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WSL-Forscher im Rahmen der Weltklimakonferenz dabei

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Im Kampf gegen die Bodenzerstörung entwickelt die UN am Rande der diesjährigen Weltklimakonferenz in Paris eine neue Initiative: Mit Geldern aus der Privatwirtschaft sollen jährlich 12 Millionen Hektaren degradierte Boden wiederhergestellt werden - das entspricht der halben Fläche Grossbritanniens. Ein WSL-Forscher ist als technischer Experte mit dabei.

 

Die Vereinten Nationen setzen sich ein neues, ehrgeiziges Ziel: Zwei Milliarden Dollar an Investitionen sollen künftig pro Jahr in Projekte zur Wiederherstellung von zerstörten Böden fliessen. Denn weltweit gehen pro Minute 23 Hektaren fruchtbares Land verloren, etwa die Fläche von 32 Fussballfeldern.

Das Werkzeug dazu ist die sogenannte „Land Degradation Neutrality“ (Landverschlechterungs-Neutralität): Mithilfe von öffentlichen und vor allem auch privaten Geldern soll eine Investitionsplattform gegründet werden, die finanzielle und technische Hilfe für die Wiederherstellung von degradiertem Land zur Verfügung stellt. Im Anschluss fördert sie nachhaltige Geschäftsmodelle auf dem aufgebesserten Land. Das Ziel ist, dass bis 2030 nicht mehr Land degradiert als wiederhergestellt wird (Neutralität, Gleichgewicht). Die Mittel stammen nicht nur aus der staatlichen Entwicklungshilfe, sondern neu auch aus dem privaten Finanzsektor.

Federführend ist der Global Mechanism der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD). Bei offiziellen Gesprächen in Paris ist auch der Waldökologe und Datenspezialist Matthias Häni von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL dabei und beantwortet technische Fragen. Häni, der sich selbst als „Datencrack“ bezeichnet, hat unlängst im Rahmen eines Mandats der UNCCD eine Datenanalyse durchgeführt.

Nutzen von Entwicklungsprojekten

Die Resultate quantifizieren erstmals die Auswirkungen des sogenannten Impact Investments. Damit wird das Engagement von Investoren in nachhaltige Projekte bezeichnet. Diese Art der Investitionen bringt neben Rendite und Risiko noch eine dritte Variable ins Spiel: den Nutzen (Englisch: impact). Wie dieser gemessen werden kann, „ist eine Riesenlücke in der Forschung“, sagt Matthias Häni. Wie viel Erosion beispielsweise Hecken verhindern oder wie viele Kinder ein neuer Brunnen rettet, lasse sich eben fast nicht bestimmen.

Für die Analyse hat Häni gemeinsam mit Philippe Saner von der Universität Zürich die weltweiten Flüsse von Entwicklungsgeldern ausgewertet – und zwar von sämtlichen Ländern weltweit, die entweder Geber oder Empfänger von Entwicklungshilfe sind. Allein in den untersuchten Jahren 2012/13 flossen insgesamt knapp 130 Milliarden Dollar in über 4000 Entwicklungsprojekte oder technische Unterstützung dazu.

Das Besondere an Hänis und Saners Auswertung ist jedoch nicht nur die allererste Trendanalyse dieser Finanzflüsse. Sie haben ausserdem für jedes Projekt genaue Angaben, wo es sich im Dreieck der drei grossen UN-Konventionen zum Klimawandel, zur Biodiversität und zur Wüstenbildung befindet, die 1992 am Erdgipfel in Rio de Janeiro gegründet wurden. Diese sogenannten Rio-Marker stellen ein Werkzeug dar, dank dem Gelder gezielt nach Impact – ob ein Projekt zum Beispiel auf Klima-, Arten- oder Bodenschutz fokussiert – investiert werden können.

Zwei Milliarden Hektaren Böden wiederherzustellen

Die Vereinten Nationen schätzen, dass weltweit etwa zwei Milliarden Hektaren vormals fruchtbarer Böden degradiert, also durch unangemessene Nutzung, Abholzung oder Erosion für den Nahrungsmittelanbau unbrauchbar geworden sind und wiederhergestellt werden könnten. Land Degradation Neutrality (LDN) bedeutet, dass sich Bodenverlust und Wiederherstellung die Waage halten. Die UN sieht LDN als ein wichtiges Ziel bei Bekämpfung von Armut und Hunger.

Entscheidende Gespräche zur LDN werden am 5. und 6. Dezember im Rahmen des 2015 Global Landscape Forums über Landnutzung in Paris stattfinden, dem grössten Anlass am Rande des Klimagipfels. Dort wird der WSL-Forscher Matthias Häni als technischer Berater dabei sein.