferenz Kt. VS und Forschungsanstalt
WSL: Pressemitteilung
14. Juni 2001: Bericht im SF-DRS/Schweiz Aktuell, 19.00 Uhr:
VS,
Waldföhrensterben (RealVideo).
15. Mai 2001: Ganzseitiger Artikel im BUND: Rätselhaftes
Föhrensterben im Wallis (pdf-Datei).

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