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Wiederbesiedlung der Waldbrandfläche Leuk durch Insekten

 

Am 13. August 2003 brannte oberhalb von Leuk eine Waldfläche von rund 300 ha nieder. Zurück blieben verkohlte Stämme und eine dicke Schicht Asche. Als Teil einer grösseren Untersuchung zur Wiederbesiedlung der Fläche durch Flora und Fauna wird die Sukzession von wirbellosen Tieren in regelmässigen Abständen untersucht (=ökologische Resilienz).

Methode

Entlang von drei verschiedenen Höhenstufen (1200, 1450 und 1700 m ü.M.) wurden Transekte mit je drei Sektoren und sechs Fallenstandorten eingerichtet: zwei Standorte im Sektor Brandflächenmitte, zwei Standorte im Sektor Brandflächenrand (100-150 m vom Waldrand) und zwei Standorte im Sektor angrenzender Bestand. An jedem Standort werden eine Kombifalle (Kombination von passiver Flugfalle und Gelbschale) und eine Trichterfalle eingesetzt. Bis jetzt wurde die Fauna in den Jahren 2004, 2005, 2006, 2008 und 2013 beprobt. Das wöchentlich gesammelte Material wird nach verschiedenen taxonomischen Gruppen sortiert und bestimmt.

Erste Resultate

Im ersten Jahr 2004 wurden in den Fallen des untersten Transekts auf 1200 m Höhe insgesamt 13'432 Individuen gefangen. Die häufigsten Gruppen waren die Käfer (Coleoptera, 4'063 Individuen), Stechimmen (Aculeata, 3'853 Individuen), Zweiflügler (Diptera, 1'879 Individuen) und die Schlupfwespen (Terebrantes, 1'129 Individuen). 10'025 Individuen wurden funktionellen Gruppen zugeordnet: davon waren 50,2 % Bestäuber und 28,5% Räuber. Weniger zahlreich vertreten waren mit 11,9 % die Herbivoren (Pflanzenfresser), mit 8 % die Xylophagen (Holzfresser) und mit 1,4 % die Detritivoren (Zersetzer). Die höchsten Fangzahlen wurden am Rand der Brandfläche erreicht. Dabei zeigten die funktionellen Gruppen unterschiedliche Muster: Bestäuber, flugaktive Räuber, Herbivoren und Holzfresser waren deutlich häufiger am Rand und in der Mitte der Brandfläche als im angrenzenden Wald. Die bodenlebenden Räuber und Zersetzer hingegen fanden sich viel häufiger im intakten Wald. Ein Jahr nach dem Brand waren zahlreiche Wirbellose bereits sehr aktiv auf der Brandfläche, v.a. an deren Rand. Dort war das Feuer wahrscheinlich weniger intensiv. In Bezug auf die Fauna spielen Waldränder drei wichtige Rollen: 1) Als Übergangszone zwischen ungebrannten und gebrannten Habitaten; 2) als Übergangszone zwischen offenen und geschlossenen Habitaten; 3) als Durchgangszone für die Wiederbesiedlung der Brandflächen. Diese drei Komponenten führen dazu, dass Ränder von Brandflächen sehr reich an Individuen und auch an Arten sind. Solche Ökotone sind auch wichtig für Arten, die ihre Larvenentwicklung im Holz machen, als Adulttiere jedoch auf blütenreiches Offenland angewiesen sind (z.B. Bockkäfer).

Die offenen Brandflächen bieten Ressourcen für viele heliophile Pionier- und Ruderalarten wie auch für xylobionte (holzbewohnende) Arten. Beispiele hierfür sind der Mulmbock (Ergates faber) oder die Rotflüglige Schnarrschrecke (Psophus stridulus). Ähnliche Resultate wurden auch in Brandflächen in Tessiner Kastanien-Niederwäldern festgestellt.

Publikationen

  • Wohlgemuth, T., Duelli, P., Ginzler, C., Gödickemeier, I., Hadorn, S., Hagedorn, F., Küttel, P., Lüscher, P., Moretti, M., Schneiter, G., Sciacca, S., Wermelinger, B., 2005: Ökologische Resilienz nach Feuer: Die Waldbrandfläche Leuk als Modellfall. Schweiz. Z. Forstwes. 156: 345-352.
  • Wohlgemuth, T., Brigger, A., Gerold, P., Laranjeiro, L., Moretti, M., Moser, B., Rebetez, M., Schmatz, D., Schneiter, G., Sciacca, S., Sierro, A., Weibel, P., Zumbrunnen, T. & Conedera, M., 2010: Leben mit Waldbrand. Merkbl. Prax. WSL, 46, 16.
  • Wohlgemuth, T., Brigger, A., Gerold, P., Laranjeiro, L., Moretti, M., Moser, B., Rebetez, M., Schmatz, D., Schneiter, G., Sciacca, S., Sierro, A., Weibel, P., Zumbrunnen, T. & Conedera, M., 2010: Vivre avec les incendies de forêt. Not. prat. 46: 16 p.
  • Moretti M., De Cáceres M., Pradella C., Obrist M.K., Wermelinger B., Legendre P., Duelli P., 2010: Fire-induced taxonomic and functional changes in saproxylic beetle communities in fire sensitive regions. Ecography 33: 760-771
  • Pradella C., Wermelinger B., Obrist M.K., Duelli P., Moretti M., 2010: On the occurrence of five pyrophilous beetle species in the Swiss Central Alps (Leuk, Canton Valais). Mitt. Schweiz. Entomol. Ges. 83: 187-197.