Navigation mit Access Keys

Mangel an Totholz: Viele Insekten gefährdet

Hauptinhalt

 

Wurden die Wälder im 19. Jahrhundert noch vollständig geräumt, nimmt das Totholzvolumen in letzter Zeit wieder deutlich zu. Trotzdem geht der Bestand zahlreicher Totholz-Insekten weiter zurück.

 

Totholz und Habitatbäume (Bäume mit vielen Kleinstrukturen) gibt es in den Schweizer Wäldern heute viel weniger als in den noch existierenden vergleichbaren Urwäldern. Dort sind jeweils 20-50 % der Bäume in der Altersphase oder tot. Vor allem im 19./20. Jahrhundert wurden die Wälder vielerorts völlig ausgeräumt. Die Bäume erreichten nicht mehr ihr natürliches, lebensraumreiches Alter und das Totholz wurde als Brennholz für die Haushalte konsequent gesammelt. Seit etwa 1850 nimmt zwar die Waldfläche in der Schweiz stetig zu und beträgt heute rund ein Drittel der Landesfläche. Ebenso nimmt seit Mitte des 20. Jahrhunderts das Totholzvolumen durch die nachlassende Nutzungsintensität der Wälder wieder deutlich zu.

Doch trotz zunemender Totholzmenge geht der Bestand zahlreicher Totholz-Insekten immer noch weiter zurück.

Gründe dafür sind:

• die Nutzung der Bäume vor Erreichen ihrer Altersphase und damit das Fehlen von alten Habitbäumen,

• das Verschwinden von Uraltbäumen in halboffenen Wytweiden und Selven (zum Wald zählende Gebiete mit Weideland, Einzelbäumen und kleinen Waldstücken),

• das häufig immer noch konsequente Räumen von «Schadholz» nach Stürmen oder Waldbränden,

• das Fehlen von Totholz dicker Dimensionen in fortgeschrittenen Abbaustadien,

• die zunehmende Nutzung von Holz von geringer Qualität und kleinem Durchmesser als Energieholz

Genügend Totholz allein reicht jedoch nicht immer. Viele Bock- und Prachtkäfer entwickeln sich zwar in Totholz, sind aber als adulte Tiere auf Blütenpollen als Nahrung angewiesen.

Gefährdung

Etwa ein Viertel aller Käfererarten sind direkt oder indirekt auf Holz angewiesen, viele davon sind gefährdet. Europaweit werden fast 11 Prozent aller xylobionten (holzbewohnenden) Käfer als gefährdet eingestuft, in der Schweiz stehen 46 Prozent der Bock-, Pracht- und Rosenkäfer sowie der Schröter auf der Roten Liste. Viele der spektakulärsten xylobionten Käfer sind gefährdet, so der Alpenbock (Rosalia alpina), der Eichenbock (Cerambyx cerdo), der Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) und der Hirschkäfer (Lucanus cervus), entsprechend stehen diese Arten unter Schutz.