Navigation mit Access Keys

Welttag der freilebenden Tiere und Pflanzen 2019

Hauptinhalt

 

04.03.2019  | Beate Kittl |  News WSL 

 

Jedes Jahr am 3. März macht die Organisation des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) mit dem Tag der freilebenden Tiere und Pflanzen auf den weltweiten Artenschwund aufmerksam. Um seltene oder bedrohte Arten zu schützen, müssen ihre Lebensraumansprüche und Bedrohungen bekannt sein. An der WSL liefern wir hierfür die wissenschaftlichen Grundlagen und suchen nach praxistauglichen Lösungen.

 

In Anerkennung der grossen Bedeutung der Artenvielfalt für Mensch und Ökosysteme unterzeichneten zahlreiche Staaten am 3. März 1973 das Washingtoner Artenschutzabkommen, die «Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora» (CITES). CITES bekämpft den illegalen Handel mit bedrohten Arten und stellt etwa 5800 Tier- und 30’000 Pflanzenarten unter Schutz. Seit 2013 erinnert das CITES-Sekretariat mit dem «Welttag der freilebenden Tiere und Pflanzen» an dieses Datum.

Für das Jahr 2019 hat CITES das Motto «Leben unter Wasser: für Menschen und den Planeten» gewählt. Von den Lebewesen in den Ozeanen und an den Küsten hängen Millionen von Menschen ab. Die Bedrohungen für die Weltmeere reichen von der Übernutzung der Fischbestände über die Meeresverschmutzung bis zur Klimaerwärmung. Im Megafauna-Projekt versucht das Team um Loïc Pellissier, Professor für Landschaftsökologie an der ETH Zürich und der WSL, eine Datenbank mit den genetischen Fingerabdrücken möglichst vieler grosser Meerestiere anzulegen, was künftig die Langfristbeobachtung der Arten bedeutend erleichtern soll.

Die WSL-Doktorandin Giulia Donati möchte herausfinden, wie sich Mikroplastik-Teilchen im Wasser oder in Meereslebewesen auf die bedrohten, planktonfressenden Walhaie auswirkt. Ihr Projekt, dass sie mit Partnern der National University of Ireland Galway und Nichtregierungsorganisationen durchführt, stellt sie in einem Video vor:

 

Microplastics - a macro disaster

A threat to the largest fish in our seas?

 

Auch andere Projekte der WSL beschäftigen sich mit dem Schutz bestimmter Tier- und Pflanzengruppen:

 

Rote Liste der baum- und erdbewohnenden Flechten

Flechten sind eine Symbiose von Flechten und Pilzen und wertvolle Umweltanzeiger z.B. von Luftverschmutzung. Mehr als ein Drittel der Schweizer Flechten sind gefährdet – vor allem, weil bestimmte Lebensräume wie Trockenwiesen immer seltener werden. Derzeit sind WSL-Forscher dabei, die Rote Liste der bedrohten Arten von 2002 zu aktualisieren. Die WSL führt ausserdem das Nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flechten (www.swisslichens.ch).

 

Langzeitbeobachtung von Schneehasen

Der Schneehase ist perfekt an das harsche Klima im Hochgebirge angepasst. Gerade deshalb ist er von der Klimaerwärmung, aber auch durch menschliche Störungen besonders betroffen. WSL-Forschende untersuchen seit 6 Jahren eine Hasenpopulation im Schweizer Nationalpark und analysieren den Bestand, die Überlebensraten und die Lebensraumnutzung.

 

Fledermäuse an Rufen erkennen

Mit einem an der WSL entwickelten Verfahren lassen sich Fledermaus-Arten aufgrund ihrer Echo-Ortungsrufe erkennen. Die entsprechende Software BatScope ist frei verfügbar: www.batscope.ch. Mit dem Werkzeug können Lebensraumansprüche der Fledermäuse besser analysiert werden.

 

Seltene Pflanzen auf Findlingen

Viele Farne und Moose im Mittelland und Jura kommen ausschliesslich auf Findlingen vor, die durch Eiszeit-Gletscher weit weg von ihrem Ursprungsort transportiert wurden. Doch geänderte Landnutzung und Klettern an Felsblöcken bedrohen diese Raritäten. WSL-Forscher erkunden nun ihre Vielfalt, um diese Pflanzen besser schützen zu können.

 

Flugkorridore von Fledermäusen

Das Projekt zielt darauf ab, die Flugkorridore von schützenswerten Fledermauskolonien schweizweit zu berechnen, damit schliesslich in ausgewählten Gemeinden deren Schutz umgesetzt werden kann. Ausserdem sollen geeignete Jagdwälder von Grossen Mausohrfledermäusen modelliert werden.

 

Geeignete Lebensräume für das Auerhuhn bestimmen

Das prächtige Auerhuhn ist in der Schweiz stark gefährdet, sein Bestand hat sich in 40 Jahren halbiert. Es benötigt naturnahe, lichte Wälder, die immer seltener werden, und ist empfindlich auf Störungen durch Freizeitaktivitäten. In einem Populationsmodell wurden die in der Schweiz prioritären Gebiete für Lebensraumaufwertungsmassnahmen ersichtlich gemacht.

 

Dimmbare Strassenlampen helfen Fledermäusen und Insekten

Für Insekten ist nächtliche Strassenbeleuchtung oft eine tödliche Falle. Die Gemeinden Urdorf und Regensdorf haben 2017 sensorgesteuerte Strassenlampen installiert, deren Beleuchtungsintensität vom Verkehrsaufkommen abhängig ist. WSL-Forschende haben herausgefunden, dass sie weniger nachtaktive Insekten und Fledermäuse anlocken.

 

Das Hornwachstum der Steinböcke

Der Steinbock war Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz ausgerottet. Seither ist der Bestand wieder auf 18'000 Individuen angewachsen. Das Projekt untersucht den Einfluss von Wetter und Klima auf das Hornwachstum und damit die Fitness der männlichen Steinböcke. Die milderen Winter und die guten Nahrungsbedingungen in Frühling haben ein überdurchschnittliches Hornwachstum zur Folge. (keine Projektseite, weitere Informationen: Kurt Bollmann).

 

CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) ist eine Handelskonvention mit dem Ziel, die Tier- und Pflanzenpopulation unserer Welt nachhaltig zu nutzen und zu erhalten. Sie wurde am 3. März 1973 in Washington unterzeichnet und wird deshalb auch Washingtoner Artenschutzabkommen genannt. Mittlerweile kontrollieren über 180 Unterzeichnerstaaten auf freiwilliger Basis den internationalen Handel mit bedrohten Arten. Die Schweiz ist Depositärstaat, das CITES-Sekretariat ist in Genf. Vollzugsbehörde in der Schweiz ist das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Es wird von der Eidgenössischen Kommission für die Belange des Artenschutzübereinkommens (CITES) beraten, deren Präsident der WSL-Zoologe Josef Senn ist.

 

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN