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Einbezug von Naturschutzüberlegungen bei Durchforstung

Eine quasi-experimentelle Untersuchung von Entscheidungen auf Demonstrationsflächen (Marteloskope)

 

In jüngerer Zeit werden vermehrt Experimente auch zu sozialwissenschaftlichen Fragestellungen betreffend die Risikoverhalten und den Einfluss ökonomischer Anreize im Waldmanagement und bei der Durchforstung durchgeführt. Das INTEGRATE+ Projekt des EFICENT errichtet derzeit mehrere sogenannte “Marteloskope” (M-scopes), insbesondere in Baden-Württemberg, Bayern and der Schweiz, um die Ausbildung von Waldmanagement-Experten, Förstern und Studenten zu unterstützen, aber auch um weiteren Anspruchsgruppen die Gelegenheit zu geben, (hypothetische) Durchforstungs-Entscheidungen durchzuspielen. Diese M-scopes bieten eine einzigartige Gelegenheit um sozialwissenschaftliche Hypothesen betreffend den Ausgleich von ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten bei Entscheidungen im Wald basierend auf einer experimentellen Versuchsanlage zu testen. Das vorrangige Ziele des Projektes ist es demnach zu zeigen, welche individuellen und Gruppen-Eigenschaften die Fähigkeiten, diesen Ausgleich zu finden begünstigen und wie dies allenfalls auch von der Darstellung des Entscheidungsproblems und von anderen Anreizstrukturen abhängt.

Ziele

Das Projekt beabsichtigt, in verschiedenen Waldtypen verschiedene Vorgaben zu Waldmanagement und Durchforstung an unterschiedliche Gruppen von Probanden auf diesen M-scopes zu geben und aufgrund einer zugrundeliegenden experimentellen Versuchsanordnung Schlüsse zu ziehen darüber, wovon die Fähigkeit abhängt, bei der Durchforstung einen Ausgleich zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen zu finden. Das Projekt geht von den folgenden Vermutungen aus:

Q1: Verschiedene Ausbildungs-Hintergründe im Forstbereich können einen Unterschied ausmachen betreffend den Willen oder die Fähigkeit, Naturschutzüberlegungen in die Entscheidungen zu integrieren.

Q2: Die Darstellung des Kontexts eines Durchforstungsentscheids, wenn also verschiedene Anreizstrukturen mit der Problembeschreibung vorgegeben werden, macht einen Unterschied betreffend die Fähigkeit einen Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden. Z.B. wenn einmal die Aufgabe gestellt wird, möglichst den ökonomischen Wert zu maximieren bei Berücksichtigung ökologischer Zielsetzungen, und ein andermal die Aufgabe, möglichst viel ökologisches Potenzial zu erhalten gegeben einen Zielwertes für die Holzernte.

Forschungsplan

Das INTEGRATE+ Projekt des Mitteleuropäischen Regionalbüros des Europäischen Forstinstituts (EFICENT) hat eine Reihe von solchen Demonstrationsflächen (M-scopes) im Wald erstellt auf denen Studenten, Förster und Vertreter von Anspruchsgruppen in Durchforstungsmassnahmen unterrichtet werden können. Ein M-scope umfasst einen Hektar Fläche auf der alle Bäume über 7cm Durchmesser inventarisiert sind. Jeder inventorisierte Baum ist beschriftet und Individuen oder Gruppen können durch diese Fläche gehen und Bäume auf einer Liste (oder einem Table-Computer) markieren. Auf diesem Blatt oder Tablet können verschiedene Informationen betreffend die Bäume angezeigt werden, die für die Entscheidung wichtig sind, und je nach Zielsetzung des Experiments variiert werden können. Ausserdem ist für jeden Baum erhoben und festgelegt, welchen ökonomischen Wert welcher Teil des Baumes abwerfen kann und welches ökologische Potenzial der Baum aufgrund der bei ihm auffindbaren Mikrohabitate (oder Ansätze für Mikrohabitate). In methodischer Hinsicht muss in dem Projekt ein quasi-experimentelles Verfahren gefunden werden, wie bei einer Untersuchungs- und einer Kontrollgruppe auf demselben oder auf ähnlichen Versuchsflächen eine prä- und post-Intervention Beobachtung gemacht werden kann. Die Intervention besteht darin, dass das Blatt oder der Tablet mit den Eigenschaften konsultiert werden kann und eine entsprechende Instruktion stattfindet.