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Tierökologe wird Titularprofessor an der ETH Zürich

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Martin Gossner von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL gehört sowohl in der Schweiz als auch im internationalen Umfeld zu den führenden Wissenschaftern in der Biodiversitätsforschung. Für seine engagierte Forschungs- und Lehrtätigkeit hat der ETH-Rat ihn nun zum Titularprofessor an der ETH Zürich ernannt.

 

Die Biodiversität verändert sich derzeit in noch nie dagewesenem Ausmass. Treiber dieser Veränderungen sind der globale Wandel, insbesondere die intensive Nutzung unserer Ökosysteme, der Klimawandel oder die Verschleppung von Arten. Der Verlust an biologischer Vielfalt hat Konsequenzen für Ökosystemprozesse und -funktionen, an denen Organismen beteiligt sind – und letztendlich für das menschliche Leben und Wohlergehen.

Angetrieben von der Faszination für die Biodiversität – insbesondere der Vielfalt an Formen und Verhaltensweisen von Insekten und deren Interaktionen mit anderen Organismen – geht es Martin Gossner vor allem darum, die räumlichen und zeitlichen Veränderungen der Biodiversität und deren Steuergrössen besser zu verstehen. Aber auch die Konsequenzen dieser Veränderungen für Ökosystemprozesse wie Biomassezersetzung und Nährstoffflüsse stehen im Mittelpunkt seiner Forschung. Seit 2008 untersucht er die funktionelle Diversität der Insekten im Langzeitprojekt «Biodiversitäts-Exploratorien» der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das er selbst mit aufgebaut hat. Mit seiner Arbeit trägt er vor allem dazu bei, das Wissen um die Auswirkungen von Landnutzungsänderung und -intensivierung auf die Biodiversität und die Ökosystemprozesse zu erweitern. So können Managementstrategien im Wald und im Grünland angepasst werden, um negative Auswirkungen der Landnutzung auf die Ökosysteme zu verringern. Die Bedeutung von Gossners Arbeit zeigt sich in über 120 im Web of Science indizierten wissenschaftlichen Publikationen.

Nach seiner Promotion war Gossner zuerst vier Jahre freiberuflich tätig und erstellte naturschutzfachliche Gutachten. Ihm ist es darum als Forscher wichtig, Fragen zu beantworten, die die Praxis interessieren. So untersucht er etwa, wie sich das Waldmanagement und der Anbau der Douglasie als nicht-einheimische Baumart auf die Biodiversität und Zersetzungsprozesse im Holz auswirken. Gossner interessiert sich aber auch für spezifische Interaktionen zwischen Bäumen und potenziellen Schadorganismen. So erforscht er derzeit mit seinem Team Eschengenotypen mit unterschiedlicher Toleranz gegenüber einem aus Asien eingeführten Pilzpathogen, das das Eschentriebsterben auslöst, und dem ebenfalls aus Asien stammenden Eschenprachtkäfer. Ziel ist es, Genotypen zu finden, die gegenüber beiden Schadorganismen möglichst resistent sind und somit die Esche zu erhalten, die eine wichtige Rolle in Schweizer Waldökosystemen spielt. Letztendlich will er mit seiner Arbeit zum Schutz der Biodiversität beitragen.

Martin Gossner arbeitet seit 2016 an der WSL, wo er die Forschungsgruppe «Waldentomologie» leitet. Er hat in Würzburg (D) Biologie studiert und an der TU München promoviert über die Diversität und Struktur von Insekten in Baumkronen von einheimischen und eingeführten Baumarten. Er lehrte viele Jahre an der Universität Jena und der Technischen Universität München und hat seit 2016 einen Lehrauftrag an der ETH Zürich.

 
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Die Douglasie wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen in den Schweizer Wäldern, ihre Einflüsse auf ökologische Prozesse im Wald sind jedoch noch unzureichend erforscht. Martin Gossner untersucht, wie sich die Zersetzung von Douglasienstreu und -holz im Vergleich zu einheimischen Baumarten unterscheidet. Bild: Gottardo Pestalozzi, WSL
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Viele biotische Interaktionen im Wald, etwa zwischen Bäumen, pflanzenfressenden Insekten und deren Räubern, spielen sich in den Baumkronen ab. Martin Gossner erforscht diese Vorgänge unter Nutzung verschiedener Methoden wie dem klassischen Abklopfen von Ästen, künstlicher Raupen zur Erfassung des Räuberdrucks und Kamerafallen oder e-DNA zur Artbestimmung der beteiligten Organismen. Mit chemisch-ökologischen Analysen quantifiziert er die Baumabwehr. Bild: André Kühne, Universität Basel
 

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