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ENHANCE Modul 4: Gesellschaftliche und ökonomische Relevanz von Verbesserungen der Ökosystemqualität

 

ENHANCE

Das ENHANCE Projekt testet und evaluiert die Konnektivität von terrestrischen und uferbasierten Ökosystemen vor und nach Konnektivitätssteigerungen mittels modernen molekulargenetischen Experimenten und bevölkerungsdynamischen Analysen. ENHANCE stützt sich ab auf die kombinierte Expertise von Teams der WSL, ETHZ, EAWAG und EPFL, um in aquatischen und terrestrischen Habitaten vor und nach Steigerungen der strukturellen Konnektivität mittels experimentellen Interventionen die speziesspezifische Bevölkerungstragfähigkeit zu quantifizieren. Diese Befunde werden genutzt, um Masse von struktureller Konnektivität mit spezies-spezifischen Reaktionen zu kombinieren, sowie um eine Reihe von Modellen zu kalibrieren, mittels derer die empirischen Befunde auf verschiedene biotische und räumliche Massstäbe aufskaliert werden können. Da die Steigerung von Ökosystem-Konnektivität im Naturschutz und -management eine hohe Priorität geniesst, stellen wir gesellschaftliche und ökonomische Einschätzungen von kürzlich erfolgten Interventionen zur Steigerung von struktureller Konnektivität zur Verfügung. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf der Auswertung von Einstellungen und Wahrnehmung der Bevölkerung bezüglich Ökosystemverbesserungen.

ENHANCE Modul 4

Fragen, die in Modul 4 beantwortet werden sollen:

  • FM4.1: Welche Ökosystemverbesserungen tragen am besten zur wahrgenommenen Lebensqualität bei und sind gleichzeitig ökonomisch am nützlichsten?
  • FM4.2: Welche partizipativen Management- und Planungsansätze und welche institutionellen Settings tragen am besten dazu bei, die Umsetzung von Ökosystemmanagement- und Planungsstrategien effektiv und effizient zu gestalten? 

Submodul 1: Forschung zu Einstellungen, inklusive ökonomischen Wertzuschreibungen

Das Gesamtziel dieses Submoduls ist es, diejenigen Qualitäten und Konnektivitätsgrade der Natur und des Ökosystems zu finden, welche am besten zur wahrgenommenen Lebensqualität beitragen, sowie den wirtschaftlichen Nutzen der so durch die Ökosystemverbesserung erhöhten Lebensqualität zu schätzen. Eine kurze induktive Forschungsphase erlaubt es, tiefgehende Einsichten zu den Bedürfnissen und Präferenzen der Bevölkerung zu gewinnen. Eine darauf aufbauende deduktive Phase wird statistische Modelle testen und dazu repräsentative quantitative Daten für die Projektziele und -fragen sammeln. Die folgenden Stichprobengruppen werden in jeweils beiden Phasen untersucht: (1) die ganze Schweizer Bevölkerung und (2), als eine spezielle Untergruppe von (1), die Bewohner von spezifischen Gegenden der Fallstudien.

Aufgabe 1: Gewinnung eines Grundverständnises der gesellschaftlichen und ökonomischen Wichtigkeit von Ökosystemqualitäten und deren Verbesserung für die Bevölkerung und für Interessensvertreter.

Diese Aufgabe wird in zwei Phasen erledigt. In einer kurzen induktiven Forschungsphase werden problemzentrierte Interviews (Witzel 1985) durchgeführt. Die Interviewten werden dabei gemäss einer theoretischen Stichprobenstrategie ausgewählt (Strauss 1991: 43f; Patton 1990). Aus dem Kreis der in Frage kommenden qualitativen Techniken (Lamnek 1989) wird das "problem-zentrierte Interview" von Witzel (1985) angewendet. Die aufgenommenen Interviews werden transkribiert und danach gemäss dem "Grounded Theory"-Ansatz von Strauss (1991) analysiert. Das darauf aufbauende theoretische Modell wird auf der Basis dieser Analysen und existierender Theorien und Studien zusammengestellt. In der zweiten, deduktiven Forschungsphase werden Discrete-Choice-Modelle angewendet. Dazu wird der standardisierte Fragebogen aus einer Reihe von Wahlmöglichkeiten bestehen, welche verschiedene, für Ökosystemverbesserungen relevante Attribute repräsentieren (z.B. verschiedene Ökosystemqualitäten, Visualisierungen der resultierenden Landschaft usw.). Ein solches Attribut wird die angemessene Einschätzung der finanziellen Konsequenzen jedes Szenarios darstellen, um damit auf indirekte Weise den Preis bzw. den ökonomischen Wert zu messen, welcher diesem Attribut gemeinhin zugemessen wird. Die Daten werden sowohl mit univariaten als auch mit multivariaten statistischen Techniken ausgewertet, um die Gültigkeit des theoretische Modells für die Grundgesamtheit zu überprüfen. Die dazu notwendige Stichprobe der Schweizer Bevölkerung wird zufällig ausgewählt und basiert auf den erhältlichen BFS-Daten zu Haushaltsadressen. Die Nettostichprobengrösse sollte dabei zumindest 1000 Personen erreichen, um genügend präzise Resultate zu gewähren. Die Stichproben der Anwohner in den Fallstudiengegenden werden auf die gleiche Weise gezogen mit dem Ziel, eine Nettostichprobengrösse von mindestens 100 pro Fallstudiengegend zu erreichen.

Team:

Submodul 2: Ökonomische Untersuchung

Das übergreifende Ziel dieses Submoduls ist es, eine Synthese von realisierten und geplanten Verbesserungsmassnahmen bezüglich Kosten und Nutzen, Gewinnern und Verlierern sowie Verteilungseffekten zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die folgende Aufgabe bearbeitet:

Aufgabe 2: Erstellung von Kosten-Nutzen Analysen der Verbesserungs- und Defragmentierungsmassnahmen, um die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Was ist ein angemessenes allgemeines Schema für Kosten-Nutzen Analysen von Verbesserungs- und Defragmentierungsmassnahmen, und was sind potentielle Hindernisse?
  • Was ist der Nutzen von solchen Massnahmen und wie kann er untersucht werden?
  • Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer von solchen Massnahmen, was sind die Verteilungseffekte?

Die Aufgabe wird mittels folgender Methoden erfüllt:

  • Vergleichende Analyse (Meta-Analyse, van den Bergh 1997) der Kosten-Nutzen Analysen von bereits verwirklichten Defragmentierungsmassnahmen (Restaurierungen). Der Fokus des Vergleichs wird auf der Analyse von einbezogenen Aspekten (Systemgrenzen) sowie auf deren prioritären Gewichtung liegen. Die sich daraus ergebenden Resultate werden in ein übergreifendes Schema für Kosten-Nutzen Analysen eingebettet. Für diese Analyse werden verfügbare Prozessdokumente, Kosten-Nutzen Analysen sowie bereits existierende Literatur benutzt.
  • Analyse des sozioökonomischen und politischen Kontexts (Interviews, Analyse der Finanzflüsse) von spezifischen Defragmentierungs- und Verbesserungsmassnahmen, um Gewinner und Verlierer sowie Verteilungseffekte zu identifizieren. Methode: Qualitative Interviews, welche mittels empirischer sozialwissenschaftlichen Methoden analysiert werden (z.B. Lamnek 1989).
  • Entwicklung eines Konzepts für die Nutzenanalyse von spezifischen Defragmentierungs-/Verbesserungsmassnahmen, um die Kostenanalysen eines Drittmittelprojektes zu ergänzen. Dieser Schritt basiert auf klassischen Methoden der Kosten-Nutzen Analyse (z.B. Hanley and Spash 1993).

Team:

Submodul 3: Planungs- und Management-Forschung

Das übergreifende Ziel in Submodul 3 ist es die Untersuchung, ob (partizipative) Planungs- und Managementansätze sowie die damit einhergenden institutionellen Settings die öffentliche Akzeptanz von Ökosystemverbesserungsstrategien erhöhen könnwn. Um dieses zu erreichen, werden zwei Schritte durchgeführt: (a) eine Phase der Literatursuche und der Projektdokumentation, in welcher wir Faktoren identifizieren, die den Effekt und die Effizienz (Kosten, Zeit) von verschiedenen Typen von Planungsprozeduren fördern oder hindern. Zudem werden wir die langfristigen Effekte dieser Planungsprozeduren untersuchen. Der Hauptfokus liegt aber auf (b), der experimentellen Phase, welche zum Ziel hat, die Signifikanz von gegebenen Handlungsspielräumen für den Erfolg (Effekt und Effizienz) von Planungsprozessen festzustellen.

Aufgabe 3: Identifikation der Erfolgsfaktoren für partizipative Planungsprozesse und des angemessenen Handlungsspielraums für die lokalen Interessensvertreter.

Diese Aufgabe wird mittels einer Phase der Literatursuche und der Projektdokumentation sowie ebenfalls mit einer experimentellen Phase erledigt: In der Literatursuch-/Projektdokumentations-Phase werden zwei Methoden angewendet: Semi-standardisierte Interviews mit involvierten Interessensvertretern sowie die Analyse von existierenden Dokumenten über diese Planungsprozesse (Pläne und Projektbeschriebe, Protokolle, Zeitungsartikel). 5-6 Fallstudien mit einer maximalen Variation an vergangenen Planungsprozessen werden ausgewählt. Die Planungsprozesse umfassen entweder Ökosystemverbesserungs- oder Naturinstandsetzungsprojekte. Zudem werden die Interviewpartner gemäss des Prinzips der maximalen Variation (Morse 1994; Patton 1990) und einem theoretischem Stichprobenaufbau folgend (Strauss 1991) ausgewählt. Danach werden die qualitativen Interviews transkribiert und zusammen mit den Prozessdokumenten mittels inhaltsanalytischer Methoden ausgewertet (Mayring 2003). In der zweiten, experimentellen Phase werden Prozesse mit einem grossen Handlungsspielraum (z.B. Konsensaufbau) verglichen mit solchen mit einem geringen Handlungsspielraum (z.B. öffentliche Anhörungen). Diese Auswertung beinhaltet die Messung von Einstellungen (z.B. "Unterstützung für Verbesserungsmassnahmen") von sämtlichen Prozessteilnehmenden und eines Teils der entsprechenden Lokalbevölkerung vor und nach dem Prozess (die der Gesamtbevölkerung erst nach einer 6-monatigen Diffusionszeit nach Beendigung des jeweilige Prozesses) mittels (beinahe identischen) standardisierten Fragebogen. Zudem wird eine Beobachtung des Prozesses (Dokumentation, kurze Interviews) durchgeführt. Die Fragebogendaten werden statistisch analysiert, während die dokumentierten Beobachtungen und die transkribierten Kurzinterviews mittels Inhaltsanalyse ausgewertet werden (Mayring 2003).

Team: