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Wer sind die Bodyguards der Eichen? Hilfe von Schulklassen gefragt

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17.09.2018  |  News

 

Im Frühjahr 2018 versteckten Schulklassen in sieben europäischen Ländern über 3000 Raupen aus Knetmasse in Eichen. Damit konnten sie herausfinden, ob Räuber wie Vögel, Insekten, Spinnen oder Säugetiere versuchten, diese Raupen zu fressen. Mit Hilfe dieser Beobachtungen untersuchen Wissenschaftler den Einfluss des Klimas auf die Baumabwehr und die Räuber. Die Studie wird in 2019 in der Schweiz und im Ausland wiederholt. Wissenschaftler der WSL rufen erneut Schulkinder auf, sich an diesem umfangreichen Projekt zu beteiligen.

 

Die Eiche ist in Europa eine der Baumarten, welche die grösste Vielfalt an pflanzenfressenden Insekten beherbergt. Meistens fressen diese Insekten nur einen kleinen Teil der Blätter, doch wenn dies Jahr für Jahr geschieht, kann es die Eichen schwächen und ihr Wachstum verlangsamen. Massenvermehrungen von Schädlingen wie des Schwamm- oder Prozessionsspinners können Eichen sogar töten, wenn sie mit Krankheiten oder anderen Stressfaktoren zusammenfallen – zum Beispiel Trockenheit als Folge des Klimawandels.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund

Die Eichen sind jedoch nicht wehrlos, sie produzieren abstossende oder giftige Substanzen in ihren Blättern. Ausserdem stehen die pflanzenfressenden Insekten auf dem Speisezettel von vielen Räubern wie Vögeln, Raubinsekten, Spinnen und Säugetieren. Die Bäume werden von den Feinden ihrer Feinde geschützt – dies nennt man eine trophische Kaskade.

 

Viele Forschende gehen der Frage nach, wie Stressfaktoren – insbesondere Hitzewellen und Trockenheit wie im Sommer 2018 – auf diese trophische Kaskade wirken werden. Unter der Leitung von Bastien Castagneyrol, aus dem französischen Forschungsinstitut für Agrarwissenschaft Inra in Bordeaux, starteten Wissenschaftler letztes Jahr ein Projekt, das den Frass durch Räuber sowie die Verteidigung der Eichen von den warmen Regionen Südeuropas bis zu den kühleren Regionen im Norden untersucht.

Dazu haben sie Schulklassen um Mithilfe gebeten. So wollen sie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Schutz der Bäume vor pflanzenfressenden Insekten besser vorhersehen.

 

Martin Gossner, Entomologe an der Eidg. Forschungsanstalt WSL, koordiniert das Projekt in der Schweiz. Er freut sich, wenn erneut zahlreiche Schulklassen mitwirken: «Dank der Hilfe von Schulklassen können wir wesentlich mehr Bäume überwachen, was den Vergleich zwischen Ländern erst aussagekräftig macht.»

Raupen aus Knetmasse

Die Schülerinnen und Schüler werden dafür Raupen aus Knetmasse und Draht basteln und sie im Frühling 2019 an einer Stieleiche (Quercus robur) in ihrer Nachbarschaft befestigen. Die Räuber werden diese Köder angreifen, als ob sie echte Beute wären, und dabei Spuren mit ihrem Schnabel, ihren Zähnen oder Mandibeln (den Mundwerkzeugen von Insekten) hinterlassen.

Jeweils nach zwei Wochen und nach einem Monat werden die Schülerinnen und Schüler die Spuren der Räuber zählen und fotografieren. Ausserdem werden sie einige Blätter an den Projektleiter in Frankreich schicken, der das Ausmass des Blattfrasses und den chemischen Inhalt der Blätter analysieren wird.

Mit der Hilfe der Schulklassen in den verschiedenen Ländern wird es möglich sein, chemische Verteidigung, Insektenfrass und Angriffe durch Räuber abhängig vom Klima zu vergleichen.

Die Eichen, die für dieses Projekt ausgewählt werden, können einfacher und zuverlässiger im Herbst, vor dem Laubfall, als im Frühling bestimmt werden. Deshalb bitten wir Lehrerinnen und Lehrern, die bei diesem Forschungsprojekt mitmachen möchten, sich baldmöglichst auf der Projektseite anzumelden.

 

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