[WSL] Forschung Dienstleistungen Neues

Otto Ulrich Bräker
WSL CH-8903 Birmensdorf
Professur Forsteinrichtung und Waldwachstum ETH Zürich
Skript: Prof. Dr. Peter Bachmann
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Inhalt Script:
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen des Waldwachstums
3 Wachstum des einzelnen Baumes
4 Bestandeswachstum
5 Beeinflussung des Baum- und Bestandeswachstums
6 Wachstumsmodelle
7 Entwicklung im Forstbetrieb
Literaturverzeichnis
Glossar
Repetitorien
Lösungen

Waldwachstum I/II
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41 Einleitung
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siehe dazu auch Überblick der Einflüsse und Prozesse zum Bestandeswachstum



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In Kapitel 4 wird die Entwicklung charakteristischer Grössen im Bestand untersucht. Anders als in Kapitel 3 interessieren uns nicht in erster Linie die einzelnen Individuen, sondern das Kollektiv, das wir über Summen- und Mittelwerte, die statistische Verteilung der Grössen usw. zu beschreiben versuchen.

Die einzelnen Bäume im Kollektiv sind nicht identisch; sie unterscheiden sich

  • nach Dimension, Form, Qualität, Krone
  • in der Stellung zu den Nachbarbäumen
  • nach Vitalität und Entwicklungstendenz.

Damit sich die einzelnen Bestände besser beschreiben lassen, wurden Einteilungssysteme entworfen, um die Bäume verschiedenen Baumklassen zuteilen zu können.

Im Versuchswesen, vor allem in gleichförmigen Beständen und besonders in Deutschland, sind die Baumklassen von KRAFT (1884) wichtig. KRAFT kombiniert die soziale Stellung mit dem Grad der Kronenausbildung, um so Klassen gleicher Wuchsenergie zu erhalten. (Vgl. SCHUETZ 1988: Vorlesung Waldbau I, Kapitel 2.2.3.1; ASSMANN 1961, S. 83/84, KRAMER 1988, S. 77).

Abb. 41.1: Baumklassen von KRAFT 1984, nach ASSMANN 1961, S. 83.

1 Vorherrschende Bäume* mit ... kräftig entwickelten Kronen
2 Herrschende, in der Regel den Hauptbestand bildende Bäume* mit verhältnismässig gut entwickelten Kronen
3 Gering mitherrschende Bäume* mit noch ziemlich normalen, aber verhälnismässig schwach entwickelten und eingeengten Kronen
4 Beherrschte Bäume* mit mehr oder weniger verkümmerten, einseitig entwickelten oder zwei- und mehrseitig zusammengedrückten Kronen
4a zischenständige, ... schirmfreie, meist eingeklemmte Kronen
4b teilweise unterständige Kronen
5 Ganz unterständige Bäume*
5a mit lebensfähigen Kronen
5b mit absterbenden oder abgestorbenen Kronen
* = ursprünglicher Begriff "Stämme"

In ungleichförmigen Beständen sind die Baumklassen von KRAFT nicht anwendbar. Gut geeignet ist die IUFRO-Klassifikation (International Union of Forest Research Organizations), welche auf Vorschlägen LEIBUNDGUT’s 1965 basiert und eine Weiterentwicklung der Baumklassen nach SCHAEDELIN 1931 darstellt. (Vgl. SCHUETZ 1988: Vorlesung Waldbau I, Kapitel 2.2.3.2; KRAMER 1988, S. 78).

soziologische
Stellung

Höhenklassen

100
200
300

Oberschicht (h > 2/3 hdom)
Mittelschicht
Unterschicht (h < 1/3 hdom)

Vitalitätsklassen

10
20
30

Üppig entwickelte Bäume
normal entwickelte Bäume
kümmerlich entwickelte Bäume

Entwicklungstendenz

1
2
3

vorwachsende Bäume
mitwachsende Bäume
zurückbleibende Bäume

Wertklassen
(ökonomische Kl.)

Waldbaulicher Wert

400
500
600

Auslesebäume
nützliche Nebenbäume
schädliche Nebenbäume

Schaftgüte

40
50
60

Wertholz ( ≥ 50 % wertholztauglich)
Normalholz ( ≥ 50 % den Normalanspr. genügend)
Fehlerholz

Kronenlänge

4
5
6

langkronig (> 1/2 h)
mittelkronig (1/4 bis 1/2 h)
kurzkronig (< 1/4 h)

Neben der Klassierung einzelner Bäume ist die Charakterisierung der Bestände wichtig. Wesentliche Merkmale sind Betriebsart, Entwicklungsstufe, Struktur, Textur und Schlussgrad.

Als Bestand bezeichnen wir einen Waldteil, der sich durch seine Baumartenzusammensetzung, sein Alter usw. von seiner Umgebung wesentlich unterscheidet. Er ist so gross, dass eine selbständige, langfristige Zielsetzung möglich ist ( > 50 Aren). Der Bestand bildet in der Regel die kleinste Inventur- und Planungseinheit. Die Bäume eines Bestandes schützen sich gegenseitig gegen verschiedene Einwirkungen, sie stehen aber auch in gegenseitiger Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe.

Betriebsart (régime, governo)

H

Hochwald

haute futaie

alto fusto (fustaia)

P

Plenterwald oder plenterähnlicher Wald

forêt jardinée ou haute futaie à caractère jardinée

bosco disetaneo o bosco disetaneiforme

M
M+
M-
(M)

Mittelwald
reich an Ueberhältern
arm an Ueberhältern
in Ueberführung

taillis sous futaie
riche en baliveaux
pauvre en baliveaux
en conversion

ceduo composto
ricco di riserve
povero di riserve
in conversione indiretta

N
(N)

Niederwald
in Ueberführung

taillis
en conversion

ceduo
in conversione indiretta

Entwicklungsstufe (état de développement, stadio di sviluppo)

A

Ansamung: h < 20 - 30 cm (semis, sementazione)

J

Jungwuchs: h < 1.3 m (recrû [naturel], novelleto) (K = Kultur, plantation, piantagione [posticcia])

D

Dickung: ddom < 10 cm (fourré, spessina)

S1

schwaches Stangenholz: 10 < ddom < 20 cm (bas-perchis [gaulis], perticaia bassa)

S2

starkes Stangenholz: 20 < ddom < 30 cm (haut-perchis, perticaia alta)

B1

schwaches Baumholz: 30 < ddom < 40 cm (jeune futaie, fustaia giovane)

B2

mittleres Baumholz: 40 < ddom < 50 cm (futaie moyenne, fustaia adulta)

B3

starkes Baumholz: ddom > 50 cm (vieille futaie, fustaia matura)

Struktur (structure, struttura)
  • Horizontaler Schluss, gleichförmiger Bestand (fermeture horizontale, peuplement régulier; chiusura horizontale, popolamento uniforme)
  • Vertikaler Schluss, ungleichförmiger Bestand (fermeture étagée, peuplement irrégulier; chiusura verticale, popolamento irregolare)

Textur, Mischung (texture, mélange; tessitura, mescolanza)
  • Reinbestände (peuplements purs, soprassuolo puro [monospecifico])
  • Mischbestände (peuplements mélangés, soprassuolo misto)
  • Mischungsart (genre de mélange, genere della mescolanza)
  • Mischungsgrad (degré du mélange, grado di mescolanza)
  • Mischungsform (forme de mélange, forma della mescolanza)

e
t
g
h

einzeln (individuel, intime; per singolo albero)
truppweise: bis 5 Bäume im Baumholz (touffe, ciuffo)
gruppenweise: 5-10 Aren (groupe, gruppo)
horstweise: 10-50 Aren (bouquet, boschetto)

Bestandesschluss

  • Bestockungsgrad (degré de plénitude, densità dell’aggregato)
    Verhältnis der tatsächlichen Grundfläche zu jener der Ertragstafel
  • Beschirmungsgrad (degré de couverture, grado di copertura)
    Summe der Kronenschirmflächen geteilt durch Bestandesfläche
  • Deckungsgrad (degré de recouvrement, grado di insidenza)
    Summe der Kronenprojektionsfläche geteilt durch Bestandesfläche (≤ 1.0)
  • Schlussgrad (degré de fermeture, grado di chiusura)
    Definitionen siehe SCHUETZ 1988: Waldbau I, Kapitel 2.2.5.1.

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Affiliation:
Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research
Section for Silvicultural strategies
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