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Inwertsetzung von Freizeit und Erholung im Wald

 

Im Waldprogramm Schweiz wurde beschlossen, dass sich die öffentlichen Finanzhilfen bei der Waldbewirtschaftung längerfristig auf die Bereitstellung von Schutzleistungen und die Erhaltung bzw. Förderung der Biodiversität beschränken sollen (Projektleitung WAP-CH und BHP - Brugger&Partner, 2004 S. 59). Daher wird es für die Waldbewirtschafter immer wichtiger werden, auch andere Leistungen in Wert zu setzen. Dazu bieten sich vor allem bisher nicht abgegoltene Erholungs- und Umweltleistungen an. In diesem Projekt wird auf die Erholungsleistungen eingegangen. In der Schweiz wurden Grundlagen zur Marktfähigkeit von forstbetrieblichen Leistungen im Projekt VAFOR der Eidg. Forstdirektion/BUWAL erarbeitet (Dürrstein und Weber, 1997, Guntern und Guntern, 1998). Es ist jedoch unklar, ob und wie eine solche Vermarktung heute in der Schweiz umgesetzt ist, also für welche bestehenden Produkte und Güter oder auch neu angebotene Abgeltungen gezahlt werden und auf welchem Weg und mit welchen Partnern dies geschieht.

Projektziele

  1. Es erfolgt ein aktueller Überblick über existierende innovative Modelle für die Abgeltung von Freizeit- und Erholungsgütern des Waldes für die Schweiz.
  2. Diese Modelle werden systematisch gegliedert (s.o.). Dies erlaubt den interessierten Waldeigentümern eine Orientierung darüber, welche Modelle sich für ihre konkrete Situation anbieten.
  3. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in der forstlichen Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Wissenschaftliche Methoden

Literaturstudium

  1. Erhebung der Adressen von Modellbetrieben mit 3 bzw. 4 Verfahren: 1. Aufruf zur Teilnahme in "Wald und Holz" (Selbstselektion), 2. Ermittlung von BAR-Betrieben mit Einnahmen aus Bereitstellung gemeinwirtschaftlicher Leistungen, 3. bekannte Beispiele werden direkt angefragt, 4. (evtl.) Kantonsforstdienste werden um Nennung von relevanten Betrieben gebeten. Bei allen Verfahren wird die Nominationstechnik angewendet, d.h. die Betriebe werden um Nennung weiterer Beispiele gebeten.
  2. Schriftliche Befragung von Modellbetrieben (Fragebogen mit geschlossenen und offenen Fragen) mit Auswertung.
  3. Systematisierung der Inwertsetzungsmodelle und deren Ausgangsbedingungen.

Stand der Kenntnisse

In der forstlichen Fachliteratur finden sich seit Ende der 1960er Jahre zahlreiche Studien zur Bewertung nicht-marktlicher Güter, die der Wald bereitstellt (z.B. für Walderholung Schelbert et al., 1988, Nielsen, 1991, Elsasser, 1996). In der Praxis konnte eine Abgeltung von Infrastrukturleistungen (noch) nicht etabliert werden. Es gibt jedoch eine Reihe von Einzelbeispielen für die Inwertsetzung von Freizeit- und Erholungsleistungen (Guntern und Guntern, 1998, für Fallbeispiele aus Österreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden siehe Mantau et al., 2000, Mantau et al., 2001). In der Schweiz wurden Grundlagen zur Marktfähigkeit von forstbetrieblichen Leistungen im Projekt VAFOR der Eidg. Forstdirektion/BUWAL erarbeitet (Dürrstein und Weber, 1997, Guntern und Guntern, 1998). Im benachbarten Ausland wurde im Jahre 2000 das EU FAIR 1-Projekt mit dem Namen "RES - Niche Markets for Recreational and Environmental Goods and Services from multiple Forest Production Systems" abgeschlossen und ausführlich dokumentiert (Mantau et al., 2001).

Bedeutung für Praxis und Forschung

Das Projekt soll einen Überblick über derzeit existierende, erfolgreiche Modelle für partnerschaftliche Modelle zur Bereitstellung von Freizeit- und Erholungsleistungen im Wald liefern und theoretische Grundlagen (v.a. eine Systematisierung) für eine vermehrte Anwendung solcher Inwertsetzungs-Lösungen bereitstellen. Beides dient Forstbetrieben bei der Implementation und Entwicklung neuer Einkommensquellen. Solche Einkommensquellen sind für die Betriebe von grosser Bedeutung, da gemäss WAP und Entlastungsprogramm 03 die öffentlichen Beiträge für die Waldpflege stark reduziert werden, und die Betriebe daher auf andere Einnahmequellen oder eine - gesellschaftlich häufig unerwünschte - Reduktion ihrer Leistungen angewiesen sein werden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist interessant, welche Formen der Inwertsetzung dieser positiven externen Effekte der Waldbewirtschaftung eine Internalisierung erfahren haben und welche Institutionen sich dabei gebildet haben.

Literatur

  • Dürrstein, H.; Weber, B. 1997. Bewertung und Honorierung von Waldleistungen (VAFOR). Orientierungshilfe. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL): Bern, 52 S.
  • Elsasser, P. 1996. Der Erholungswert des Waldes. Monetäre Bewertung der Erholungsleistung ausgewählter Wälder in Deutschland. Schriften zur Forstökonomie Bd.11. Sauerländer: Frankfurt am Main, 218 S.
  • Guntern, B.; Guntern, E. 1998. Überprüfung der Marktfähigkeit von forstbetrieblichen Leistungen. Praxishilfe. Ein Beitrag zur Bewertung und Honorierung von Waldleitungen (VAFOR). Vollzug Umwelt. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL): Bern, 122 S.
  • Mantau, U.; Merlo, M.; Sekot, W.; v. Vliet, K. 2000. Case-Study-Report. RES - Niche Markets for Recreational and Environmental Goods and Services from multiple Forest Production Systems.
  • Mantau, U.; Merlo, M.; Sekot, W.; Welcker, B. 2001. Recreational and environmental markets for forest enterprises. A new approach towards marketability of public goods. CAB International: Wallingford, 541 S.
  • Nielsen, C. 1991. Der Erholungswert stadtnaher Wälder im Kanton Tessin eine ökonomische Analyse am Beispiel von Lugano. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL): Bern, 50 S.
  • Projektleitung WAP-CH; BHP - Brugger&Partner 2004. Waldprogramm Schweiz (WAP-CH). Schriftenreihe Umwelt Nr. 363. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL): Bern, 117 S.
  • Schelbert, H.; Lang, T.; Buse, I.; Heinzmann, J.; Maggi, R.; Iten, R.; Nielsen, C. 1988. Wertvolle Umwelt: Ein wirtschaftswissenschaftlicher Beitrag zur Umwelteinschätzung in Stadt und Agglomeration Zürich. Schriftenreihe Wirtschaft und Gesellschaft. Zürcher Kantonalbank: Zürich, 90 S.