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Waldschutzüberblick 2017: Buchdrucker und Frostschäden

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Insgesamt war der Sommer 2017 deutlich zu warm (nach 2003 und 2015 der drittwärmste seit Messbeginn). Diese Trockenheit, sowie ausgedehnte Spätfrostschäden im April und Stürme im August forderten nicht nur Obstbauern und Winzer heraus, sondern auch den Wald. 2017 war mehr Fichtenholz durch den Buchdrucker befallen als in den Vorjahren und es traten diverse neue Gehölzkrankheiten auf.

 

Buchdruckerbefall nimmt zu

Die durch den Buchdrucker (Ips typographus) befallene Menge Fichtenholz ist 2017 wieder angestiegen und betrug insgesamt 320'000 m3. Zwar gibt es weiterhin Gebiete mit wenig Käferbefall, insgesamt darf gesamtschweizerisch aber nicht mehr von einer beruhigten Situation gesprochen werden. Mit den verbreiteten Sturmschäden vom Januar 2018 wurde zudem viel frisches Brutmaterial geschaffen. Aber von einer  Massenvermehrung, wie sie nach dem Sturm Lothar zu verzeichnen war, sind wir noch weit entfernt.  Siehe auch WSL-News vom 8.3.2018

Massenentwicklung des Grauen Lärchenwicklers

In den Kantonen Wallis und Graubünden hat im Sommer 2017 eine neue Massenvermehrung des Grauen Lärchenwicklers (Zeiraphera griseana) begonnen. In der Schweiz muss auch 2018 mit einem deutlichen Befall gerechnet werden. Siehe auch WSL-News vom 2.7.2018

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Zweite Tilgung im Freiland

Beim Asiatischen Laubholzbockkäfer gilt auch der Erstbefall in Brünisried (FR) seit Februar 2018 als getilgt, nachdem 2016 bereits in Winterthur die Tilgung gelungen war.

Zickzack- Ulmenblattwespe in der Schweiz entdeckt

Die ursprünglich aus Ostasien stammende Zickzack- Ulmenblattwespe (Aproceros leucopoda) ist eine invasive Pflanzenwespe, die sich seit 2003 in Europa ausbreitet. 2017 wurde sie zum ersten Mal auch in der Schweiz gemeldet.

Eschentriebsterben: Umfrage zu toleranten Eschen

In der Schweiz wurde 2016/17 eine Umfrage zu toleranten Eschen durchgeführt, denn auf ihnen ruhen die Hoffnungen für den Erhalt der Baumart. Gesamtschweizerisch wurden 367 tolerante Eschen gemeldet. Gemeldete Bäume sollen im Sommer 2018 eingehend untersucht werden.

Pilzbefall von Hagebuchen

Ein bisher unauffälliger Pilz kann Probleme an der Hagebuche verursachen. Der Pilz Anthostoma decipiens ist schon lange bekannt und normalerweise nicht aggressiv. 2017 wurden stark erkrankte Hagebuchen in der Schweiz (GE) entdeckt und vorsorglich entfernt.

Föhrenkrankheiten nehmen zu

Die Verursacher der Rotbandkrankheit (RBK) und der Braunfleckenkrankheit (BFK) befallen Föhren und gelten als Quarantäneorganismen. Ein umfassendes Monitoring von 2016 zeigt, dass die RBK am häufigsten und weitesten verbreitet ist, gefolgt von der BFK. Häufigkeit und geografische Verbreitung unterscheiden sich regional stark. Föhren im Wald sind häufiger befallen als angenommen. Betroffen sind vor allem Wald- und Bergföhren, wobei 2017 auch infizierte Fichten (Picea abies) im Wald entdeckt wurden. Weitere Schadbilder der Föhre wurden verursacht durch das Föhrentriebsterben (Diplodia pinea) und die physiologische Schütte. Gerade das Föhrentriebsterben hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen.

Neue Pilzkrankheit der Rotbuche

Seit mehreren Jahren wird in der Schweiz eine neue Blattfleckenkrankheit an der Rotbuche beobachtet. Verursacher ist der Pilz Pseudodidymella fagi. Bisher scheint der Pilz keine grösseren Schäden zu verursachen. Hingegen kann ein Phytophthora-Befall Schleimfluss, Rindennekrosen und schliesslich Absterben verursachen. Ein Monitoring der Gruppe Phytopathologie der WSL hat 2017 die Verursacher solcher Symptome genauer untersucht. Siehe auch WSL-News vom 20.4.2017

Neue Bakterienkrankheit auf Traubeneichen

Erstmals wurden 2017 in der Schweiz pathogene Bakterien auf erkrankten Traubeneichen (Quercus petraea) nachgewiesen. Die Symptome waren dem Befallsbild von Phytophthora ähnlich. Die Bakterien Gibsiella quercinecans, Brenneria goodwinii und Rhanella victoriana, welche als Verursacher identifiziert wurden, werden mit dem akuten Eichensterben in Zusammenhang gebracht. Alle betroffenen Eichen wurden vorsorglich entfernt. Siehe auch waldwissen.net vom 27.2.2018

Hirsche schälen Eiben am Albis

In den Wäldern zwischen Langnau am Albis und der Albispasshöhe wurden im vergangenen Sommer teilweise verheerende Schälschäden an den Eiben festgestellt. Eingerichtete Wildkameras zeigten, dass bis zu vier männlichen Hirsche diese verursachten. Sie schälten die Eiben im Sommer, sowohl am Morgen, als auch mitten am Tag. Sommerschälungen der Eibe wie diese sind ein neues Phänomen für die Schweiz. Generell ist die Beanspruchung der Verjüngung durch Wild tendenziell zunehmend. (Videos)

 

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