29.01.2026 | WSL News
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Als Wissenschafterin bin ich davon überzeugt, dass Wissen geteilt werden muss. In technologieschwachen Ländern erschweren fehlende Infrastruktur und Kenntnisse über moderne Technologien den wissenschaftlichen Fortschritt sowie die Karriere talentierter Forschender. Im Rahmen des TreeFunAZ-Projekts tauschen wir deshalb Technologie und Wissen zwischen der Schweiz und Aserbaidschan aus, um ein regelmässiges Monitoring von Pilzen in aserbaidschanischen Wäldern zu ermöglichen. Ziel ist es, dass die Forschenden des Botanischen Instituts in Baku künftig potenziell schädliche Pilze frühzeitig erkennen können, bevor diese Organismen nach Europa gelangen. Dazu ist es nötig, in den Wäldern periodische Erhebungen durchzuführen, ein funktionierendes Labor aufzubauen und das Personal darin zu schulen, wie die molekulare Diagnose von Pilzen funktioniert.
Ein Labor für ein heisses Klima ¶
In Baku sind die Sommer lang, sehr heiss und schwül. Das Laborkonzept musste daher sowohl die Einrichtungen des Botanischen Instituts als auch die klimatischen Bedingungen berücksichtigen. Im Institut standen zwei Räume mit wenigen Steckdosen, fliessendem Wasser, ein paar Tischen und zwei alten Kühlschränken bereit. Es war klar: Die vorhandene Einrichtung musste zuerst aufgerüstet werden. Das Labor brauchte weitere Stromanschlüsse sowie eine Klimaanlage, Tische und Laborhocker.
Mein WSL-Kollege Quirin Kupper und ich entwarfen von der Schweiz aus einen Plan für die beiden Räume und suchten in Katalogen passende Geräte und Werkzeuge aus. Dabei achteten wir auf Kriterien wie Langlebigkeit, Wartungsfreundlichkeit und einfache Bedienung. Ich habe mit Firmen in und ausserhalb Aserbaidschans Kontakt aufgenommen. Geschäfte in Aserbaidschan werden anders abgewickelt als bei uns. So benötigen Lieferanten von Laborgeräten Vorkaufverträge für die Zollabfertigung, also habe ich Offerten eingeholt und Kaufverträge aufgesetzt.
Die lang ersehnte Laborausrüstung ist eingetroffen! ¶
Über mehrere Monate hinweg trafen die bestellten Geräte in Baku ein. Im Oktober 2025 reiste ich nach Aserbaidschan. Zusammen mit den Kolleginnen des Botanischen Instituts verbrachte ich viele Stunden damit, das Mobiliar zu reinigen, die Geräte auszupacken und zu testen sowie Gebrauchsanweisungen und Unterhaltsanleitungen zu erstellen. Nach zehn Tagen war die Einrichtung abgeschlossen und die Mission vollbracht: Das Botanische Institut besass nun das lang ersehnte Labor, das seiner Forschung eine völlig neue Perspektive eröffnet. So können uns die Kolleginnen und Kollegen in Aserbaidschan bei der Früherkennung von schädlichen Pilzen unterstützen, bevor diese die Schweiz unerkannt erreichen. Ich war überwältigt von dem, was ich erreicht hatte. Das war Anlass genug für eine festliche Einweihung!
Es darf gefeiert werden ¶
Am 16. Oktober 2025 eröffnete das Botanische Institut in Baku das Labor mit einer Feier. Zu den geladenen Ehrengästen zählten der Schweizer Botschafter in Aserbaidschan, Herr Thomas Stähli, und Herr Iltifat Ibrahimov von der aserbaidschanischen Agentur für Wissenschaft und Hochschulbildung. Der Botschafter vertrat freundlicherweise den SNSF, der das Labor finanziert hat.
Neben den vielen aserbaidschanischen Köstlichkeiten gab es eine grosse Torte mit den Logos aller beteiligten Partner: des Botanischen Instituts, des Schweizerischen Nationalfonds und der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL. Das hat mich sehr gefreut. Zudem schenkte uns die Direktorin des Botanischen Instituts eine aserbaidschanische und eine Schweizer Flagge, die noch heute das Labor in Baku schmücken.
Die Zusammenarbeit geht weiter ¶
In Aserbaidschan habe ich gelernt, dass sich mit einem knappen Budget und dem Konzept «reduced to the max» das Ergebnis bei weitem über die Investition hinaus steigern lässt. Heute arbeiten die jungen Kolleginnen in Baku bereits selbstständig im neuen Labor für Molekularbiologie und können die Ziele unseres Projekts auch nach dessen Ende weiterverfolgen. Wir freuen uns sehr auf eine weitere produktive Kooperation.
Hier geht’s zum Teil 1 des Blogs: Auf der Suche nach versteckt lebenden Pilzen in Aserbaidschan – eine Reise voller Herausforderungen
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