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Multifunktionale Bewirtschaftung von Wäldern

 

Ein multikriterielles Entscheidungssystem auf forstbetrieblicher Ebene

Die multifunktionale Waldbewirtschaftung stellt Forstbetriebe heute vor eine grosse Herausforderung. Die vielfältig nachgefragten Güter und Leistungen des Waldes (Ecosystem Services) führen zu einer komplizierten forstlichen Planung und Entscheidungsfindung. Um diese zu unterstützen, werden geeignete Konzepte und Tools benötigt.

 

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung umfasst heute nicht mehr nur die Funktion der reinen Holzproduktion, sondern berücksichtigt gleichzeitig die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald. Das Hauptziel ist es, die drei Zieldimensionen bestmöglich aufeinander abzustimmen. Um dies zu gewährleisten, ist die nachhaltige Waldbewirtschaftung in der Schweiz u.a. im Rahmen der Waldpolitik 2020, einer politischen Absichtserklärung des Bundesrates, weiter konkretisiert. Danach ist der Wald so zu bewirtschaften, dass er alle Funktionen und Leistungen (Ecosystem Services) nachhaltig und gleichwertig erfüllen kann. Dazu zählen neben dem Schutz der natürlichen Ressourcen insbesondere:

  • die Sicherstellung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Forstbetriebe,
  • der Schutz vor Naturgefahren,
  • der Schutz von Artenvielfalt und Lebensräumen (Biodiversität) sowie
  • die Verfügbarkeit von Freizeit- und Erholungsraum.
  • Gleichzeitig soll den stattfindenden Änderungen im Umfeld der Wald- und Holzwirtschaft, allem voran dem Klimawandel, Rechnung getragen werden.
 

Diese nachhaltige und multifunktionale Forstwirtschaft stellt Forstbetriebe heute vor eine grosse Herausforderung, nicht nur in der Schweiz. Denn sie müssen im Rahmen ihrer forstlichen Planung langfristige und weitreichende Entscheide treffen, die einen massgeblichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Wälder, die Bereitstellung der nachgefragten Leistungen und die zukünftige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe haben. Dies ist eine schwierige und komplexe Aufgabe. Dabei stehen sie insbesondere vor der Frage, mit welchen waldbaulichen Behandlungsstrategien sich die Zielvorgaben der Multifunktionalität auf betrieblicher Ebene bestmöglich umsetzen lassen und speziell wie sich diese auf die ökonomische Situation ihrer Betriebe auswirken.

Je vielfältiger die nachgefragten Güter und Leistungen des Waldes dabei sind, umso komplizierter und herausfordernder wird die Planung und Entscheidungsfindung. Dies unterstreicht den dringenden Bedarf nach geeigneten Konzepten und Tools zur Entscheidungsunterstützung. Gleichzeitig ist der Wald und das forstliche Management vermehrt dem öffentlichen Interesse unterworfen, was den Bedarf nach Entscheidungsunterstützungssystemen erhöht.

Details zum Projekt

Projektdauer

2014 - 2017

Projektleitung

Dr. Renato Lemm

 

Projektziel

Im Rahmen dieses Projektes werden folgende Fragestellungen untersucht:

  • Wie lassen sich die Ziele der Schweizer Waldpolitik 2020 – Ökonomie, Schutz vor Naturgefahren, Biodiversität, Erholung und Freizeit sowie CO2-Speicherung – in praktikable Zielwerte für das Management auf betrieblicher Ebene umsetzen?
  • Welche waldbaulichen Behandlungsstrategien eignen sich, um die Leistungen bestmöglich zu erfüllen?
  • Was sind geeignete Indikatoren und Methoden, um die Leistungen zu erfassen und die waldbaulichen Behandlungsstrategien zu vergleichen?
  • Wie sind die waldbaulichen Behandlungsstrategien im Hinblick auf die Erfüllung der Ziele zu bewerten:
    • Was sind optimale Zielerreichungsprofile für die Strategien, sowohl auf Bestandes- wie auch auf Betriebsebene?
    • Gibt es eine Art «WIN-WIN-Strategie» (Trade-off Situation)
  • Welchen Einfluss übt der Klimawandel auf die Erfüllung der Ziele aus?
  • Welche finanziellen Konsequenzen resultieren für einen Forstbetrieb aus der Durchführung der verschiedenen waldbaulichen Behandlungsstrategien?

Zur Beantwortung der Fragestellungen soll eine multikriterielles Systems zur Entscheidungsunterstützung (MCDA-Modell) entworfen werden, mit dessen Hilfe auf der Ebene des Forstbetriebes:

  • Bewirtschaftungsziele definiert sowie quantitativ abgebildet und
  • bei verschieden Behandlungsstrategien bezüglich ihrer Nachhaltigkeit, d.h. unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten, bewertet werden können.

Das System soll die anspruchsvolle Planung und Steuerung des komplexen Waldökosystems unterstützen. Es soll ermöglichen, geeignete waldbauliche Behandlungsstrategien zu ermitteln, um die Schweizer Waldpolitik 2020 im Rahmen der Forstplanung bestmöglich zu realisieren.

 

Methode

Der Ablauf und die methodische Herangehensweise des Projektes unterteilen sich in drei Schritte:

  1. Im ersten Schritt erfolgt die Entwicklung des MCDA-Modells und seines indikatorbasierten Bewertungsrahmens für die Erfassung des Entscheidungsproblems und der Bewirtschaftungsziele. Dies stellt den zentralen methodischen Teil des Projektes dar.
  2. In einem weiteren Schritt werden Modelle für die Definition und Simulation von waldbaulichen Behandlungsstrategien angepasst und miteinander Verknüpft. Die Simulation der Waldentwicklung erfolgt mittels des Entscheidungsunterstützungssystems WaldPlaner der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt NW-FVA. Für die Bewertung ökonomischer Leistungen wird dieses mit dem Holzernteproduktivitätsmodell HeProMo und dem Sortimentssimulator SorSim der WSL gekoppelt.
  3. Anhand von zwei Forstbetrieben, einem Mitteland- und einem Gebirgsforstbetrieb, wird das System angewendet. Dabei werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Bewirtschaftungsstrategien auf die Leistungen des Waldes betrachtet und anhand der eingangs genannten Fragestellungen untersucht. Neben den betrieblichen Fallbeispielen sollen auch Daten des Landesforstinventars LFI für die Untersuchung der Fragestellungen herangezogen werden.
 

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