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Bis zu 130-jährige Datenreihen liefern Antworten für den Wald von morgen

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«Der Forstwirtschaft in ihrem vollsten Umfange eine sichere Grundlage zu verschaffen»: Diesen Auftrag erhielt 1885 die Vorgängerin der WSL, die «Centralanstalt für das forstliche Versuchswesen». Dazu gehörte von Beginn an, offene Fragen zur Entwicklung und Bewirtschaftung des Schweizer Waldes zu erforschen und die Ergebnisse ihrer Arbeit der Forstpraxis zu vermitteln.

Um das zu ermöglichen, führt die WSL auch heute noch zahlreiche Versuchsreihen zum Wachstum der häufigsten Baumarten und Waldtypen durch. Sie betreibt in der Schweiz 390 Versuchsflächen mit einer Gesamtfläche von 132 Hektaren, so gross wie etwa 180 Fussballfelder. Forschende messen das Durchmesser- und Höhenwachstum der Bäume, erfassen abgestorbene Individuen und die Intensität waldbaulicher Eingriffe. Die Flächen bilden ganz unterschiedliche Waldarten ab: Im Mittelland gibt es neben vielen Buchen- und Fichtenflächen auch solche mit Eichen, auf der Alpensüdseite mit Edelkastanien und im Hochgebirge mit Lärchen und Arven.

 

In den Voralpen und im Jura erhebt die WSL Daten von sogenannten Plenterwäldern, in denen regelmässig nur einzelne dicke Bäume genutzt werden. «Der mehr als 100 Jahre umfassende Datensatz gehört zu den wertvollsten, die es weltweit aus solchen Mischwäldern gibt», sagt David Forrester, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe Bestandesdynamik und Waldbau. Die Erkenntnisse aus der Forschung helfen Förstern und Waldeigentümern, den Lichteinfall in Plenterwäldern optimal zu steuern, in denen sowohl lichtbedürftige Baumarten wie Fichte und Buche als auch schattentolerante Baumarten wie die Tanne wachsen.

Schatzkiste, um neue Fragen zu beantworten

«Unsere langfristigen, an mehr als 450 000 Einzelbäumen gewonnenen Datenreihen belegen, wie Bäume auf äussere Einflüsse reagieren», sagt Forrester. Damit können die Forschenden den Forstleuten beispielsweise Auskunft geben, welche Baum­artenmischungen sich am besten eignen, um qualitativ hochwertiges Holz zu erzeugen und eine nachhaltige, möglichst naturnahe Waldbewirtschaftung sicherzustellen. Oder auch, wo und wie Gebirgswälder vor Lawinen oder Steinschlag schützen. «Die Auswirkung des Klimawandels auf unterschiedlich behandelte Wälder ist ein typisches Beispiel für Umweltveränderungen, die in der Waldwirtschaft neue Fragen aufwerfen», so Forrester. (Reinhard Lässig, Diagonal 1/19)