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Eschentriebsterben

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Durch das Eschentriebsterben und den sich vom Einschleppungsort Moskau weiter Richtung Westen ausbreitenden Eschenprachtkäfer ist die Esche als Baumart in Europa stark gefährdet.

 

Ein Verlust der Esche in den Schweizer Wäldern würde nicht nur die Baumvielfalt schmälern, sondern auch die allgemeine Biodiversität gefährden. Viele Insekten-, Tier- und Pilzarten sind auf die Esche oder auf die von ihr dominierten Waldgesellschaften spezialisiert.

Wie kann die Esche mit diesen beiden Bedrohungen umgehen? Hat die Esche als Baumart in unseren Wäldern überhaupt noch eine Zukunft?

Die WSL und insbesondere unsere Forschungseinheit Waldgesundheit und biotische Interaktionen ist an vorderster Front dabei, um diese Fragen zu beantworten. Unsere Forschung an Eschen und ihren Interaktionen mit invasiven Schadorganismen trägt dazu bei, den Eschenfortbestand in der Schweiz zu sichern.

 

Wir forschen nach toleranten Eschenarten

Um möglichst tolerante Eschenindividuen gegenüber dem Eschentriebsterben zu finden, haben wir in einer Umfrage von 2016/17 schweizweit nach gesunden Eschen gesucht und diese ausgewertet. Im Winter 2019 haben wir Triebe solcher Eschen im Feld geerntet und anschliessend gepfropft, um für die Experimente eine Vielzahl an Wiederholungen des gleichen Genotyps zu erlangen.

 

Wird es Eschen in der Zukunft noch geben?

In diesem Video berichtet Dr. Valentin Queloz, Forstpathologe der WSL, über die Problematik des Eschentriebsterbens in der Schweiz und gibt Auskunft über den momentanen Forschungsstand. Aktuell ist es von besonderem Interesse tolerante Eschenarten zu identifizieren.

 

In den Infektionsversuchen von 2020 (Infektionen in den Blattstengeln sowie im Stamm) mit dem Pilzerreger des Eschentriebsterbens haben wir 5 sehr tolerante Eschengenotypen gefunden. Diese Hoffnungsträger-Eschen stammen aus den Kantonen Graubünden, St. Gallen, Schwyz und Thurgau. Sie werden nun in weiteren Versuchen im Gewächshaus des Pflanzenschutzlabor der biologischen Sicherheitsstufe 3 gegenüber mehreren Pilzstämmen aus der Schweiz und aus Japan getestet. Diese weiteren Tests sind notwendig, um zu erkennen, ob die bisher toleranten Eschen auch gegenüber einer erneuten Einschleppung von Pilzstämmen aus dem Ursprungsraum tolerant sind. Siehe auch WSL-Magazin DIAGONAL 1/19: Nicht alle Bäume werden krank.

Alle 20 der im Feld ausgewählten Eschen (10 gesunde mit weniger als 25 % Kronenverlichtung und 10 erkrankte mit mehr als 50 % Kronenverlichtung) wurden zudem auch auf ihre Toleranz gegenüber dem Eschenprachtkäfer untersucht. Die Eschen unterschieden sich teilweise stark bezüglich Käfertoleranz. Interessanterweise waren die zwei käferanfälligsten Eschen (Standort Tuggen und Quarten) ebenfalls anfällig gegenüber dem Eschentriebsterben. Gleichzeitig wiesen pilzresistentere Eschen derselben Standorte ebenfalls eine erhöhte Käferresistenz auf. Obwohl noch nicht vollständig ausgewertet, geben diese ersten Resultate Grund zur Hoffnung. Zeigen sie doch auf, dass gewisse Eschen möglicherweise gleichzeitig eine erhöhte Toleranz gegen das Eschentriebsterben und den Eschenprachtkäfer aufweisen können.

  

Wir suchen nach Gegenspielern des Eschentriebsterbens und des Eschenprachtkäfers

Im Rahmen eines EU-Projektes, untersuchen wir an der WSL das Vorkommen von Pilzviren in japanischen Isolaten von H. fraxineus. Die Wahrscheinlichkeit, geeignete Pilzviren gegenüber dem Eschentriebsterben zu finden, ist im Ursprungsgebiet des Krankheitserregers am Grössten. Mit Hilfe von sogenannten metagenomischen Analysen konnten wir fünf unterschiedliche RNA Viren nachweisen und zwar ein Botybirnavirus, ein Partitivirus, ein Endornavirus, ein unbekannter RNA Virus und ein Mitovirus. Diese Viren werden zurzeit in unserem Pflanzenschutzlabor an der WSL genauer charakterisiert.

Zusätzlich planen wir, verschiedene käferparasitierende Wespen auf ihre Eignung zur biologischen Kontrolle des Eschenprachtkäfers zu untersuchen. Es sind sowohl Verhaltensstudien als auch Umweltverträglichkeitsprüfungen geplant. Unser Ziel ist es, geeignete Wespenarten zu identifizieren, die in Zukunft zur Bekämpfung des Eschenprachtkäfers in Schweizer Wäldern eingesetzt werden könnten.

 

Wir bedanken uns bei

Durch die finanzielle Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt in den Projekten SURVIVASH, RESISTASH (Kollaboration: IAP), ViroSearch und ParaSearch (Kollaboration: CABI), dem Schweizer Nationalfonds für das Projekt DEFENDASH (Beitrag Nr. 310030_189075/1), dem SwissForestLab für BIPAGD und dem EU-Projekt HOMED konnten all diese Arbeiten an der WSL durchgeführt werden. Für die Filme danken wir WaldSchweiz und Joanna Wierig.

 

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