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Trockensommer 2018: Ein Zehntel der zentraleuropäischen Wälder litt unter verfrühtem Laubfall

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In zehn Prozent der Wälder in Zentraleuropa verloren Bäume im Trockensommer 2018 manche oder alle ihre Blätter zu früh. Dies zeigen Berechnungen und Satellitenbildanalysen der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Am stärksten betroffen waren Mittel- und Ostdeutschland, sowie Tschechien. Da es in den Bergen weniger heiss und trocken war, erlitten Schweizer Wälder weniger Schäden.

 

Die Trockenheit setzte Wäldern in der Nordschweiz, am Jurasüdfuss und im Walliser Haupttal am stärksten zu, wie das WSL-Forschungsteam im Fachjournal Global Change Biology berichtet. Es hatte ein Rechenmodell (Algorithmus) programmiert, das anhand von Luftbildern und Satellitenmessungen die Verbreitung von frühzeitigem Laubfall in ganz Zentraleuropa – von Norddeutschland bis Norditalien – berechnete. Dies war dank den neuen Sentinel-Erdbeobachtungssatelliten erstmals in sehr hoher zeitlicher (alle 2-3 Tage ein Bild) und räumlicher Auflösung (10x10 Meter) möglich.

Die Forscher wollten aber auch wissen, welche Faktoren ein besonderes Risiko für Trockenheitsschäden darstellen, zum Beispiel Bodentiefe und -feuchte, Hangneigung und Vegetationshöhe. Dazu setzten sie Modelle ein, die für die ganze Schweiz die Vegetationshöhen und den Wasserhaushalt darstellen können und die ebenfalls an der WSL entwickelt worden sind.

 

Stark betroffene Standorte

Das Ergebnis: Bäume litten am meisten in warm-trockenen Regionen, wo es noch heisser und trockener war als im langjährigen Durchschnitt, insbesondere dann, wenn sie eher klein bis mittelgross gewachsen waren und in steilem Gelände und auf flachgründigen Böden standen. Damit lassen sich künftig solche Standorte und Baumeigenschaften als Risikofaktoren für Trockenheitsschäden einordnen. «In einem weiteren Schritt möchten wir ein Vorhersagemodell machen, das die möglichen Schäden für grosse Waldflächen prognostizieren kann», sagt Philipp Brun, der die Studie gemeinsam mit Kollegen der WSL und der Universität Grenoble Alpes durchgeführt hat.

 
 
 
 

Fichten haben stark gelitten

Auf den hochaufgelösten Satellitenbildern lassen sich auch Laub- und Nadelbäume unterscheiden. Während in der Schweiz vor allem Laubbäume, insbesondere Buchen, verfrüht die Blätter fallen liessen, waren über ganz Zentraleuropa gesehen eher die Fichten betroffen. Ein kompletter Nadelverlust ist für sie tödlich. Später starben zudem viele wegen der Trockenheit geschwächten Fichten an Borkenkäferbefall.

Fichten seien in vielen Ländern in den letzten 150 Jahren grossflächig an der warm-trockenen Grenze ihres Verbreitungsgebietes angepflanzt worden, erklärt Brun. 2018 hätten sowohl Buche und Fichte Bedingungen erlitten, welche an vielen Standorten ausserhalb ihres Toleranzbereichs lagen.

Zentraleuropa erlebte im Sommer 2018 die extremste Trockenheitsperiode und Hitzewelle seit Beginn der Klimamessungen. Sie hatte stärkere Auswirkungen auf Wälder als jede andere Trockenphase in den letzten 60 Jahren. «Wenn sich solche Ereignisse häufiger wiederholen, dann dürften Buchen und Fichten Schwierigkeiten haben, in den 2018 betroffenen Regionen längerfristig zu überdauern», sagt der Studienleiter Niklaus Zimmermann, Ökologe an der WSL. Eichen, die weniger Wasser benötigen und darum mit Trockenheit besser umgehen können, haben in denselben Regionen hingegen kaum Blattfall gezeigt.

 

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