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Naturräume unter Druck? Eine naturwissenschaftliche Betrachtung der Veränderungen von wilden Räumen in der Schweiz seit 1985

Autori
Anno di pubblicazione
2020
Volume
98 pagine
Citazione:

Burch, R., 2020: Naturräume unter Druck? Eine naturwissenschaftliche Betrachtung der Veränderungen von wilden Räumen in der Schweiz seit 1985. Master thesis. 98 p.

 

Burch, R., 2020: Naturräume unter Druck? Eine naturwissenschaftliche Betrachtung der Veränderungen von wilden Räumen in der Schweiz seit 1985. Masterarbeit ETH Zürich und WSL. 98 Seiten. Betreut von Prof. Dr. Felix Kienast, ETH Zürich/WSL & PD Dr. Matthias Bürgi, ETH Zürich/ WSL.

 

Diese Masterarbeit hat zum Ziel, Landnutzungs-Dynamiken der letzten 30 Jahre im Zusammenhang mit der Wildnisdiskussion in der Schweiz zu untersuchen. Dazu werden zuerst sogenannte Landnutzungs-Trajektorien1  definiert, um ablaufende Prozesse der Bodennutzung und -bedeckung zu verstehen. Exemplarisch werden diese Veränderungen anhand von Fallbeispielen graphisch aufbereitet. Im zweiten Teil werden diese Landnutzungs-Trajektorien verwendet, um die  für die Wildnisqualität wichtigen Indikatoren über die letzten 30 Jahre zu berechnen: (1) Natürlichkeit der Bodennutzung, (2) menschlicher Einfluss (Fragmentierung, Infrastruktur, Bewirtschaftung), (3) Abgeschiedenheit (Zugänglichkeit) und (4) Rauheit der Topografie. Die Methodik orientiert sich an der Studie von Radford, et al. (2018), wurde aber auf eine historische Betrachtung angepasst. Durch die Verwendung verschiedener retrospektiv verfügbaren Datensätze ist es möglich, Veränderungen seit 1979/1985 zu untersuchen.

Die Untersuchungen zeigen, dass die Landnutzung einer hohen Dynamik unterworfen ist. Dabei konnten verschiedene regional unterschiedliche Entwicklungen mit den Landnutzungs-Trajektorien herausgearbeitet werden: Im Alpenbogen sowie auf der Alpensüdseite folgt die Mehrheit der Veränderungen entweder einer Extensivierung (Einwachsen von aufgegebenen, ehemals extensiv genutzten Flächen bis hin zu Wald) oder natürlichen Prozessen, die beim Gletscherrückzug beginnen und durch Bodenbildung sowie durch Einwachsen von Vegetation den Trajektorien folgen. Im Mittelland und im Jura finden Extensivierungsprozesse kaum statt. Dort dominiert die Ausdehnung von Siedlungsflächen auf Kosten der Landwirtschaftsflächen. Diese Veränderungen wirken sich wesentlich auf drei der vier Indikatoren der Wildnisqualität aus. Dabei können auch hier regionale Unterschiede beobachtet werden: Im Jura hat die Wildnisqualität als Summe aller vier Indikatoren mit 0.34 Einheiten am stärksten abgenommen. Auch im Mittelland und im Alpenbogen hat sie abgenommen. Einzig auf der Alpensüdseite ist eine Zunahme vorhanden. Die Gründe für diese Veränderungen sind vielschichtig und regional unterschiedlich. Im Alpenbogen sind zwei gegenläufige Prozesse feststellbar: Die Extensivierung der Landnutzung führt zu einer erhöhten Natürlichkeit. Gleichzeitig nimmt aber - bedingt durch die Zunahme der (Verkehrs-)Infrastruktur, die Abgeschiedenheit ab bzw. der menschliche Einfluss zu. Im Mittelland und im Jura verringert der Siedlungsdruck die Wildnisqualität.

Obwohl sich die Mittelwerte der Wildnisqualität in den einzelnen Regionen nur wenig verändert haben, konnte gezeigt werden, dass sowohl die Kultur- als auch die Naturräume einer starken Veränderung unterworfen sind und unter Druck stehen, wobei die regionalen Unterschiede berücksichtigt werden müssen.


1 Die Landnutzungs-Trajektorien wurden analog zum Sukzessionskonzept aus der Vegetationsökologie entwickelt. Anstelle der zeitlichen Entwicklung von Pflanzengesellschaften werden Entwicklungsprozesse der Bodennutzung und Bodenbedeckung betrachtet.