Navigation mit Access Keys

Etabliert sich der Götterbaum bald in der ganzen Schweiz?

Hauptinhalt

  

Der in der Schweiz gebietsfremde Götterbaum (Ailanthus altissima) kommt nicht nur in der Südschweiz, sondern inzwischen auch in zahlreichen Wäldern nördlich der Alpen vor. Dies zeigt eine neue an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL erstellte Verbreitungskarte.

 

Im Rahmen eines von der WSL und dem Bundesamt für Umwelt BAFU finanzierten Projektes wurden erstmals umfangreiche Daten zur Verbreitung des Götterbaumes in der Schweiz aus verschiedenen Datenbanken zusammengetragen, durch aktuelle Beobachtungen ergänzt und in einer nationalen Karte dargestellt.

Die Karte zeigt deutlich: die meisten Götterbäume wachsen in dicht besiedelten Gegenden. Die Baumart verbreitet sich vor allem entlang der Hauptverkehrsachsen und Seen. Ursprünglich wurde der Baum wegen seiner Salz- und Trockenheitstoleranz vor allem in Städten und Gärten angepflanzt, von wo aus er verwilderte. Ältere Exemplare produzieren unterdessen viele Samen, was die Ausbreitung des Götterbaumes in die wärmeren Gebiete des Mittellandes und die Föhntäler fördert. Die wärmeliebende Art wächst zwar überwiegend in den tieferen Lagen bis ca. 600 m.ü.M., im Tessin jedoch kommen einzelne Exemplare schon bis in eine Höhe von 1300 m.ü.M. vor.

Götterbäume im Wald: in 11 Kantonen nördlich der Alpen

Der Götterbaum dringt auf der Alpensüdseite zunehmend in die durch Sommerdürren, Schadinsekten und Pilze sowie Waldbrände gestörten Edelkastanienwälder ein. Nördlich der Alpen kam die aus Ostasien stammende Baumart bis vor wenigen Jahren nur in Siedlungsräumen vor (siehe Karte). Die Forschenden stellten nun überraschenderweise fest, dass der Götterbaum unterdessen an 90 Orten auch im Wald wächst, wo er durch seine starke Wüchsigkeit in jungen Jahren (1-2m Höhenzuwachs pro Jahr) in Zukunft einheimische Baumarten bedrängen kann. Darüber hinaus gibt es Anzeichen, dass er in Alpentälern die Schutzwirkung von Wäldern gegen Naturgefahren verringern könnte, weil seine Stämme mit zunehmendem Alter von innen her durch Fäulepilze geschwächt werden. Die Entfernung des Götterbaumes ist schwierig und aufwendig. Im Wald wird seine Bekämpfung zusätzlich durch die Tatsache erschwert, dass dort der Einsatz von Herbiziden verboten ist.

Die neue Karte stützt sich auf vorhandene Kartierungen von den kantonalen Forstdiensten aus der Südschweiz, auf kantonale Daten (inklusive Fürstentum Liechtenstein) der Alpennordseite sowie auf Fundmeldungen, die Fach- und Privatpersonen via Internet oder Smartphone-App an Info Flora weitergegeben haben. Aktuelle Beobachtungen des Projektteams und des WSL-Standorts in Bellinzona sowie Daten des Schweizerischen Landesforstinventars (LFI4) flossen ebenfalls in die neue Karte ein.

Götterbaumbeobachtungen – Bitte melden

Eine weitere Verbesserung der Datengrundlage wird es ermöglichen, die zukünftige Verbreitung der Art abzuschätzen, sowohl unter heutigem Klima als auch für zukünftige Klimaszenarien. Dabei bildet eine möglichst aktuelle Karte mit den Vorkommen des Götterbaumes die Grundlage für ein gezieltes Management dieser Art. Zur Verfeinerung und Verbesserung der Karte ist auch die Mithilfe der Bevölkerung gefragt. Die WSL ist dankbar für Meldungen von Götterbaum-Beobachtungen mit Koordinaten und Kurzbeschrieb an Daniela Gurtner oder an Info Flora.

Ausbau der Götterbaum-Forschung

Seit Anfang 2015 beteiligt sich die WSL an einem neuen Projekt, mit dem die Grundlagenforschung zur Ökologie und Langzeitdynamik von Götterbaumbeständen erweitert wird. Es werden einerseits dendroökologische und ökophysiologische Untersuchungen im Tessin durchgeführt, andererseits werden Felddaten in China erhoben, dem Herkunftsland des Götterbaumes. Das Projekt wird vom Schweizerischen sowie vom Französischen Nationalfonds gefördert und in Zusammenarbeit mit weiteren Forschungspartnern in der Schweiz sowie in Frankreich durchgeführt. Die Forschungsarbeiten umfassen auch Feldexperimente und Modellierungen zur mechanischen Stabilität von Götterbäumen, die es erlauben sollen, die Schutzwirksamkeit von Götterbaumbeständen abzuschätzen.

Links

Mehr auf waldwissen.net

Kontakt

Dr. Jan Wunder