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max.moor

 

Klimaschutz durch Hochmoorschutz

 

CO2-Kompensation durch Hochmoorrenaturierung in der Schweiz

 

Worum geht es?

Das Projekt «Klima durch Hochmoorschutz – CO2-Kompensation durch Hochmoorrenaturierung in der Schweiz» reagiert auf das grosse Potential, mit Moorrenaturierungen Klimaschutz zu betreiben. Moore werden von Bund und Kantonen trotz gesetzlichem Auftrag unzureichend geschützt, es gibt weit über 1000 ha drainierter Hochmoorfläche. Aus dem durchlüfteten Torf dieser Hochmoore entweichen jährlich rund 19’000 t CO2 (Schätzung nach IPCC Standardwerten).

 

Hintergrund

Eine 2009 an der WSL durchgeführte Studie «Kosten des Biotopschutzes» (in Kooperation mit ProNatura und Forum Biodiversität) zeigt, dass die Renaturierung aller drainierten Hochmoore einmalig 100 bis 150 Mio CHF kosten würde. Davon bringt die öffentliche Hand nur einen sehr kleinen Teil für einzelne Hochmoorrenaturierungen auf.

Ziel

Ziel ist ein Konzept, wie Einzelpersonen und Firmen CO2-Emissionen auf freiwilliger Basis kompensieren können, indem die eingenommenen Mittel in die Hochmoorrenaturierung fliessen.

max.moor – ein Ansatz (sog. Standard) zur Abschätzung verhinderter CO2-Emissionen

Mit diesem neuen Ansatz kann abgeschätzt werden, welche Menge CO2-Emissionen durch eine Wiedervernässung drainierter Hochmooren verhindert werden kann und folglich wie viele CO2-Emissionen sich durch eine Wiedervernässung kompensieren lassen.

 

Elemente für die Abschätzung der verhinderten CO2-Emission

1) Auf Basis einer Datenanalyse verschiedener europäischer Studien und dem IPCC wird die Menge an organischem Kohlenstoff im Hochmoortorf geschätzt, welche bei einer Wiedervernässung des Hochmoores fixiert wird oder aber bei anhaltendem Austrocknen des Torfs (Mineralisierung) als CO2 in die Atmosphäre gelangt. Dabei wird angenommen, dass bei drainierten Mooren die oberste Torfschicht (mind. 50 cm) mit der Zeit völlig verloren geht. Dagegen bleibt der organische Kohlenstoff dieser obersten Schicht bei einer Wiedervernässung des Hochmoors gebunden.

2) Die Kostenanalyse abgeschlossener Renaturierungsprojekte ergibt den durchschnittlichen Preis, um eine Hektare Moorfläche zu renaturieren. Daraus lässt sich der Preis pro Tonne CO2 errechnen.

 

FAQ

Wie und wo kann ich CO2-Emissionen kompensieren?

Wenn Sie an einer Kompensation zugunsten von Hochmoorrenaturierungen interessiert sind, können Sie dies über zwei Kompensationsanbieter abwickeln. The South Pole Group sowie myclimate bieten entsprechende Kompensationsmöglichkeiten an.

Für genauere Informationen wenden Sie sich an: info@myclimate.org oder an: o.zoller(at)southpoleto make life hard for spam bots.com

 

Was bringt der neue Standard max.moor?

max.moor ermöglicht Kompensation im Inland. Der Zertifikatspreis pro Tonne CO2 ist etwas höher als der internationale Durchschnitt, doch dafür besteht grosse Sicherheit, dass der Kohlenstoff dauerhaft im Moor gebunden bleibt. Ausserdem fördert die Kompensation die Biodiversität, trägt zur Aufwertung des Schweizer Landschaftsbildes sowie zum Hochwasserschutz bei. Nicht zuletzt kommt die Kompensation dem regionalen Gewerbe zugute, denn ein Grossteil der Umsetzungskosten wird in der Region ausgegeben.

 

Warum der gewählte Berechnungsansatz von max.moor?

1. Dank dem leicht zu handhabenden Berechnungsansatz, können administrative Kosten und Abklärungen im Vorfeld der Projektumsetzung aufs Minimum beschränkt werden. So fliessen die Kompensationsgelder weitgehend in die Umsetzung der Renaturierungsprojekte.

2. Schweizer Hochmoore sind kleinräumige Biotope. Sie sind abhängig vom Mikroklima der Umgebung, der Topografie des Untergrundes, der Vegetation und der Entwässerungsgeschichte. All diese Faktoren sind bei jedem Hochmoor unterschiedlich – jedes Hochmoor hat seinen eigenen Charakter. Dies macht es schwierig, ein Modell oder ein Proxy (Stellvertretergrösse, z.B. Vegetation) auf alle Standorte anzuwenden. Zudem ist eine Modellierung schon innerhalb eines Standortes heikel, da ein Hochmoor verschiedene Teilgebiete aufweisen kann, die unterschiedlichen hydrologischen Bedingungen ausgesetzt sind und sich entsprechend an  ders verhalten. Damit eine Modellierung verlässliche Resultate liefern kann, sind Messungen für jeden Standort – bzw. jedes Teilgebiets innerhalb eines Standortes - nötig, was die Kosten und den Aufwand in die Höhe treibt. Der Berechnungsansatz max.moor arbeitet ebenfalls mit Mittelwerten, jedoch ist der Gehalt an organischem Kohlenstoff eine Grösse, die sich besser über einen Torfkörper extrapolieren lässt, als die tatsächliche CO2-Emission.

 

Ist die Hochmoorrenaturierung nicht Bundesaufgabe?

Der (Hoch-)Moorschutz ist seit der Annahme der Rothenthurm-Initiative im Jahr 1987 per Verfassung verankert. Die Umsetzung des Schutzes ist Kantonsaufgabe. Der alleinige Schutzstatus nützt dem Moor jedoch nichts! Denn die Entwässerung bleibt bestehen, solange keine baulichen Massnahmen ergriffen werden. In einer solchen Situation durchlüftet der Sauerstoff weiterhin den Torf, der mikrobielle Abbau des organischen Materials schreitet voran und somit gelangen allein von den entwässerten Hochmoorböden der Schweiz jährlich über 19‘000 t CO2 in die Atmosphäre (nach IPCC Standardwerten). Um die Emission zu stoppen, ist eine Wiedervernässung der Moorböden unabdingbar. Im Verfassungstext heisst es, die Kantone seien angehalten, eine Renaturierung bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorzunehmen. Ob sich eine Gelegenheit bietet, hängt ab von der finanziellen Lage des Kantons ab, von der Prioritätensetzung der kantonalen Verwaltung sowie den Grundstückbesitzverhältnissen. Der Bund finanziert 40-60% der einzelnen Renaturierungsprojekte, der restliche Anteil ist vom Kanton und teilweise auch von den Gemeinden zu übernehmen. Renaturierungen kommen nur sehr langsam voran, denn oftmals fehlt die Finanzierung. Durch die Möglichkeit der CO2-Kompensation zugunsten der Hochmoore wird die Renaturierungstätigkeit der Kantone unterstützt und ausgebaut. Max.moor finanziert nur Projekte, die nachweislich nicht ohne eine solche Finanzierung zustande kommen würden.

Auch andere Akteure wie der WWF, Pro Natura und weitere Naturschutzorganisationen können den Standard max.moor anwenden.

Und was ist mit dem Methan?

Es ist möglich, dass es im Zug einer Renaturierung durch einen raschen Anstieg des Wasserspiegels zu einem erhöhten Methanausstoss kommt. Dieser Methanpeak kann durch eine schrittweise Anhebung des Wasserspiegels minimiert werden – da so das Methan, welches durch die Vergärung der hochmooratypischen Vegetation entsteht, oxidiert ist, bis es an die Oberfläche gelangt. Zudem kann auch ein drainiertes Moor Methan ausstossen, wenn die Entwässerungsgräben stehendes Wasser führen, was oft der Fall ist. So gesehen, wird durch eine Wiedervernässung zwar allenfalls ein etwas erhöhter Methanausstoss ausgelöst, gleichzeitig werden aber andere Methanemissionen unterbunden. Über lange Sicht fällt die Methanemission nicht ins Gewicht, da die verhinderten CO2-Emissionen trotz ihres 25 mal geringeren Treibhauspotentials den einmaligen Methanpeak um ein Vielfaches aufwiegen.

 

Weitere Informationen

Der Standard (Kompensationsansatz)

max.moor

Der Standard max.moor strebt eine maximale Renaturierung der Schweizer Hochmoore an. Der Standard wurde für den freiwilligen Kohlenstoffmarkt (freiwillige Kompensation) entwickelt. Er basiert auf folgenden Merkmalen:

1. Permanenz

Die Dauerhaftigkeit der Wirkung der Emissionsreduktion ist gewährleistet.

Die Renaturierung eines inventarisierten Hochmoores birgt kaum das Risiko einer späteren Nutzungsänderung, da das Objekt per Verfassung geschützt ist.

2. Leakage / Emissionsverlagerung

Die vermiedenen CO2-Emissionen werden nicht an einen andern Ort emittiert, z.B. durch intensivere Nutzung auf andern organischen Böden.

Da national geschützte Hochmoore bereits heute sehr extensiv genutzt sind und die Bewirtschafter nicht auf den Ertrag dieser Flächen angewiesen sind, besteht keine Verlagerungsgefahr.

 

3. Zusätzlichkeit

Die durch die CO2-Kompensation erfolgte CO2-Emissionsreduktion ist zusätzlich.

Mit einer CO2-Kompensation zugunsten der Hochmoorrenaturierung wird die Renaturierungsaktivität der Kantone erhöht; es werden keine kantonalen Gelder eingespart oder für anderes verwendet.

Die Kantone haben den Auftrag, bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Hochmoorrenaturierung vorzunehmen. In den letzten 30 Jahren hat sich aber der Zustand der Hochmoore in der Schweiz weiter verschlechtert, denn den Kantonen fehlen die finanziellen Mittel.

4. Quantifizierung

Die Quantifizierung der vermiedenen Tonnen CO2 beruht auf transparenten und nachvollziehbaren Abschätzungen

max.moor berechnet die Einsparungsleistung (vermiedene Tonnen CO2-Emissionen) anhand des Kohlenstoffgehalts im Torf. Die obersten 50 cm des Torfkörpers sind von der Entwässerung am stärksten betroffen. Im entwässerten Zustand des Moores würde der Kohlenstoff dieser Torfschicht in den nächsten 50-100 Jahren als CO2 in die Atmosphäre entweichen. Wird das Hochmoor hingegen wiedervernässt, ist der Kohlenstoff permanent gebunden. Der Kohlenstoffgehalt dieser obersten Torfschicht wird demzufolge in CO2-Äquivalente umgerechnet, dazu werden Mittelwerte aus verschiedenen Studien sowie dem IPCC 2013 verwendet. So kann pro Hektar abgeschätzt werden, wie viele Tonnen CO2 durch Wiedervernässung vermieden werden können.

5. Konservative Berechnungen

Konservative Abschätzung (3 Aspekte) der vermiedenen Emissionen puffert Unsicherheiten in der Quantifizierung (siehe 4.).

Nach einer erfolgreichen Hochmoorrenaturierung wächst nach einiger Zeit der Torf wieder, denn das Moor bindet wieder CO2 aus der Atmosphäre und speichert neues organisches Material dauerhaft. Die Senkenfunktion (neues Einbinden von Kohlenstoff) ergänzt die Speicherfunktion des Torfs (Fixierung von Kohlenstoff). Der neu gebundene Kohlenstoff ist schwierig zu quantifizieren und wird beim Standard max.moor ignoriert (1. Aspekt).

Auch die Quantifizierung der vermiedenen Emissionen ist konservativ, weil nur der Kohlenstoff der obersten 50 cm des Torfvorkommens berücksichtigt ist, obwohl Torfschichten mancherorts bis über 6 Metern messen und im drainierten Zustand der gesamte Torf im Laufe der Jahre abgebaut wird – je nach Topographie und klimatischen Bedingungen etwas schneller oder langsamer (2. Aspekt). Nur die obersten 50 cm zu betrachten senkt auch die Kosten, die anfallen wenn der Kohlenstoff genau berechnet wird, z.B. mit einem Oberflächenmodell, um den gesamten Torfkörper über das ganze Gelände zu eruieren. Vielmehr muss nur eine Torfschicht von 50 cm über die gesamte Fläche nachgewiesen werden.

Der Kohlenstoffgehalt des entwässerten Torfs ist ebenfalls konservativ geschätzt. Die Lagerungsdichte der obersten Torfschicht eines entwässerten Hochmoors ist - aufgrund der Torfsackung - deutlich höher, als diejenige von Torf eines ungestörten Hochmoors. Verdichteter Torf enthält mehr Kohlenstoff pro Kubikmeter. Für die Berechnung der vermiedenen Emissionen verwendet max.moor Mittelwerte von Lagerungsdichten aus ungestörtem Hochmoortorf (3. Aspekt).

Um die Einsparungsleistung nicht zu überschätzen, werden die oben genannten drei Aspekte nicht in der Berechnung von max.moor berücksichtigt.

 

6. Crediting

Das Crediting (Akkreditieren der verhinderten CO2-Emissionen) erfolgt ex ante (im Voraus).

Ex ante Crediting ist bei Kompensationsprojekten im Bereich Landnutzungsänderungen üblich, da oftmals, wie im Falle der Moorrenaturierung, eine einmalige, kostenintensive Anfangsinvestition nötig ist, dann jedoch die Unterhaltskosten sehr gering bis nicht existent sind.

Grundsätzlich könnte das Crediting auch ex post erfolgen. Eine ex post akkreditierte Einsparungsleistung wird nicht vor Abschluss der Validierung der verhinderten Emissionen verkauft. Ex ante Zertifikate hingegen werden verkauft, bevor diese eingespart sind – ein Monitoring ist dann wichtig, um die Einsparungsleistung nachträglich zu verifizieren.

7. Monitoring

Monitoring bestätigt die prognostizierte Einsparungsleistung.

Um sicherzustellen, dass der Kohlenstoff in den obersten 50 cm Torfschicht permanent gebunden ist, muss der Torf wassergesättigt sein. Beim Monitoring ist also der mittlere jährliche Wasserstand zu kontrollieren; dies bestätigt den Erfolg der baulichen Renaturierungsmassnahmen. Allerdings schwankt der mittlere Wasserstand eines natürlichen Hochmoors im Laufe eines Jahres (Mooratmung). Diese natürliche Mooratmung darf vom Wasserstand nicht unterschritten werden. 

8. Zertifizierung

Die Emissionseinsparung muss durch eine unabhängige Stelle geprüft und bestätigt werden.

Im Falle von max.moor übernimmt die an der WSL angesiedelte Projektleitung die Prüfung der Einsparungsleistung, indem sie die Projektberichte der Kompensationsprojekte und deren Berechnung der Einsparungsleistung verifiziert, bestätigt oder korrigiert.

 

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