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Präferenzen für die Landschaft in der Region Greifensee

 

Gesellschaftliche Kosten/Nutzen aktueller und alternativer Landnutzungen in einer dicht besiedelten Mittellandregion mit überregionaler Erholungsfunktion

 

Problemstellung

In der Schweiz bestehen für die BürgerInnen vielfältige Möglichkeiten, die landschaftswirksamen Politiken mitzugestalten. Direkt-demokratische Entscheide betreffend Gewässerschutz, Landwirtschaft, Natur- und Heimatschutz und Raumplanung setzten in den letzten Jahren Eckpfeiler der Politik und beeinflussen die Zielsysteme von ParlamentarierInnen und Verwaltungen. Dennoch wissen wir wenig darüber, inwiefern das derzeitige Landschafts-Management in der Lage ist, die Landschaft entsprechend den Präferenzen der Bevölkerung zu gestalten. Die heutige Landschaft ist das Produkt einer historischen Entwicklung, in der zahlreiche einzelne adaptive Politikentscheide aus jeweils beschränktem Gestaltungsspielraum heraus erfolgten. Insbesondere die demographische Entwicklung in stadtnahen Regionen und Fragen der Integration der Agrarpolitik in Konzepte zur Landschaftsentwicklung erfordern heute eine Überprüfung der Landnutzung hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Optimalität im Sinne einer Allokation der Flächen auf die gesellschaftlich höchstbewerteten Nutzungen.

Projektziele

Das Projekt verfolgt zwei übergeordnete Ziele:

  1. Schätzung der individuellen Präferenzen für Landnutzungsalternativen im dicht besiedelten Mittelland (Kanton Zürich) anhand der Region Greifensee (Landschaftsszenarien 2020) in Form monetärer Masse (Zahlungsbereitschaft).
  2. Bestimmung der gesellschaftlichen Nutzen von Veränderungen in der Zusammensetzung der Flächennutzung im Nicht-Siedlungsgebiet der Projekt-Region.

Wissenschaftliche Methoden

Attribut-basierte statistische Modellierung des Auswahlverhaltens

  • Die gesuchten Präferenzen für Landnutzungsalternativen werden Mittels einer als Choice Experiment bezeichneten Variante der Conjoint-Analyse erfasst. Choice Experimente gehen von der Idee aus, dass jedes (Umwelt-)Gut aufgrund von Attributen und Attribut-Ausprägungen charakterisiert werden kann.

Anwendung von Choice Experimenten auf die Landschaftsbewertung

  • Der spezifische Vorteil von Choice Experimenten im Zusammenhang mit der Bewertung von Landnutzungs-Alternativen liegt in der Möglichkeit, einzelne Attribute und Attributkombinationen zu bewerten, die eine Landschaft aufweist. Attribute sind im vorliegenden Projekt insbesondere Anteile verschiedener Flächennutzungen in der Landschaft. So können etwa anhand des (Haupt-)Effekts für eine Variable "Anteil ökologischer Ausgleich" Aussagen darüber gemacht werden, wie gross die marginale Zahlungsbereitschaft (z.B. in Form einer Steuer) für eine Erhöhung des Anteils dieser Flächen in der Region ist.

Stand der Kenntnisse

Die ökonomische Forschung zum Thema "Präferenzen für die Landschaft" ist primär der Frage einer optimalen Allokation zwischen jeweils zwei alternativen Landnutzungen nachgegangen (z.B. Lopez et al. 1994, Brunstad et al. 1999). Im Fall der traditionellen europäischen Kulturlandschaften sind die Benefits der Ressource Landschaft jedoch komplizierter (Roschewitz 1999, Schläpfer und Hanley 2001, Randall 2002, OECD 2002, Günter et al. 2002). Sie enthält als wichtige Argumente Flächenanteile verschiedenster Landschaftselemente sowie deren räumliche Anordnung. Mit dem heutigen Direktzahlungssystem der Schweizerischen Agrarpolitik wird man - beschränkt auf die landwirtschaftliche Fläche - der Forderung nach einer Vielfalt an Landschaftselementen prinzipiell gerecht. Dennoch ist weitgehend unbekannt, ob in einer jeweiligen Region der heutige relative Anteil einer Nutzung i an der regionalen Gesamtfläche (bei gegebenen gesellschaftlichen Kosten pi von i) den Präferenzen entspricht. Auf einer qualitativen Ebene liegen Kenntnisse über den Wert der Landschaft in der Region Greifensee bereits vor (Alig 2001). Im vorliegenden Projekt werden demgegenüber Präferenzen der Bevölkerung anhand eines umweltökonomischen Bewertungsansatzes quantitativ erfasst.

Bedeutung für Praxis und Forschung

Bedeutung für die Praxis

Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen zur Ausrichtung des agrarpolitischen DZ-Systems an den Präferenzen der Bevölkerung.

Bedeutung für die Forschung

Die Projektergebnisse

  • können für die Modellierung einer effizienten Allokation der Flächen verwendet werden,
  • ermöglichen eine vergleichende Gegenüberstellung der präferenzbasierten ökonomischen Bewertung und der im Teil-Projekt "Biodiversity and Landscape" (FAL, Dr. B. Schüpbach und Dr. T. Walter) erfassten expertenbasierten Bewertungsergebnisse,
  • stehen bezüglich einer Ausdehnung oder Reduktion des Waldareals als Input für das Teil-Projekt "Sustainable Multipurpose Management of Urban Forests" (WSL, Dr. A. Bürgi und D. Köchli) zur Verfügung.

Publikationen

  • Schläpfer, F., Schmitt, M., Roschewitz, A., 2008: Competitive politics, simplified heuristics, and preferences for public goods. Ecological Economics, 65 (3): 574-589. [PDF]
  • Schläpfer, F., Schmitt, M., Roschewitz, A., 2007: Competitive politics, simplified heuristics, and preferences for public goods. Working Paper No. 0712, Socioeconomic Institute, University Zurich, 42p. [PDF]
  • Schmitt, M., F. Schläpfer und A. Roschewitz (2005): Bewertung von Landschaftsveränderungen im Schweizer Mittelland aus Sicht der Bevölkerung: Eine Anwendung der Choice-Experiment-Methode. Eidg. Forschungsanstalt WSL, Birmensdorf. [PDF] [Anhang]
  • Schmitt, M., F. Schläpfer, A. Roschewitz (2005): Bewertung von Landschaftsveränderungen: Ein experimenteller Ansatz. Agrarforschung, 11(10). [PDF
  • Schläpfer, F., M. Schmitt and A. Roschewitz (2004): Stated preferences with and without external value cues. Paper, vorgestellt an der 13. Jahreskonferenz der European Association of Environmental and Resource Economists, Budapest. [PDF]

Vorträge

  • 06.11.2003, Forum für Wissen, Eidg. Forschungsanstalt WSL, "Welche Landschaft zu welchem Preis?", Referentin: A. Roschewitz

  • 03.05.2004, Bundesamt für Landwirtschaft, "Präferenzen für die Landschaft im Schweizer Mittelland: erste Ergebnisse", ReferentInnen: M. Schmitt, F. Schläpfer, A. Roschewitz
  • 22.03.2004, Institut für Agrarwirtschaft, ETH Zürich, "Präferenzen für die Landschaft im Schweizer Mittelland: erste Ergebnisse", ReferentInnen: M. Schmitt, F. Schläpfer, A. Roschewitz
  • 27.04.2004, Institut für Umweltwissenschaften, Universität Zürich, "Landscape preferences in the Canton of Zurich: A choice experiment", Referent: M. Schmitt
  • 27.06.2004, European Association of Environmental and Resource Economists, Budapest, "Stated preferences with and without external value cues", Referent: M. Schmitt
  • 05.10.2004, Forstökonomisches Kolloquium, Freising (D), "Bewertung von Landschaftsveränderungen im Schweizer Mittelland aus Sicht der Bevölkerung: Eine Anwendung der Choice-Experiment-Methode", Referent: M. Schmitt
  • 26.10.2004, Institut für Agrarwirtschaft, ETH Zürich, Schlussveranstaltung "Integriertes Forschungsprojekt Greifensee", "Bewertung von Landschaftsveränderungen: Ein experimenteller Ansatz", Referent: M. Schmitt
  • 15.11.2004, Workshop "Methodische Zugänge zur Erfassung von Landschaftsurteilen" (WSL), "Bewertung von Landschaftsveränderungen: Ein Choice-Experiment", Referent: M. Schmitt

Poster

  • Forum für Wissen, Eidg. Forschungsanstalt WSL "Welche Landschaft zu welchem Preis?" A. Roschewitz, F. Schläpfer, M. Schmitt [PDF]