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Je bunter der Garten, desto besser die Erholung

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16.04.2020  | Beate Kittl | News WSL 

 

Je mehr Pflanzen in einem Garten grünen und blühen, desto grösser ist dessen Erholungswert für den Gärtner oder die Gärtnerin. Dies weist eine von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL geleitete Studie nach. Vor allem Familiengärten leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit von Stadtbewohnerinnen und -bewohnern.

 
 

Hand aufs Herz: Welchem Bild gleicht Ihr Garten am ehesten? Eher Bild 1 oder Bild 3? Sollte es Bild drei sein: Herzliche Gratulation. Sie geniessen einen grösseren Erholungs- und damit Gesundheitseffekt Ihres Refugiums als Besitzer monotoner Gärten, wie Forschende der WSL und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL im Rahmen der vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützen BetterGardens Studie aufzeigen. Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass häufige Aufenthalte in der Natur – insbesondere an Plätzen mit hoher Biodiversität – die Gesundheit fördern, etwa indem sie stressabbauend wirken. Das hilft z.B. bei der Vorbeugung von Herz- und Kreislaufkrankheiten.

In Städten, in denen die Planung vermehrt auf Verdichtung ausgerichtet ist, drohen indes immer mehr Grünflächen überbaut zu werden. Diese sind aber nicht nur für Menschen wohltuend, sondern auch wichtige Lebensräume und Verbreitungskorridore für wilde Tiere und Pflanzen. Welche Rolle private Stadtgärten, also Haus- und Familiengärten, hierbei spielen, war bisher nicht untersucht worden. «Wenn Stadtgärten sowohl gut für den Menschen als auch für die Biodiversität wären, hätten wir quasi eine ‘win-win’-Situation», sagt der Soziologe Christopher Young von der WSL, der gemeinsam mit dem WSL-Ökologen David Frey eine Umfrage dazu durchgeführt hat.

 
 

Familiengärten liegen vorn

 

Sie befragten rund 300 Gärtnerinnen und Gärtner in der Stadt Zürich dazu, wie artenreich ihr Garten ist  – unter anderem mit Hilfe der abgebildeten Zeichnungen – und wie erholt sie sich nach einem Aufenthalt in diesem fühlen. Ein Teil davon pflegt Familiengärten, ein anderer bepflanzt Hausgärten. Es zeigte sich, dass die grosse Mehrheit der Befragten Gartenbesuche als sehr erholsam empfand, wie die Forschenden im Fachjournal «Landscape and Urban Planning» berichten.

Insbesondere Personen, die Familiengärten kultivieren, schätzen ihren Garten als willkommene Abwechslung vom Alltag und als Ort zum Abschalten. «Dies ist ein starkes Argument dafür, Familiengärten zu erhalten und das Angebot aus- und nicht abzubauen», sagt Young. Dazu kommt, dass Pächter von Familiengärten im Schnitt älter und sozial schlechter gestellt sind. Diesen Menschen geht es häufig gesundheitlich schlechter. «Familiengärten zu erhalten könnte deshalb auch den sozialen Ungleichheiten bei der Gesundheit entgegenwirken», sagt Young.

 

Angebot an Gärten ausbauen

 

Allerdings gaben auch 16 Prozent der Befragten an, dass der Garten für sie oft Stress bedeutet. Dies waren überwiegend Personen, die Hausgärten besitzen. «Ein Garten kann auch eine Belastung darstellen», sagt Young. Diese Erkenntnis spricht für neue, kreative Ideen für Privatgärten in der Raumplanung. So könnten Einfamilienhäuser kleinere Gärten bekommen und dafür mehr Gemeinschaftsgärten geschaffen werden. Denkbar wäre auch, dass Senioren, denen die Pflege ihres Gartens zu viel wird, Hobbygärtner damit betrauen anstatt einer Firma, und so gleichzeitig Netzwerke in der Nachbarschaft stärken.

Die Forschenden fanden zudem einen positiven, wenn auch geringen Einfluss der Artenvielfalt auf die Erholung. Stadtbehörden könnten also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sie beispielsweise den Bürgerinnen und Bürgern Empfehlungen, Kurse oder Saatgut für die Erhöhung der Artenvielfalt in Stadtgärten bereitstellen.

Von diesen Massnahmen profitiert nicht zuletzt die Natur: «Stadtgärten haben häufig eine grosse Vielfalt an Pflanzen auf kleinstem Raum. Abwechslungsreiche Gärten bieten vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf, was sich positiv auf das städtische Ökosystem auswirkt», sagt Frey. Er hat dies in einer früheren Studie nachgewiesen. Neben der Erholung leistet die Pflanzenvielfalt also noch viel mehr – sie fördert bestäubende Insekten und andere Nützlinge, und verbessert die Bodenqualität. Freys Fazit ist deshalb: «Stadtgärten sollten daher einen festen Bestandteil der grünen Infrastruktur von Städten sein.»

 

Weitere Illustrationen aus der Umfrage zur Gartenvielfalt:

     

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