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Instrumente zum Schutz des Kulturlandes: Ein Vergleich der Schweiz mit ausgewählten europäischen Ländern

Erscheinungsjahr
2018
Reihe
WSL Berichte 65
Umfang
81 Seiten
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Zusammenfassung

Mit der wachsenden Weltbevölkerung steigt auch der Bedarf an Nahrungsmitteln. Nicht nur die Produktivität, sondern auch die Flächen der Landwirtschaft haben in den vergangenen 30 Jahren weltweit zugenommen – allerdings oft auf Kosten tropischer Regenwälder, Moore und anderer empfindlicher Ökosysteme. In den Industrieländern hingegen nimmt die landwirtschaftliche Fläche in den letzten Jahrzehnten vielerorts ab. Das Kulturland wird überbaut oder nicht mehr bewirtschaftet, da es zu wenig Ertrag abwirft. Dieser Bericht untersucht, wie ausgewählte Länder ihre landwirtschaftlichen Flächen vor Überbauung schützen. Er stellt verschiedene Ansätze und Instrumente zum Schutz des Kulturlandes vor und diskutiert deren Umsetzung und Wirksamkeit. Daraus werden Stossrichtungen abgeleitet, wie sich der Schutz des Kulturlands in der Schweiz weiterentwickeln könnte. Als Methode wurde eine Kombination aus Literaturrecherche und Experteninterviews gewählt.

Die Resultate zeigen, dass in Europa zahlreiche Länder in Bezug auf Zersiedelung und Kulturlandverlust mit ähnlichen Herausforderungen wie die Schweiz konfrontiert sind. Die Instrumente der Länder zum Schutz des Kulturlandes unterscheiden sich aber deutlich voneinander. Dies ist unter anderem auf die nationalen Planungssysteme und die Kompetenzverteilung zwischen den Staatsebenen zurückzuführen. Die Recherchen zeigen, dass das Kulturland in den meisten europäischen Ländern durch eine Kombination unterschiedlicher Instrumente geschützt werden soll, wobei die Instrumente in fünf Gruppen eingeteilt werden können. Erstens enthalten raumplanerische und landwirtschaftspolitische Strategien, Leitbilder und Konzepte Hinweise zum Kulturlandschutz. Zweitens gibt es Länder wie Deutschland oder Österreich, die eine Zielvorgabe für den maximalen Flächenverbrauch durch Siedlungen und Infrastrukturen formulieren. Drittens beraten zum Beispiel in Frankreich und England spezielle Kommissionen die Behörden bezüglich Kulturlandschutz. Viertens werden verschiedene Typen landwirtschaftlicher Vorrangflächen ausgeschieden, um besonders fruchtbare Böden zu erhalten. Die fünfte Gruppe bewertet die Bodenfunktionen und bezieht diese in die raumplanerische Interessenabwägung ein. Während das Instrument der landwirtschaftlichen Vorrangflächen in nahezu allen untersuchten Ländern angewandt wird (bspw. in Deutschland, Österreich, Frankreich, Grossbritannien und Portugal), nimmt Deutschland beim Einbezug mehrerer Bodenfunktionen in den Planungsprozess eine Vorreiterrolle ein. In den Niederlanden wird das Kulturland vor allem durch die strikte Steuerung der Siedlungsentwicklung und der Freihaltung von Grünräumen geschützt. Auch in Frankreich beschäftigt man sich aktiv mit dem Kulturlandschutz. 2010 wurden verschiedene Neuerungen zur Erhaltung der Landwirtschaftsflächen in die französische Gesetzgebung aufgenommen.

Insgesamt weisen die Resultate daraufhin, dass Kulturland am effektivsten und langfristigsten geschützt wird, wenn mehrere, sich verstärkende und verbindlich verordnete Instrumente eingesetzt werden. Hochaufgelöste, flächendeckende Bodendaten stellen dabei eine zentrale Grundlage für eine qualifizierte räumliche Interessenabwägung dar. Zentrale Herausforderung ist insbesondere der Vollzug der Instrumente. Auf die Definition von klaren Zielen müssen verbindliche Regeln, konkrete Massnahmen und eine aktive Vollzugskontrolle folgen.

Abstract

The global population growth increases the demand for food. Not only agricultural productivity, but also the agricultural areas have globally increased in the last three decades, but often at the expense of tropical rainforests, peatlands, and other susceptible ecosystems. Conversely, in industrial countries the agricultural areas decrease due to urban and infrastructure development and land abandonment. This report explores the protection of agricultural areas against urban development in selected European countries. It shows different approaches and policy instruments to protect agricultural areas and examines their effects and effectiveness. It applies a combination of literature research and expert interviews.

The results point out that many European countries face similar challenges in relation to urban sprawl and loss of agricultural land. But the examined countries’ policy instruments to address these challenges differ considerably. The instruments are strongly connected to the national spatial planning systems and the distribution of competences among the administrative levels. The research shows that most countries try to achieve the protection of agricultural areas with a set of different instruments. Five types of instruments were found. First, there are government strategies and guidelines that refer to the protection of agricultural areas. Second, there are countries such as Germany or Austria that set a maximum for land consumption caused by urban development. Third, in some countries (for example France or England) advisory expert groups support the public authorities. Fourth, in most examined countries exist either on national or regional level some type of protected areas for agriculture. Fifth, some of the German and Austrian regions evaluate soil functions and include the results in planning decisions.

Altogether, the results suggest that a combination of well-coordinated, binding instruments that rely on a nationwide approach is most successful to protect agricultural areas. Instruments to steer urban development are as important as instruments of agricultural policy. Nationwide soil data with high resolution allow qualified spatial decisions. But nonetheless, the implementation of the instruments remains challenging. Hence the instruments to protect agricultural areas need clear goals and binding rules. The rules need to be monitored and actively supported by the responsible authorities.