Oswald Heer-Preis 2024: Arven und ihr Potenzial, sich an den Klimawandel anzupassen

05.02.2024 | Christian Rellstab/Lisa Bose | WSL News

Evolutionsbiologe Benjamin Dauphin von der Eidg. Forschungsanstalt WSL erhält den Oswald Heer-Preis 2024 für seine Forschung zur genetischen Anpassung der Arve an das alpine Klima und den Klimawandel. Der Preis der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft wurde unter dem Patronat der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Glarus (NGG) verliehen.

Ende Januar 2024 verlieh die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft in Glarus zum fünften Mal den Oswald-Heer-Preis für herausragende Forschung im Alpenraum. Der Preis ging an WSL-Forscher Benjamin Dauphin für seine Arbeit zur Anpassungsfähigkeit der Arve an den Klimawandel. Er konnte zeigen, dass langlebige Baumarten wie die Arve allein aufgrund von genetischen Veränderungen wohl nicht mit dem schnellen Klimawandel mithalten können.

Benjamin Dauphin rekonstruierte die historischen klimatischen Bedingungen und die genetische Zusammensetzung von Schweizer Arvenbeständen. In den letzten 150 bis 250 Jahren ist es in den Beständen leicht trockener und deutlich wärmer geworden. In der gleichen Zeitperiode konnte er aufgrund von umfangreichen Genom-Sequenzierungen auch wichtige genetische Veränderungen nachweisen, die bei der Klima-Anpassung eine Rolle spielen. Allerdings waren diese Veränderungen erheblich geringer als nötig, damit sich die Art an die vorhergesagten, schnellen Klimaveränderungen anpassen kann. Es besteht also das Risiko, dass Arvenbestände lokal aussterben werden.

Forschen, um die Arve zu erhalten

Umfangreiche genomische Analysen von Nadelbäumen wie der Arve sind eine grosse Herausforderung. Das Erbgut der Arve ist fast zehnmal so gross wie das des Menschen. Indem Dauphin Jahrring-, Klima- und Genom-Daten gleichzeitig untersuchte, konnte er die klimatischen und genetischen Veränderungen in Bezug zueinander setzen. Um die Arve in geografischen und ökologischen Randbereichen zu erhalten, dürften mittelfristig waldbauliche Eingriffe notwendig werden. Benjamin Dauphins Erkenntnisse könnten dabei auch helfen, genetisch vielfältige Bestände zu schützen und zu fördern, zum Beispiel bei der Auswahl der Herkunft von Saat- und Pflanzgut.

Mit seiner Arbeit über die genetische Anpassung der Arve an alpine Umweltbedingungen hat Benjamin Dauphin einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Genetik dieser charakteristischen Baumart im Schweizer Alpenraum geleistet. Seine Erkenntnisse lassen sich auch auf andere langlebige Baumarten mit langer Generationszeit übertragen.

Der Oswald Heer-Preis wird seit 2015 alle zwei Jahre verliehen. Er soll an den grossen Glarner Paläontologen, Botaniker und Entomologen und die Gründerpersönlichkeit Oswald Heer (1809–1883) erinnern. Mit dem Preis werden hervorragende Arbeiten von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern ausgezeichnet, die in der Schweiz tätig sind und in den Forschungsgebieten Oswald Heers arbeiten, wenn möglich mit Bezug auf Forschungsobjekte aus dem Glarnerland. Federführend für die Preisvergabe ist gegenwärtig die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft. Daneben wird der Oswald Heer-Preis von den folgenden Vereinigungen mitgetragen: Naturforschende Gesellschaft des Kantons Glarus, Historischer Verein des Kantons Glarus, Naturforschende Gesellschaft in Zürich, Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften SCNAT, Schweizerische Botanische Gesellschaft, Schweizerische Geologische Gesellschaft, Schweizerische Gesellschaft für die Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften.


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