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Otto Ulrich Bräker
WSL CH-8903 Birmensdorf
Professur Forsteinrichtung und Waldwachstum ETH Zürich
Skript: Prof. Dr. Peter Bachmann
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen des Waldwachstums
3 Wachstum des einzelnen Baumes
4 Bestandeswachstum
5 Beeinflussung des Baum- und Bestandeswachstums
6 Wachstumsmodelle
7 Entwicklung im Forstbetrieb
Literaturverzeichnis
Glossar
Repetitorien
Lösungen

Waldwachstum I/II
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48 Wertentwicklung
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Als Wert eines Bestandes wird normalerweise der erntekostenfreie Erlös je Hektare bezeichnet. Für den verbleibenden Bestand wird der so ermittelte Betrag umso realistischer, je älter der Bestand, je näher der Zeitpunkt seiner Verjüngung ist.

Die Bestandeswert-Entwicklung verläuft ähnlich wie jene des Bestandesvolumens. Der Wertzuwachs kulminiert später als der Volumenzuwachs, weil Sortimentsverbesserungen nach der Kulmination des Volumenzuwachses weitere Wertsteigerungen zur Folge haben (vgl. Abb. 48.8 mit Abb. 47.7).

Im Unterschied zur Wertentwicklung des Einzelbaumes erfolgt jene des Bestandes ohne Sprünge (Ausgleich durch das Kollektiv). Wegen der Stammzahlabnahme kulminiert der Bestandeswertzuwachs viel früher als der Wertzuwachs des Einzelbaumes.

Im folgenden sollen einige Gesetzmässigkeiten festgehalten werden:

  • der Wertzuwachs ist stark von der Bonität abhängig; er wird nicht nur vom Volumenzuwachs beeinflusst, sondern zusätzlich durch den mit abnehmender Bonität geringer werdenden Anteil starker = wertvoller Sortimente (Abb. 48.1)
  • der Kulminationspunkt des durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachses wird umso früher ereicht, je besser die Bonität ist (Abb. 48.1 und Abb. 48.8)
  • die Wertleistung ist je nach Baumart (je nach Wertschätzung des Holzes und Anteil hochwertiger Sortimente) sehr verschieden; Nadelbäume sind bei schlechter und mittlerer Qualität den Laubbäumen weit überlegen (Abb. 48.2)
  • je schlechter die Qualität bei gleichbleibender Baumart und Bonität ist, desto später kulminiert der Wertzuwachs (der Einfluss geringwertiger schwacher Sortimente wird erst später ausgeglichen); die Unterschiede sind frankenmässig gross, zeitlich aber relativ gering
  • hängt die Qualität massgebender Sortimente vom Alter ab, zum Beispiel bei Eichen-Furnierholz, so kann bessere Qualität auch ein späteres Kulminieren des Wertzuwachses zur Folge haben (Abb. 48.3)
  • mit dem Alter zunehmende Schäden reduzieren die Wertleistung und bewirken ein früheres Kulminieren des Wertzuwachses (Abb. 48.4)
  • zwischen dem laufenden jährlichen Wertzuwachs und der Basalfläche lassen sich baumartenweise sehr straffe Abhängigkeiten nachweisen; damit lassen sich Ergebnisse aus Probeflächen einigermassen auf Bestände übertragen, sofern deren Basalflächenanteile nach Baumarten bekannt sind (Abb. 48.5)
  • die stärksten Bäume leisten einen so hohen Anteil am gesamten Wertzuwachs, dass sich Wertzuwachsuntersuchungen durchaus auf sie beschränken könnten (Abb. 48.6).

Abb. 48.1: Wertzuwachs von Tanne, durchschnittliche Qualität, Langholzsortierung, Preise/Kosten Mittelland 1982/83, Oberhöhenbonität im Alter 50 Jahre (nach BACHMANN 1986). Unterbrochene Linie = laufender, ausgezogene Linie = durchschnittlicher jährlicher Wertzuwachs.

Abb. 48.2: Wertzuwachs verschiedener Baumarten auf einem guten Mittellandstandort (Oberhöhenbonität im Alter 50 Jahre), durchschnittliche Qualität, Nadelbäume Langholzsortierung, Preise/Kosten 1982/83 (nach BACHMANN 1986).

Abb. 48.3: Einfluss unterschiedlicher Furnierholzanteile auf den Wertzuwachs (nach BACHMANN 1986). Die %-Werte geben den Anteil 1.Klass-Stämme an, welche auf den untersten 4m Furnierqualität aufweisen (Mehrwert Fr. 800.- /Efm).

Abb. 48.4: Beeinflussung des Wertzuwachses und des Verjüngungszeitpunktes durch Rotfäule bei Fichte, Bonität 24 (hdom 50 J.), Langholzsortierung, Preise/Kosten Mittelland 1982/83. Im Alter von 70 bis 100 Jahren nimmt der Anteil rotfauler Stämme von 30% auf 80%, die Entwertung durch Fäule von 1m auf 4m Stammlänge zu (nach BACHMANN 1986).

Abb. 48.5: Abhängigkeit des baumartenweisen periodischen Wertzuwachses (in Franken pro Probefläche von 4a in 10 Jahren) von der Basalfläche pro Baumart am Ende der Periode, für verschiedene Auswerteeinheiten (dreistellige Zahl in Klammern, vergl. Bestandestypen in Abb. 48.9) in Oberwil und Wahlern (nach BACHMANN 1986).

Abb. 48.6: Relative Volumen- und Wertzuwachsanteile der vier stärksten Bäume pro Probefläche (entsprechend den 100 stärksten Bäume je ha) in drei Auswerteeinheiten von Oberwil und Büren (nach BACHMANN 1986).

Die Kentnis des Wertzuwachsverlaufes ist vor allem für die Bestimmung des Verjüngungszeitpunktes wichtig.

Unter idealen Bedingungen - richtige Baumarten- und Provenienzwahl, bestmögliche waldbauliche Behandlung und optimale Verjüngung - entspricht der ökonomische Verjüngungszeitpunkt dem Zeitpunkt der Kulmination des durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachses (Fall 1 in Abb. 48.7). Dieser maximale durchschnittliche Wertzuwachs eines Idealbestandes wird auch als Ertragsfähigkeit des Standortes bezeichnet.

Je nach Ausnützung der Ertragsfähigkeit durch die vorhandenen Bestände ergeben sich verschiedene Verjüngungszeitpunkte (Abb. 48.7). Für verschiedene Baumarten und Bonitäten sind die modellhaft berechneten Verjüngungszeitpunkte in Tab. 48.8 zusammengestellt.

Abb. 48.7: Ökonomischer Verjüngungszeitpunkt von Beständen mit unterschiedlicher Ausnützung der Ertragsfähigkeit (nach LEIBUNDGUT 1981, in BACHMANN 1986).

Abb. 48.8: Verjüngungszeitpunkt für Reinbestände guter Qualität, gestützt auf die Ertragstafeln BADOUX (Bonität hdom 50 J.). Resultate ausserhalb des Altersrahmens der Ertragstafel in Klammer (nach BACHMANN 1986).

In Abb. 48.9 sind die Grundlagen für die Bestimmung des Verjüngungszeitpunktes in einem konkreten Wald dargestellt.

  • Wegen Unsicherheiten bei den Grundlagen ist die Ertragsfähigkeit nicht als fester Wert, sondern als Streuband eingezeichnet
  • die Wertzuwachsberechnung erfolgte über Kontrollstichproben bei der Zweitaufnahme; die Anzahl der Probeflächen ist ungefähr proportional zur Fläche
  • am dringlichsten zu verjüngen sind vorratsarme Bestandestypen (..3)
  • der Zeitpunkt der Einleitung der Verjüngung richtet sich nach der Höhe des laufenden jährlichen Wertzuwachses, wobei dessen Standardabweichung, die Dauer des speziellen Verjüngungszeitraumes und die Flächenausdehnung zu berücksichtigen sind.

Die Bestandestypen sind wie folgt charakterisiert:

Entwicklungsstufe 4.. mittleres Baumholz ddom 35-50 cm
  5.. starkes Baumholz ddom > 50 cm
Mischungsgrad .1. £ 20 Volumen-% Laubbäume
  .2. 20-80 Volumen-% Laubbäume
  .3. ³ 80 Volumen-% Laubbäume
Vorratshöhe ..1 > 625 Tfm / ha
  ..2 375-625 Tfm / ha
  ..3 <375 Tfm / ha

Abb. 48.9: Wertzuwachs nach Kontrollstichproben für 1973/83 im Vergleich zur Ertragsfähigkeit im Burgerwald Oberwil/BE (nach BACHMANN 1986).


Querverbindungen

Kapitel 37, Qualität und Wert
Vorlesung Waldbau II, Kapitel 2.2 (Seiten 2.2a/n)

Literatur

BACHMANN P 1968: Untersuchungen zur Wahl des Verjüngungszeitpunktes im Waldbau. Diss. ETH, 108 S.

BACHMANN P 1986: Produktionssteigerung im Wald durch vermehrte Berücksichtigung des Wertzuwachses. Schlussbericht im Rahmen des NFP 12 "Holz", 106 S. (unveröffentlicht, erscheint 1990 als Bericht der WSL).

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