Tintenkrankheit der Edelkastanie

Phytophthora cambivora und P. cinnamomi

Baumarten

Edelkastanie

Baumarten (lat.)

Castanea sativa

Symptome

Der Baum hat schüttere Belaubung, die Blätter sind klein und oft vergilbt, meist ist die ganze Krone betroffen (Abb. 1). An der Stammbasis ist das Holz unter der Rinde, von den Wurzeln aufsteigend, flammenartig schwarz verfärbt (Abb. 2).
Die betroffenen Edelkastanien sterben innerhalb von 2 bis 3 Vegetationsperioden ab. Bei Stockausschlägen sind alle Sprosse betroffen.

Ursache, Zusammenhang

Phytophthora cambivora und P. cinnamomi sind bodenbewohnende niedere Pilze, die sich mit Zoosporen verbreiten. Die Verbreitung der Zoosporen erfolgt mit Bodenwasser, Rinnsalen und Bächen. Mit Dauersporen (Chlamydosporen) können die Pilze auch Trockenperioden überleben. Es besteht die Gefahr, dass die Pilze mit Erde, die an Schuhen, Werkzeugen und Fahrzeugen haftet, verschleppt wird. Aeusserlich gesunde Jungpflanzen aus Baumschulen können latent infiziert sein und zur Kranheitsverbreitung beitragen.
Gefährdet sind Bäume mit einem geschwächten Wurzelwerk in staunassen Böden, aber auch nach starker Trockenheit, bei der viele Feinwurzeln absterben.

Verwechslungsmöglichkeiten

Kastanienrindenkrebs: Bei einem Krebsbefall sterben einzelne Aeste innerhalb einer Vegetationsperiode ab, die Blätter haben meist eine normale Grösse. Verdorrte Blätter bleiben noch lange hängen. Bei Stöcken sind nicht alle Sprosse betroffen.
Sprühfleckenkrankheit: Es sind nur die Blätter betroffen. Auf den Blätter entwickeln sich viele kleine, helle Punkte. Die Bäume vergilben und die Blätter fallen vorzeitig ab.

Gegenmassnahmen

Prävention: Uebertragung von Erde aus befallenen Beständen in gesunde ist unbedingt zu vermeiden. Zum Pflanzen sollte nur gesundes Pflanzmaterial verwendet werden. Pflanzen von Edelkastanien in verseuchte Böden ist zu unterlassen.
Mit Drainage sollte Staunässe verhindert werden und fliessendes Wasser sollte kanalisiert werden. Tiefe Bodenbearbeitung, die die Wurzeln verletzen könnte, ist zu vermeiden.
Mit einem Graben zwischen infizierten und gesunden Bäumen kann die Ausbreitung der Krankheit verhindert werden (Achtung: Wurzelverletzungen vermeiden!).

Bekämpfung: Fällen der betroffenen Bäume und der Nachbarbäume, Entfernen der Stöcke und des Wurzelsystems. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Erde nicht verschleppt wird. Verbrennen von Wurzeln und befallenem Holz. Ausserhalb des Waldareals kann infizierter Boden mit einem Fungizid gegen niedere Pilze (falscher Mehltau) behandelt werden (z. B. Ridomil) (Achtung Anwendungsvorschriften beachten, siehe Verzeichnis Pflanzenbehandlungsmittel).


Ursula Heiniger, letzte Änderung 05-OCT-12
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Abb. 1: Die Tintenkrankheit zeigt sich in schütterer Belaubung, Kleinblättrigkeit und Vergilbung.

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Abb. 2: Unter der Rinde ist das Kambium, von der Wurzel ausgehend, schwarz verfärbt.